„Die Artillerie ist entscheidend”

„Die Artillerie ist entscheidend”

  • Interview
  • Artillerielehrbataillon 325
Datum:
Ort:
Munster
Lesedauer:
3 MIN

Halbjährig für zwei Monate ins Manöver. Fordernde Aufgaben liegen vor 100 Frauen und Männern des Artillerielehrbataillons 325. Ab 2021 unterstützt es Enhanced Forward Presence (EFPEnhanced Forward Presence) in Litauen. Kommandeur Alfred Grethe spricht über die Vorbereitung, Besonderheiten der Artillerie und die Rückkehr der Batteriebesichtigung.

Ein Porträt von einem Soldat mit Funkgerät und Fernglas vor der Brust

Wacht über das Geschehen: Oberstleutnant Alfred Grethe, Kommandeur des Artillerielehrbataillons 325

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Herr Oberstleutnant Grethe, was macht das Artillerielehrbataillon 325 in Litauen?

Das Panzerlehrbataillon 93, unser Schwesterbataillon, wird ab Januar 2021 die neunte Rotation im Zuge von Enhanced Forward Presence stellen. Erstmals handelt es sich dabei um ein Bataillon der ersten Panzerdivision. Wir unterstützen und stellen ein Joint Fire Support Coordination Team (JFSCT), das bei artilleristischen Fragen beratend zur Seite steht. Diese Soldaten werden für sechs Monate in Litauen sein. Weitere 100 Soldatinnen und Soldaten werden halbjährlich jeweils zwei Monate die Übung Iron Wolf unterstützen. Und das in den nächsten vier Jahren, erstmals im kommenden Frühjahr. Das ist eine tolle Gelegenheit, innerhalb des Manövers artilleristisch zu schießen. Das festigt Wissen, Können und Abläufe. 

Das klingt sehr herausfordernd und anstrengend für Ihr Bataillon.

Es wird sehr belastend werden für Mensch und Material. Wir sind dadurch in den kommenden vier Jahren stark gebunden. Ich habe drei Rohrbatterien. Jede hat für ein Jahr den Auftrag, die Aufgaben im Zuge von EFPEnhanced Forward Presence zu übernehmen. Das bedeutet, dass wir anfänglich zehn Personen für das JFSCT stellen und zusätzlich halbjährlich 100 Soldatinnen und Soldaten für jeweils zwei Monate zum Manöver nach Litauen fahren. Dazu haben wir natürlich noch unsere weiteren Aufträge, Lehrgänge, Überstunden- und Urlaubsabbau. Zudem müssen auch Geräte und Waffen regelmäßig zur technischen Materialprüfung. Vor- und Nachbereitung der Einsätze gehören ebenfalls dazu. Das erste halbe Jahr stellen wir das JFSCT, im zweiten Halbjahr muss die Kampftruppe selbst das nötige Personal stellen. Im zweiten Durchgang sind beispielsweise die Niederländer dran. Die Belastung und Aufgaben sollen auf mehrere Schultern verteilt werden.

Warum ist die Artillerie so gefragt?

Die Artillerie ist entscheidend. Der Grundsatz lautet: Feuer und Bewegung. Wenn die Kampftruppe sich bewegt und Ziele nicht selbst bekämpfen kann, dann greifen wir ein. Jede Bewegung der Kampftruppe wird durch die Artillerie unterstützt und gesichert. Das bedeutet auch: Je weniger Artillerie da ist, desto weniger Bewegung kann gesichert werden. Fakt ist jedoch, dass es zu wenige von uns gibt. Wir haben vier Artilleriebataillone, in der ersten Panzerdivision nur eines – das 325er mit insgesamt 980 Soldatinnen und Soldaten. 

Ein Soldat markiert Punkte auf einer Landkarte

An der Karte: Oberleutnant Fabian Baerens koordiniert das Geschehen. Er plante die Übung Tenacious Taurus.

Bundeswehr/Torsten Kraatz

Wie bereiten Sie die Frauen und Männer auf die Aufgaben in Litauen vor?

Durch die Übung Tenacious Taurus auf dem Truppenübungsplatz Munster unter anderem. Die Soldatinnen und Soldaten leben währenddessen in der Lage. Wir haben die Möglichkeit, scharf zu schießen und verschiedene Szenarien darzustellen. Das Ziel ist es, dass ich die 4. Batterie schließlich für den Auftrag „Stellen einer Artilleriebatterie” als überprüft und qualifiziert melden kann. Das Besondere an dieser Übung ist, dass es erstmals wieder eine Batteriebesichtigung gibt. Das gab es zuletzt in den 1980er-Jahren und soll jetzt wieder eingeführt werden.

Was zeichnet so eine Besichtigung aus?

Wir arbeiten mit Schiedsrichtern. Diejenigen, die künftig noch den Auftrag bei EFPEnhanced Forward Presence bekommen werden, bewerten jetzt die Soldatinnen und Soldaten. Die Einheit wird real darauf überprüft, was sie letztendlich können soll. So erfahren wir am besten, wo noch Übungsbedarf besteht, wo Schwachstellen sind. Meine Aufgabe ist es, die Frauen und Männer möglichst gut auf Litauen vorzubereiten. Oberleutnant Fabian Baerens hat die Übungsleitung inne und das Szenario entworfen und das mit dem gesamten Stab und der Nachbarbatterie umgesetzt. Die Detailtiefe ist beeindruckend. Ebenso der Einsatz, den jede Soldatin und jeder Soldat zeigt. Es erfüllt mich mit Stolz, was die Frauen und Männer hier auf die Beine gestellt haben.

von Amina Vieth