Für Frieden und die Würde des Menschen einstehen

Für Frieden und die Würde des Menschen einstehen

  • Evangelische Militärseelsorge
  • Militärbischof
Datum:
Ort:
Berlin

Mehr als 100 leitende Militärgeistliche aus 36 Ländern, aus unterschiedlichen Religionen und Traditionen begegneten sich bei der 31. International Military Chiefs of Chaplains Conference in Berlin. Im Vordergrund standen Begegnung und Austausch; aber auch Vorträge, Andachten, ein Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Exkursionen und ein Galadinner standen auf dem Programm der fünftägigen Zusammenkunft.

Brigadier General Meyeraan (US EUCOM) und Militärbischof Rink beim Galadinner

Brigadier General Meyeraan (USUnited States EUCOM) und Militärbischof Rink beim Galadinner

German Armed Forces/CPL (OR-4)/Ismael Akbar

Versöhnung steht im Mittelpunkt

In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

In der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche

Militärseelsorge/Walter Linkmann

Den Festgottesdienst leiteten die beiden deutschen Militärbischöfe Dr. Franz-Josef Overbeck und Dr. Sigurd Rink. Nachdem das Nagelkreuz von Coventry in den Altarraum der Kirche gebracht worden war, rezitierte die Gemeinde die „Litanei der Versöhnung“, die nach der Zerstörung der englischen Stadt Coventry und ihrer Kathedrale im Jahr 1940 formuliert wurde. „Wir sind alle konfrontiert mit Bildern von Nicht-Versöhnung“, sprach der evangelische Militärbischof aktuelle Kriege und Konflikte an, die Menschen heute voneinander trennen.

In seiner Predigt sagte der Katholische Militärbischof für die Bundeswehr Overbeck, die wahrhafte Verantwortung eines Soldaten liege im Gehorsam seines Glaubens. Menschliche Aufrichtigkeit und klare Gewissensbildung brächten dabei zum Ausdruck, dass sich jeder Mensch mehr auf Gott als auf seine eigenen Kräfte verlassen dürfe. Wer echte Verantwortung und echte Menschlichkeit zeige, wisse sich unbedingt Gott selbst verpflichtet. In der heutigen Welt sei eine solche Haltung von höchster Bedeutung. Die Militärseelsorge spiele in den Streitkräften eine wichtige Rolle, weil sie mit ethischen Positionen und sicheren Fundamenten das militärische Tun moralisch wie kirchlich begleiten könne.

Die zentrale Herausforderung heutiger Zeit – so machte er am Beispiel des biblischen Hauptmanns von Kafarnaum klar – sei, Glauben, Wissen und Handeln zu einer Einheit zu verschmelzen. „Es muss darum gehen, Wissen und Gewissen zusammenzuführen, um in moralischem Handeln in schwieriger Mission befähigt zu sein, für die Würde des Menschen und für den Frieden als Werk der Gerechtigkeit einzustehen“, so Overbeck. Allerdings könne die Anwendung von Gewalt als ultima ratio nicht ausgeschlossen werden. Als letztes Mittel des Handelns sei sie zu akzeptieren und zugleich auf ein Minimum zu reduzieren. Der Bischof schloss mit dem Appell, das Gebet als ein konkretes, christliches Friedenshandeln zu begreifen und auf diesem Fundament die Herausforderungen soldatischen Lebens zu bestehen.

Das Nagelkreuz erinnert an die Zerstörung der Kathedrale von Coventry

Das Nagelkreuz erinnert an die Zerstörung der Kathedrale von Coventry

Militärseelsorge/Walter Linkmann



Eine notwendige Stimme für den Frieden

Friedensethik war Schwerpunktthema der Vorträge

Friedensethik war Schwerpunktthema der Vorträge

Militärseelsorge/Walter Linkmann

Die Vorträge der Konferenz widmeten sich sowohl der Sicherheitspolitik als auch Kriegs- und Friedenskonzepten in der Gegenwart. Im internationalen Diskurs werden sie als „Just War Tradition“ (Tradition des Gerechten Krieges) und „Just Peace Concept“ (Konzept des Gerechten Friedens) bezeichnet. Der Erfurter Theologieprofessor Dr. Michael Haspel sprach von militärischen Interventionen seit 1990, die zeigten, dass Gewalt und die Verletzung von Menschenrechten minimiert wurden, wenn auch nicht alle Eingriffe ein Erfolg gewesen seien. Der Prozess habe dann zu einer teilweisen Rezeption der „Responsibility to Protect“ geführt, der internationalen Verpflichtung, bei Konflikten wie Völkermord und schwersten Vergehen gegen die Menschlichkeit mit einem UNUnited Nations-Mandat einzugreifen.

Die Konferenzteilnehmer arbeiten am Thema

Die Konferenzteilnehmer arbeiten am Thema

Militärseelsorge/Walter Linkmann




Exkursion zur Topographie des Terrors in Berlin

Exkursion zur Topographie des Terrors in Berlin

Militärseelsorge/Walter Linkmann



Begegnung ohne Sprachbarrieren

Begegnung ohne Sprachbarrieren

Militärseelsorge/Walter Linkmann

Die Direktorin des Hamburger Zentrums für ethische Bildung in den Streitkräften (ZEBIS), Dr. Veronika Bock, ging auf die Vermittlung ethischer Standards in ihrem wissenschaftlichen Feld ein: Das Konzept des „Just Peace“ folge den Statements der Katholischen Bischöfe in Deutschland aus dem Jahr 2000. Im Prozess ethischer Bildung gelte es, nicht nur mit ethischen Argumenten die kognitive Ebene der Soldaten und Soldatinnen zu erreichen, sondern mehr noch die emotionale und motivationale Seite. Es gehe um die Kapazität ethischer und sicherheitspolitischer Urteilsfähigkeit.


von Roger Töpelmann