„Entscheidend bleibt immer der Mensch“

„Entscheidend bleibt immer der Mensch“

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Datum:
Ort:
Berlin

Bei einer offenen Debatte des Bundesministeriums der Verteidigung (BMVgBundesministerium der Verteidigung) über „Bewaffnete Drohnen“ mit militärischen und zivilen Experten hat Militärbischof Dr. Sigurd Rink vor einer Verkennung der militärischen Realität gewarnt. Die bewaffnungsfähigen Drohnen gehörten zu einem enormen technologischen Transformationsprozess, der sich kaum aufhalten und kaum absehen lasse.

Militärbischof Sigurd Rink

Militärbischof Sigurd Rink

Militärseelsorge/Walter Linkmann

Die Herausforderung der Waffensysteme liege in einem tiefgreifenden, digital hoch autonomisierten Prozess, der darauf ausgelegt sei, bestimmte militärische Operationen autonom auszuführen. Ethisch gehe es für die Soldaten um Dislozierung, also die Spannung zwischen der Drohnensteuerung aus weiter Entfernung und dem Miterleben des militärischen Geschehens vor Ort durch den „Drohnenpiloten“. „Der Soldat ist viel näher an einer Entscheidung dran“, beschrieb Rink die Problematik des Waffensystems. Solche Einsatzgeschehen lösten immer wieder Traumatisierungen oder andauernde posttraumatischen Belastungsstörungen aus. Manche Soldaten könnten die Stresssituation nicht bewältigen, andere entwickelten Resilienz. Dennoch seien die Streitkräfte für einen Einsatz von Drohnen ethisch gut vorbereitet, sagte Rink auf Nachfrage.
Der englische Begriff „The Man in the Loop“ (übersetzt etwa: der Mensch in der Schleife) zeige, dass die Automatisierung der Waffensysteme schon weit fortgeschritten ist. „Gibt es in Zukunft überhaupt noch den Einfluss des Menschen?“, fragte Rink.

Der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Peter Tauber hatte die Auftaktveranstaltung im BMVgBundesministerium der Verteidigung, die für das Publikum im Livestream übertragen wurde, mit der Zusicherung eröffnet, bewaffnete Drohnen werde es in der Bundeswehr erst nach einer verfassungsrechtlichen Prüfung und einer Debatte ethischer Fragen im Deutschen Bundestag geben. „Es gilt, den Soldaten zu vertrauen, dass sie mit bewaffneten Drohnen verantwortungsvoll umgehen“, so Tauber. Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, hatte in seinem Statement versichert, der menschliche Faktor bleibe beim Einsatz von Drohnen nicht außen vor. „Entscheidend bleibt immer der Mensch“, sagte der oberste Soldat der Bundeswehr.

In einem weiteren Panel zu politischen, ethischen und rechtlichen Aspekten des Einsatzes bewaffneter Drohnen äußerte sich der Leitende Militärdekan im Evangelischen Kirchenamt für die Bundeswehr, Dr. Dirck Ackermann. Im Hinblick auf den Schutz der Soldaten gelte es, nach der Entgrenzung von militärischen Szenarien zu fragen: „Wenn ein Drohnenpilot außerhalb des Einsatzgebietes einen Einsatz macht, wie gehen wir damit um?“, fragte Ackermann. Der Podiumsteilnehmer Christian Schmidt, Bundestagsabgeordneter der CSUChristlich-Soziale Union, antwortete, aus seiner Sicht sei entscheidend, was das Kriegsvölkerrecht bestimme, und ein Regelwerk für den Drohneneinsatz, das hier strikt Anwendung finden müsse.

von Roger Töpelmann