Interview: Eine Kita in der Pandemie

Interview: Eine Kita in der Pandemie

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  • Betreuung und Fürsorge
Datum:
Ort:
Bonn
Lesedauer:
5 MIN

Die Kindertagesstätte (Kita) „Regenbogenhaus“ liegt direkt innerhalb des Bonner Dienstsitzes des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVgBundesministerium der Verteidigung), das auch die Trägerschaft inne hat. Somit ist diese Kita zum jetzigen Zeitpunkt die einzige Betriebs-Kita der Bundeswehr. Der stellvertretende Leiter der Kita, Herr Liepold, hat sich die Zeit genommen, uns an seinen Erfahrungen aus dem ersten Lockdown und seinem anschließenden Alltag teilhaben zu lassen.

Liebevoll haben die Kinder der Kita die Fensterscheibe mit ihren Namen verziert.

Liebevoll haben die Kinder der Kita die Fensterscheibe mit ihren Namen verziert.

Bundeswehr/Marcus Rott

1972 eröffnet, bietet sie heute für rund 92 Kinder Platz, um die sich ca. 30 Mitarbeiter kümmern.
Doch das „Regenbogenhaus“ zieht um. In ein neues Gebäude welches 100 Kindern Platz bietet. Die Betreuung ist dann für 40 Kinder im U3-Bereich und 60 Kinder im Ü3-Bereich möglich.
Die Kinder können 35 bis 45 Stunden, in der Zeit von montags bis donnerstags von 07:15 Uhr bis 17:00 Uhr und freitags 07:15 Uhr bis 15:15 Uhr untergebracht werden.

Geplant ist der Umzug für März in diesem Jahr. Doch das „Regenbogenhaus“ ist eine von vielen Kindertagesstätten, die seit einem Jahr vor große Herausforderungen gestellt werden. Auch hier mussten Einschränkungen im täglichen Betrieb hingenommen werden.

Die neue Kita ist noch eine Baustelle. Im März soll der Umzug stattfinden.

Im März soll der Umzug stattfinden. Das neue Gebäude der Kita bietet mehr Platz.

Bundeswehr/Marcus Rott

Wie sieht Ihr derzeitiger Alltag aus?

Durch die Pandemie war anfangs nur eine Notbetreuung und im späteren Verlauf ein eingeschränkter Regelbetrieb möglich. Hier mussten viele Strukturen im Tagesablauf und in der Gruppenzusammensetzung verändert werden. Eine Mischung des Personals war aufgrund des Infektionsrisikos nicht mehr möglich.

Eine positive Veränderung war die Auslagerung der Vorschulkinder zu einer eigenen Gruppe. Ebenfalls war die Rückführung in feste Gruppen eine Änderung, die wir vornehmen mussten. Diese Änderung kam sowohl bei Kindern als auch bei dem Personal aber sehr gut an.
Mit Beginn des eingeschränkten Regelbetriebes konnten die Kinder ihre Bindung nach der langen Auszeit schnell wiederaufbauen. So kamen wir, trotz der vielen Einschränkungen, schnell zu einem veränderten, aber guten, Tagesablauf.
Die Aufteilung des Außengeländes war ein weiterer Punkt, der zu einer Veränderung und damit auch zu einer Verwunderung bei den Kindern führte.
Die Kinder durften sich auf dem Außengelände nicht mehr mischen, sondern mussten in ihrer festen Gruppe bleiben.

Leider müssen sich die Kinder mit ihren Erziehern von anderen Gruppen isolieren.

Für viele Kinder war die räumliche Trennung von anderen Gruppen schwer zu verstehen

Bundeswehr/Marcus Rott

Mit der Pandemie ging ebenfalls einher, dass die Regelöffnungszeiten reduziert werden mussten. Dies war eine der Vorgaben des Landes, an die wir uns zu jeder Zeit gehalten haben.
Hier möchte ich meinen Dank nochmals an alle Mitarbeiter richten, die jeden Weg und jede Entscheidung mitgetragen und so dafür Sorge getragen haben, einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten.

Mit der Einführung in den Regelbetrieb lockerten sich einige Abläufe. Die Kita hat hier aber an einigen Regelungen aus dem eingeschränkten Betrieb festgehalten.
Ausflüge sind momentan nicht möglich, da ein Großteil der Ausflugsziele nicht geöffnet hat oder schlichtweg keine großen Gruppen annimmt. Versammlungen sind in der Kita nicht mehr erlaubt, sodass wir beispielsweise unsere jährliche Elternversammlung per Onlinekonferenz angeboten und durchgeführt haben. Die Eltern tragen ab Betreten des Geländes eine Maske und dürfen die Gruppenräume nicht betreten.
Ein generelles Betretungsverbot für die Einrichtung gibt es allerdings nicht mehr.
Alle Erzieher tragen auf den Fluren, in anderen Gruppen und immer dann, wenn 1,5 Meter zu einem anderen Erwachsenen nicht eingehalten werden können, eine Mund-Nasen-Bedeckung (Anmerkung der Redaktion: mittlerweile sind medizinische Masken vorgeschrieben).

Durch das Bundesamt für Umweltschutz, Infrastruktur und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBwBundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr) wurden die Mitarbeiter/-innen mit Stoffmasken ausgestattet. Bei weiterem Bedarf werden immer wieder Einweg- und FFPfiltering face piece 2 Masken zur Verfügung gestellt.
Durch Unterstützung des Kommando der Streitkräftebasis (KdoKommando SKBStreitkräftebasis) und des Streitkräfteamtes (SKA) wurde für einen temporären Zeitraum jeden Morgen Fieber bei den Kindern gemessen. Dies diente zur Früherkennung mit dem Ziel einer Eindämmung von möglichen Infektionen.

Der Alltag ist geprägt durch die Vorschriften des Landes. Hier muss vor allem auf die Einhaltung der Hygienevorschriften geachtet werden. Der Alltag gleicht inzwischen wieder einem Alltag vor der Corona-Pandemie. Mit Einhaltung der gesetzlichen Regelungen ist es möglich so „normal“ wie es geht zu arbeiten. Dies ist nicht nur für die Mitarbeiter ein positiver Aspekt in der schwierigen Zeit, sondern vor allem für die Kinder wichtig. Denn Kinder brauchen Struktur, diese können wir ihnen geben. Wenn auch nicht immer in dem Maße, als wenn es kein Corona gäbe.

In der Zeit der Pandemie hängen nur wenige Jacken an der Garderobe.

In der Zeit der Pandemie sind nur kleine Gruppen erlaubt

Bundeswehr/Marcus Rott

Wie sind die Eltern auf Ihre Änderungen eingegangen?

Auch für die Eltern waren die Änderungen spürbar. Es wurde ein guter Weg gefunden, um Informationen schneller zu kommunizieren. In den letzten Monaten wurden die Eltern verstärkt über geänderte Abläufe im Kita-Alltag informiert.

Aufgrund der gesetzlichen Vorgaben erfolgte zunächst ab dem 15. März 2020 nur eine Notbetreuung für Schlüsselpersonal (Bundeswehr-Angehörige) im Rahmen des Betretungsverbotes. Die zu betreuenden Kinder wurden in neuen Gruppensettings und kleinen Gruppen betreut. Eine Durchmischung der Gruppen fand auch in den Nachmittagsstunden nicht mehr statt. Im Garten/Außengelände wurde ebenso auf die Einhaltung der Gruppensettings geachtet. Durch die baulichen Gegebenheiten im Altbau wurden die Eltern gebeten, separate Eingänge über das Außengelände nutzen, sodass unmittelbarer Kontakt in den Fluren der Kita vermieden werden konnte.

Ab Juni 2020 wurde das Betretungsverbot aufgehoben und der eingeschränkte Regelbetrieb mit verkürzten Öffnungszeiten eingeführt, um allen Kindern wieder eine Betreuung zu ermöglichen. Die Gruppensettings wurden weiterhin eingehalten.
Die Eltern waren sehr begeistert, als es hieß, die Kita öffnet wieder. Für das Verständnis der Eltern sind wir sehr dankbar. Ab Mitte August 2020 erfolgte die Wiederaufnahme des Regelbetriebes mit regulären Öffnungszeiten. Die Eltern wurden über die zusätzlichen Hygienemaßnahmen informiert und tragen auf dem Gelände eine Mund-Nasen-Bedeckung. Es wurden an mehreren Stellen in der Kita Regenbogenhaus Desinfektionsspender zur Verfügung gestellt. Die Eltern haben o.a.  Maßnahmen verständnisvoll angenommen und umgesetzt.
Es besteht insgesamt ein konstruktiver Austausch mit der Elternschaft. Den Eltern wurden und werden umgehend wichtige Entscheidungen und Änderungen durch Elternbriefe mitgeteilt.

Gab es Probleme bei der Umstellung?

Natürlich gab es viele neue Vorschriften, die eingehalten werden mussten. Manchmal waren die Vorschriften auch etwas irritierend. Missverständnisse wurden aufgearbeitet und gelöst. So konnten alle Fragen schnell geklärt werden.

Durch die räumliche Abgrenzung und Isolierung zeigt sich ein verwaistes Spielzimmer.

Die räumliche Abgrenzung und Isolierung der einzelnen Gruppen ist nicht leicht

Bundeswehr/Marcus Rott

Wie haben die Kinder reagiert?

Für die Kinder war es ein ungewohntes Gefühl, sich nicht mit den Freunden oder Geschwistern aus der anderen Gruppe treffen zu können. Begründet lag dies in der Notbetreuung und dem eingeschränkten Regelbetrieb. Auch waren manche eher zurückhaltend. Die Mehrheit der Kinder hat sich allerdings auch sehr auf die Kita gefreut. Nicht zuletzt durch die vielen Kontakte, welche die Erzieher/-innen während der Schließung mit den Kindern in Form von Telefonaten und Angeboten für Zuhause verschickt hatten.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Kita Regenbogenhaus?

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass wir die Arbeit weiterhin so toll umsetzen können und jeder für sich, seinen Teil an der Professionalisierung der Einrichtung beiträgt. Nur so sorgen wir alle gemeinsam für eine tolle und gute Zukunft unserer Kinder. Mit oder ohne Corona.

Das Redaktionsteam bedankt sich bei allen Beteiligten für die Zusammenarbeit und wünscht alles Gute und vor allem Gesundheit für die Zukunft.

von Verena Forth

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