Militärpfarrer mit besonderer Vita

Militärpfarrer mit besonderer Vita

  • Katholische Militärseelsorge
  • Militärpfarrer
Datum:
Ort:
Litauen – EFP
Lesedauer:
4 MIN

Der spannende Weg des Iurii Kuliievych

Iurii Kuliievych ist ukrainischer Staatsbürger, verheiratet, 37 Jahre alt und Vater von zwei kleinen Kindern. Seit August 2021 ist er der katholische Militärpfarrer bei Enhanced Forward Presence in Litauen – Wir blicken hinter die Kulissen und erzählen seinen spannenden Weg: Von einem kleinen ukrainischen Dorf mit Namen Dobrovody, über die katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt bis hin zum Einsatz als katholischer Militärpfarrer bei Enhanced Forward Presence in Litauen.

Militärpfarrer Iurii Kuliievych im Gespräch mit einem Soldaten

Für die Kameraden da: Pfarrer Kuliievych im Gespräch mit einem Soldaten der Enhanced Forward Presence-Battlegroup

Bundeswehr / Timo Radke

Von einem kleinen Dorf in der Westukraine

Militärpfarrer Iurii Kuliievych im Gottesdienst

Während eines Gottesdienstes liest Militärpfarrer Kuliievych aus der Bibel vor

Bundeswehr / Timo Radke

Dobrovody – ein kleines Dorf in der Westukraine. Hier wurde Iurii Kuliievych am 15. November 1983 geboren. Seine Eltern bewirtschaften gemeinsam mit seiner Großmutter mütterlicherseits einen kleinen bäuerlichen Betrieb. Im Zuge der im Jahre 1939 beschlossenen Teilung Polens wurde seine Großmutter und Ihre Familie hierher deportiert. Für ihn ist seine Großmutter ein Vorbild, zu der er als Kind aufschaut. Hier erfährt er auch am eigenen Leib, was der Glaube ausmachen kann: „Meine Großmutter war eine starke Frau.

Trotz aller Schicksalsschläge hat sie nie mit ihrem Leben gehadert. Der Glaube an Gott hat ihr die Kraft gegeben, ihr Leben zu meistern und trotz Armut und Enthaltsamkeit ein glücklicher Mensch zu sein. Das hat mir imponiert. Schon in meiner Kindheit habe ich erfahren können, welche Kraft der Glaube auf einen Menschen übertragen kann“, berichtet er mit einem Funkeln in den Augen.

Die vielen Gespräche und Gebete mit seiner Großmutter festigten Iurii in dem Entschluss, sein Leben in den Dienst der Kirche zu stellen. So begann er nach der erfolgreichen Hochschulreife 2001 seine Priesterausbildung in der Ukraine. Im Zuge dieser Ausbildung wurde er durch die katholische Kirche für ein Studienstipendium in Westeuropa ausgewählt.

Über das Theologiestudium in Eichstätt

Militärpfarrer Iurii Kuliievych gedenkt verstorbenen Angehörigen

Militärpfarrer Iurii Kuliievych erinnert an einem Gedenktisch an vor kurzem verstorbene Angehörige von Soldaten der Enhanced Forward Presence-Battlegroup

Bundeswehr / Timo Radke

Die Wahl fiel auf ein Theologiestudium an der renommierten Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Nach Absolvierung der Sprachausbildung wurde er zum Studium zugelassen, das er 2016 mit dem Lizentiat (Masterabschluss) in der Fachspezialisierung Moraltheologie erfolgreich abschließen konnte. Immer an seiner Seite – seine Frau Julia, die mit aus der Ukraine nach Deutschland kam.

Unmittelbar nach dem Studium arbeitete er am Bistum in Erfurt und wurde ebenda am 3. April 2016 zum Priester geweiht. Um später jedoch als Gemeindepfarrer arbeiten zu können, war die Absolvierung der sogenannten 2. Dienstprüfung notwendig. Somit kehrte Iurii an die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt zurück. Unmittelbar nach dem erfolgreichen Abschluss erfuhr er durch einen Priesterkollegen von einer vakanten Stelle bei der katholischen Militärseelsorge am Dekanat in München. Und - seine Bewerbung hatte Erfolg. Im Frühjahr 2020 wurde er in das militärische Pfarramt am Standort Roth feierlich eingeführt.

Bis zur einsatzgleichen Verpflichtung in Litauen

Militärpfarrer Kuliievych und sein Unterstützungsfeldwebel Thomas

Eingespieltes Team: Militärpfarrer Iurii Kuliievych und sein Unterstützungsfeldwebel

Bundeswehr / Timo Radke

Nur wenig später wurde er gefragt, ob er für drei Monate die Stelle als katholischer Militärpfarrer bei Enhanced Forward Presence in Litauen übernehmen könne: „Ich habe nicht gezögert und freue mich nun meinen Dienst für die Soldatinnen und Soldaten in Litauen zu leisten“, erklärt er.

Sein Terminplan in Litauen ist prall gefüllt. Gottesdienste, Bibelfrühstück, landeskundliche Unterrichte, Lesungen, Kinoabende, Planung und Durchführung von Erholungsfahrten für Soldaten oder das beratende Gespräch. „Das Angebot der katholischen Militärseelsorge ist sehr vielschichtig und attraktiv. Es wird gerne durch die Kontingentssoldatinnen und -soldaten angenommen und leistet somit einen wesentlichen Beitrag für die gute Moral der Truppe“, unterstreicht der Kommandeur der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup, Oberstleutnant Hagen Ruppelt, die signifikante Arbeit der Militärseelsorge.

Gleichzeitig ist die katholische Militärseelsorge auch Teil des sogenannten psychosozialen Netzwerks (PSNPsychosoziales Netzwerk), welches sich zur Aufgabe macht, seelischen Erkrankungen von Soldaten präventiv entgegenzuwirken. In seiner Funktion als Seelsorger ist Iurii jederzeit bei Sorgen und Nöten für die Angehörigen des Kontingent ansprechbar.

Seien es die herausfordernden Momente in einer so langen Abwesenheitsphase von zu Hause oder mentale Probleme in Zusammenhang mit dem Tagesdienst oder privaten Geschehnissen in der Heimat: „Meine Tür steht für alle offen, egal ob jemand Christ, Moslem oder Atheist ist.“ Unterstützt wird Iurii bei seinem wichtigen Dienst für die Truppe von Pfarrhelfer Oberstabsfeldwebel Thomas: „Er zieht alle Fäden im Hintergrund, organisiert, macht und tut. Ohne ihn wäre vieles nicht möglich“, dankt Iurii seinem treuen Helfer.

Oft gestellte Frage

Ein Soldat bedient eine selbstgebaute Glockenvorrichtung

Die Glocke läutet zum Gottesdienst: Das Angebot der katholischen Militärseelsorge wird in Rukla sehr gut angenommen

Bundeswehr / Timo Radke

Oft wird er von den Soldatinnen und Soldaten gefragt: „Sie sind katholischer Pfarrer, verheiratet und haben zwei Kinder? Wie geht das denn? Diese Besonderheit ist in Iurii´s Kirchenzugehörigkeit begründet. Er gehört der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche an. Sie ist die größte, heute bestehende, mit Rom unierte (verbundene) katholische Ostkirche.

Während das zölibatäre Leben der römisch-katholischen Kirche für die Priester seit 1073 grundsätzlich verpflichtend ist, gilt dies in den mit Rom verbundenen katholischen Ostkirchen nur für Bischöfe und Mönche sowie für Priester, die zum Zeitpunkt der Diakonenweihe unverheiratet sind. Im Juni 2014 erweiterte Papst Franziskus das alte Recht der Bischöfe der katholischen Ostkirchen, bereits verheiratete Männer ebenfalls zur Priesterweihe zuzulassen.

von Timo Radke