Ihr seid das Salz der Erde – oder: Get the Grip!

Ihr seid das Salz der Erde – oder: Get the Grip!

  • Evangelische Militärseelsorge
  • Rüstzeit
Datum:
Ort:
München

Das evangelische Militärpfarramt München lud in diesem Jahr bereits zum fünften Mal zur Tradition gewordenen Motorradrüstzeit ein. Bei über 60 Interessensbekundungen im Vorfeld konnten schließlich 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf 33 Motorrädern die Zusage für die einwöchige Rüstzeit erhalten.

Biker und Bikes auf dem Rossfeld

Biker und Bikes auf dem Rossfeld

Militärseelsorge / Heiko Blank

Die ersten zehn Biker standen am Montag, den 23. Juli 2018 um 8.30 Uhr zur Abfahrt in der Fürst-Wrede-Kaserne bereit. Nach einem ausgiebigen Frühstück in einem Münchner Café zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite und machte große Freude, um auf gemeinsame Tour zu gehen.

Unter Führung eines erfahrenen Tourguides führte der Weg - getreu des Mottos der Woche: „Ihr seid das Salz der Erde - oder: Get the Grip!“ - abschnittsweise über die Untere Tiroler Salzstraße (die ältere der beiden Salzstraßen, die die Abbaugebiete um Berchtesgaden und Hall in Tirol mit dem Bodensee verband) bis zum Schul- und Freizeitheim Schapbachhof in Schönau am Königssee. Hier fanden sich bis 17 Uhr alle weiteren Teilnehmer pünktlich ein, so dass die Zimmer schnell vergeben und bezogen werden konnten.

Nach dem gemeinsamen Abendessen begrüßte unser Militärdekan Heiko Blank offiziell die Motoradbegeisterten, sprach Organisatorisches an und führte zusammen mit dem Vorbereitungsteam in die Woche ein. In der anschließenden Vorstellungsrunde kristallisierten sich mit Blick auf die erste Rüstzeitteilnahme sowie das Biken schnell die „Erfahrenen“ und die „Neulinge“ heraus. Dem Zusammenhalt tat dies keinen Abbruch - hatten doch alle das gemeinsame Ziel einer erlebnisreichen Zeit mit bleibenden Erinnerungen.

Feldandacht vor der Kapelle der Seligpreisungen

Feldandacht vor der Kapelle der Seligpreisungen

Militärseelsorge / Uwe Neudert

Markante örtliche Ziele für die täglichen Impulse, mögliche Ausflugsziele und Routen, Sicherheitsaspekte sowie das Finden von „Neigungsgruppen“ im Blick auf Maschinen und Fahrstil wurden mit einer Power-Point-Präsentration visuell aufbereitet und vorgestellt. Im weiteren Verlauf des Abends, wie auch der Folgeabende, standen dann die durch viel Expertise geprägten „Benzingespräche“, humorvoller Smalltalk und der tiefgründige Austausch zu Dienst- und Alltagsthemen wie auch über „Gott und die Welt“ zwischen allen Jung und Junggebliebenen im Vordergrund.

Nach der gemeinsamen Anfahrt an markante und schöne Orte begannen die Tagestouren stets mit einem Tagesimpuls. Mit Blick auf die evangelische Pfarrkirche am Ufer des Hallstätter Sees (wo auf einem großen Parkplatz schließlich alle Motorräder Platz fanden) dachte Blank am ersten Tourtag über „die Kraft des Glaubens“ nach, die sich, um nur einen Aspekt zu nennen, darin erweist, dass er Gott mehr zutraut als sich selbst.

Vor der Kapelle der Seligpreisungen

Vor der Kapelle der Seligpreisungen

Militärseelsorge / Klaus-Dieter Naumann

Am dritten Tag vermittelte bereits der durchaus anspruchsvolle Aufstieg (mit den Bikes, versteht sich) zur „Kapelle der Seligpreisungen“ einen Eindruck über den besonderen Ort eines Berges: Dem Himmel näher als dem Tal stand hier naturgemäß die Bergpredigt im Vordergrund, besonders die siebente Seligpreisung (Mt 5,9): „Selig sind die Friedfertigen, den sie werden Gottes Kinder heißen.“ Was Martin Luther so kommentierte: „Die Friedfertigen sind mehr als die Friedsamen, nämlich, die den Frieden machen, fördern und erhalten unter anderen. Wie Christus uns bei Gott hat Friede gemacht.“

Der letzte Tourtag begann mit einem Impuls, bei dem alle Bikerinnen und Biker (nach einem Vorschlag aus der Truppe) der allein schon auf den Maschinen beeindruckend schönen Rossfeldpanoramastraße „noch eins drauf setzten“, um in voller Montur den Pass weiter zu erklimmen. Oben angekommen, griff der Militärpfarrer das Thema der Rüstzeit auf, das ebenfalls aus der Bergpredigt stammt (Mt 5,13): „Ihr seid das Salz der Erde - oder: Get the Grip!“ Wie jeder Motorradfahrer ausreichend ‘Grip‘ auf der Straße braucht, um nicht aus der Kurve zu fliegen, so gibt der Glaube dem Leben die Bodenhaftung, die in Wahrheit wirklich trägt, auch dann, „wenn’s ernst wird“. Vor dem Abstieg gab’s dann noch die traditionellen Giveaways als Erinnerung an die Woche mit auf den Weg.

Die von unseren Guides gründlich vorbereiteten und professionell durchgeführten Touren führten die vier „Neigungsgruppen“ entsprechend ihrer Interessen, ihrer Fahrdynamik sowie der Kurvenintensivität und der zu meisternden Höhenunterschiede über durchaus auch außerhalb der Alpenregion hinaus bekannte Straßen bzw. Streckenabschnitte. Beispielhaft seien hier die Großglockner-Hochalpenstraße, das Lammertal, das Obere Salzachtal, der Tauernpass, die Turracher Höhe, die Nockalmstraße im Biosphärenpark Nockberge, das Salzburger Seenland oder die, auch das gab’s, „Apfelstrudel-Tour“ ins Untere Salzachtal genannt. Für jedes Können und Leistungsvermögen war etwas dabei, ganz zur Freude aller Routiniers und Fahranfänger.

Auf dem Rossfeld

Auf dem Rossfeld

Militärseelsorge / Klaus-Dieter Naumann

Am Freitag schließlich hieß es wieder einmal Abschied nehmen vom Tagungshaus, der kleinen Biker-Gemeinde und den bisherigen und neuen Freunden, um den Heimweg in die Heimatwohnorte bzw. den Standort München anzutreten. „Biker-Dekan“ Heiko erteilte den Reisesegen und verabschiedete jeden und jede einzeln mit einem herzlichen „Auf Wiedersehen!“

Wir, die Biker, danken ganz aufrichtig für diese erlebnisreiche Zeit. Die besondere, ja fesselnde Art des Übersetzens der protestantischen Lehre in die heutige Zeit, in den aktuellen individuellen Dienst und Alltag kam - im besten Sinne - bei allen an und machte im positiven Sinne nachdenklich. Zusätzlich danken wir unseren aufmerksamen Schutzengeln, die (bei nur einer temporär feuchten Abkühlung und ein paar technischen Kleinigkeiten) immer in allen Kurven „ganz dicht“ bei uns waren und uns den Grip gaben, den wir für die sichere Fahrt brauchten: Nach einer unfallfreien Woche erreichte jeder und jede wieder wohlbehalten seinen Ausgangspunkt!

Kleine Anekdote am Rande: Wären Preise für den jüngsten oder ältesten Teilnehmer, die schönste oder teuerste Maschine oder die weiteste Anreise zu vergeben gewesen, dann hätte unser „Vespa-Klaus“ zweifelsfrei den Preis für das älteste und gleichzeitig originellste Fahrzeug zugesprochen bekommen!

von Uwe Neudert

Weitere Bilder