Ort für Trauer

Gedenkstein für verstorbene und gefallene Kameraden eingeweiht

Gedenkstein für verstorbene und gefallene Kameraden eingeweiht

  • Gedenken
  • Katholische Militärseelsorge
Datum:
Ort:
Leer
Lesedauer:
3 MIN

Menschen brauchen einen Ort für Trauer

Als 2021 wieder einmal ein Kamerad im Straßenverkehr tödlich verunglückte, kam Militärpfarrer Werner M. Heß die Idee, auf dem Kasernengelände einen Gedenkort für verstorbene und gefallene Kameradinnen und Kameraden des Kommandos Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst (SESSchnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst) zu schaffen.

Militärpfarrer Werner Maria Heß am Rednerpult

Archivbild: Militärpfarrer Werner Maria Heß

KS / Doreen Bierdel

Oberstabsarzt Dr. Evers stimmte diesem Ansinnen zu und unterstützte die Realisierung des Projekts. Soldaten des Transport- und Umschlagzuges der 1. Kompanie waren bereit, im Rahmen einer Ladungs-Sicherungs-Übung den 4,3 Tonnen schweren Findling, den Pfarrhelfer Bernhard Thomes bei Kleinanzeigen ausfindig gemacht hatte, zu holen -  und dann hieß es erst einmal abwarten und Tee-Trinken ...  

Da viele Menschen (Infrastruktur, Verkehrssicherheit, Statikbüro, etc.) hier mitzureden hatten, schien es, dass es wohl sieben Monate dauern würde, bis der Stein aufgerichtet wäre. Der Leitung des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums gelang es dann aber auf wunderbare Weise, als Abschiedsgeschenk für den Kommandeur diese Zeit um mehr als einen Monat zu verkürzen und binnen einer Woche hatte der Findling einen schönen Platz vor der Truppenküche gefunden.

Dr. Evers‘ Vorschlag, verschiedene Sichtweisen auf so einem Gedenkstein zur Sprache kommen zu lassen, wurde gerne aufgegriffen und nochmals mit verschiedenen Musikstücken, die die Sprecher Militärpfarrer Hess, Oberstabsarzt Evers, Stabsfeldwebel Tembusch, als Sprecher der Vertrauensperson, Truppenärztin Oberstabsarzt Arzdorf und der evangelische Militärpfarrer Fendler ausgesucht hatten, bereichert.

Militärpfarrer Heß erschloss den Weg zum Verständnis so eines Steines in einem Überblick vom Känozoischen Eiszeitalter über die Megalith-Bauten als Schauplätze regelmäßiger Rituale für einen Kult der Toten und Ahnen-Ehrung über die Findlinge bis zu den Gedenksteinen an unseren Familiengräbern. Er begründete seine Idee mit der Überzeugung, dass der Mensch für seine Trauer einen Ort braucht und zweitens, dass wahre Kameradschaft als geistige Idee etwas so Großes ist, dass sie nicht einfach mit dem Tod eines Beteiligten beendet sein kann.

Kameradschaft als hoher geistiger Wert schließt mit ein, dass Verstorbene im Erinnern lebendig gehalten werden, und „lebendig halten“ sei ja schließlich „Kernaufgabe der Sanität“. Der Tod kann zwar von dem Menschen trennen, der zu uns gehörte, aber er kann uns nicht nehmen, was uns mit ihm verbindet. Einige der Verstorbenen oder Gefallenen bleiben für immer, auch wenn sie gegangen sind, denn sie haben ihre Spuren in den Herzen hinterlassen.

Es gibt im Leben für alles eine Zeit. Eine Zeit der Freude, der Stille, der Trauer und eine Zeit der dankbaren Erinnerung. Die Erinnerung ist wie ein Sicherungsraum, der Tresor unserer Seele. Dem Gläubigen gilt das Versprechen Jesu – niedergeschrieben im Johannes-Evangelium: „Ich bin die Auferstehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist, und jeder, der lebt und an mich glaubt, wird nicht sterben in Ewigkeit“ (Joh 11,25-26).

Ob gläubig oder nicht, jeder kann für sich erfahren: So lange die Gedanken an einen verstorbenen Kameraden oder eine Kameradin lebendig sind, ist er oder sie nicht tot. Sie sind nur ein Stück vorausgegangen in das Leben bei Gott und manchmal fehlen sie uns sehr. Der Stein lädt dazu ein, sich dankbar der Verstorbenen und Gefallenen zu erinnern, seinen Schmerz hier niederzulegen und selber sich so zu verhalten, dass der eigene Weg einen sicher an das Ziel bringt.

von Werner Maria Heß