Karfreitagsgefecht - Zäsur für die Seelsorge

Karfreitagsgefecht - Zäsur für die Seelsorge

  • Evangelische Militärseelsorge
  • Militärbischof
Datum:
Ort:
Berlin

Zum Karfreitag erinnerte der evangelische Militärbischof Dr. Sigurd Rink an das „Karfreitagsgefecht“ der Bundeswehr in Afghanistan im Jahr 2010. Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg seien Tod, Verwundung, Sterben in einer Gefechtssituation zur Berufsrealität der Soldatinnen und Soldaten geworden. Die militärisch und existentiell einschneidende Erfahrung habe in den Streitkräften bei einer ganzen Generation tiefe Spuren hinterlassen.

Militärbischof Sigurd Rink

Militärbischof Sigurd Rink

Militärseelsorge/Roger Töpelmann

Bei einem Gefecht mit den Taliban am 2. April 2010 bei Isa Khel waren drei Soldaten der Bundeswehr gefallen, acht weitere wurden teils schwer verwundet.

Der unmittelbare Schrecken des Todes, so Rink, werde in der Gesellschaft zu oft verdrängt. Er spiegele sich aber im Karfreitagsgeschehen am Kreuz Christi. Von dort gehe nicht allein Angst und Tod, sondern mehr noch Versöhnung aus. Es bleibe für die Gegenwart richtig, diese Idee von der Überwindung des Todes neu zu entdecken. „Wo wir als Menschen machtlos sind, ist er für uns da. Gott führt es herrlich hinaus“, beschrieb der Militärbischof der EKD die christliche Versöhnungsbotschaft. Dietrich Bonhoeffer habe von einem Kampf gesprochen, „in dem Gott zu unterliegen scheint am Karfreitag und in dem er gerade, in dem er unterliegt, siegt - an Ostern“ (Zitat Bonhoeffer).
 
Die Aufgabe der Seelsorge an Soldatinnen und Soldaten bei Extremereignissen habe sich seitdem tiefgreifend verändert. „Das Gefecht war auch für die Seelsorge eine Zäsur“, so Rink weiter. Erst damals sei man sich bewusst geworden, dass es systematische seelsorgerliche Hilfen für Einsatzfolgen geben müsse. Gemeinsam mit den Bundeswehrkrankenhäusern wurden die seelischen Komponenten der Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBSPosttraumatische Belastungsstörung) erkannt. „Wir erkannten auch die Bedeutung einer „Moral Injury“, der moralischen Verletzung, die soldatische Führer durch Befehle in Kampfeinsätzen erleiden können. Direkt nach den Einsätzen sind deshalb Seelsorger der Kirchen enorm gefragt: In Andachten und Gesprächen stehen sie den Soldaten bei.“

von Roger Töpelmann