Einführungsgottesdienst für Militärpfarrer Bernd Kehren in Mayen

Einführungsgottesdienst für Militärpfarrer Bernd Kehren in Mayen

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Wegen Corona etwas verspätet und mit ausreichendem Abstand unter dem Schleppdach der Oberst-Hauschild-Kaserne führte die Leitende Militärdekanin Petra Reitz am 24. September 2020 Militärpfarrer Bernd Kehren in sein neues Amt ein.
In seiner Ansprache verglich Kehren seine Predigtaufgabe mit den Aufgaben des Zentrums für operative Kommunikation.
„Böse Zungen sprechen von Propaganda“, wusste Kehren in seiner Predigt, zitierte aber die Presseoffizierin des Standorts, „dass wir natürlich hier unsere Sichtweise vertreten, aber doch immer mit dem eigenen Anspruch, nie die Unwahrheit zu sagen.“ Wie aber verträgt sich das mit einem Predigttext, der mit größter Wahrscheinlichkeit nur die Fiktion erzeugt, eine Art letzter Wille des Apostel Paulus an seinen engsten Mitarbeiter zu sein?
Kehren fühlt sich jedenfalls angesprochen von den Worten, auch wenn sie wie alle anderen Bibeltexte über kein Echtheitszertifikat verfügen: „Kein Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
Einen Geist der Furcht könne man in der Bundeswehr sicher nicht gebrauchen, und Soldatinnen und Soldaten brauchen sich nicht zu schämen, dass zu ihrem Dienst auch gehöre, stark zu sein. Gerade aus dieser Stärke heraus dürfe man auch die andere Wange hinhalten, um eine Gewaltspirale zu vermeiden. Aber nirgendwo stehe geschrieben, dass man den Schlag nicht abwehren dürfe, wenn der andere dennoch zuschlägt. „Und trotzdem ist es wichtig, besonnen zu bleiben. Sich nicht auf das Machtgehabe einzulassen. Die Liebe nicht zu vergessen. Ich falle dem anderen nicht in den Arm, um Gegner zu bleiben, sondern um ihn zu hindern, Gegner zu bleiben.“
Und darum sei es wichtig, mit Liebe und Besonnenheit auch im Bereich der öffentlichen Kommunikation zu wirken. Operative Kommunikation könne vielleicht dazu beitragen, dass auch ohne Waffeneinsatz aus Gegnern Freunde werden und Menschenrechte gewahrt bleiben.
Kehren stammt aus dem Ruhrgebiet, war zuvor in der Altenheim- und Krankenhausseelsorge tätig und engagierte sich als Notfallseelsorger im KID-Team des DRKDeutsches Rotes Kreuz im Kreis Euskirchen. Leitende Militärdekanin Reitz würdigte sein kirchliches Engagement, das er auch im Ehrenamt weiterführte, als er wegen der geburtenstarken Jahrgänge keine Pfarrstelle übernehmen konnte.
Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Thomas Kehren am Schlagzeug, einem der Söhne von Militärpfarrer Kehren, und Erik Arndt aus Mechernich am E-Piano sowie von Pfarrhelferin Silvia Brost mit einer aramäischen Version des Vaterunsers.