Kirche und Karneval: "Der Hirte liebt auch schwarze Schafe"

Kirche und Karneval: "Der Hirte liebt auch schwarze Schafe"

  • Katholische Militärseelsorge
  • Militärpfarramt
Datum:
Ort:
Euskirchen
Lesedauer:
3 MIN

„Der Hirte liebt auch schwarze Schafe“

Mit dem Mechernicher Diakon und Mundartautor Manfred „Manni“ Lang hatte die Euskirchener Freiherr-von-Gersdorff-Kaserne der Bundeswehr und die Katholische Militärseelsorge für den „Elften im Elften“ den idealen Zelebranten und Prediger für einen Standortgottesdienst gewonnen.

Diakon Manfred Lang am Altar beim Standortgottesdienst

Diakon und Mundartautor Manfred „Manni“ Lang beim Standortgottesdienst in Euskirchen

Stephan Schuhen

Es gehe in beiden Fällen um Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit, Nachsichtigkeit mit kleineren und größeren Unzulänglichkeiten und Gottes Liebe zu allen Menschen, so Manni Lang. Folgerichtig intonierte Johannes Bresa bereits zum Einzug den „Höhner“-Hit „Echte Fründe“, die bekanntlich in der Not rar sind und „wie eene Jott und Pott“ zusammenhalten.

„Nicht nur das Schöne schweißt zusammen“

Zum „Herr erbarme Dich unser“ erklang der Karnevalsschlager „Wir sind alle kleine Sünderlein (‘s war immer so)“ von Willy Millowitsch. „Mir senn allemohl, wie me hee senn, mindestens kleine Sünderlein, manchmohl äve och richtisch jrueße Nexxnotze“, betete der Diakon im „Kyrie“. Und: „Du läss Deng Sonn schenge öve Jeräeschte unn Nickele, övve wiss Schoof unn schwazz Schoof, denn Du häss oss allemohl leev.“

Ergreifend war ein Lied der Gruppe „Heimweh“, das Johannes Bresa an der Orgel der Georgskapelle spielte und auf Schwyzerdütsch sang: „Zämehäbe“, so der Titel. Dies ist ein Mutmach-Song der Gruppe „Heimweh“ in Corona-Zeiten, in dem es ums Zusammenhalten geht und in dem es heißt: „Nid nur z’schöne schweißt üs zäme/ Nei, o ds schwäre teile mir.“

In der Lesung wurde ein berühmter Passus aus dem ersten Korintherbrief vorgelesen, in dem Paulus die Kirche mit dem „Leib Christi“ vergleicht, der aus lauter Menschen gebildet wird, die alle – wie die Glieder eines Leibes – unterschiedliche Aufgaben und Funktionen erfüllen; Vornehmere und weniger beachtete.
„Wenn der Fuß sagt: Ich bin keine Hand, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört er doch zum Leib. Und wenn das Ohr sagt: Ich bin kein Auge, ich gehöre nicht zum Leib!, so gehört es doch zum Leib. Wenn der ganze Leib nur Auge wäre, wo bliebe dann das Gehör? Wenn er nur Gehör wäre, wo bliebe dann der Geruchssinn?“

Jesus kehrt bei dem Sünder Zachäus ein

Diakon Manfred Lang am Altar beim Standortgottesdienst

Diakon „Manni“ Lang verkündet das Evangelium auf Platt

Stephan Schuhen

Auf Platt verkündigte Manni Lang das Evangelium vom kleinen Zöllner Zachäus, der auf einen Baum geklettert ist, um Jesus in der Menschentraube sehen zu können, die ihn umgibt: „Als Jesus an dämm Boom vebeijkohm, sooch häer Zachäes en de Äss hange und reef: »Zachäes! Komm eraff, flöck, komm eraff. Ich well höck beij Dir deheem enkiere unn Denge Jass senn«.“
Die Leute sind wie vor den Kopf gestoßen: Jesus kehrt beim stadtweit bekannten größten Sünder ein, der die anderen über den Tresen zieht, wo er nur kann. Doch als Jesus in sein Haus kommt, gelobt Zachäus nicht nur Besserung, sondern er zahlt Zölle zurück und verteilt angehäuften Besitz unter die Armen. „Deinem Hause ist heute Segen zuteil geworden“, urteilt Jesus unverwundert.

Weiße und schwarze Schafe

Die humorvolle Predigt kreiste um eine Schafherde aus weißen und schwarzen Tieren und deren Eigenschaften, wobei der Schäfer immer ganz penibel zwischen den Weißen und den Schwarzen unterscheidet. „Sie haben aber eine schöne Schafherde. Wie weit laufen ihre Schafe ungefähr am Tag?“, fragt ihn ein vorbeikommender Wanderer.
„Welche, die weißen oder die schwarzen?“ „Die weißen.“ „Die weißen laufen ungefähr vier Meilen täglich.“ „Und die schwarzen?“ „Die schwarzen genau so viel.“ „Und wie viel Gras fressen sie täglich?“ „Welche, die weißen oder die schwarzen?“ „Die weißen.“ „Die weißen fressen ungefähr vier Pfund Gras täglich.“ „Und die schwarzen?“ – „Die schwarzen auch.“

So geht es weiter, bis der Wanderer den Hirten verwundert fragt: „Darf ich Sie fragen, warum sie die eigenartige Gewohnheit haben, Ihre Schafe bei jeder Frage in schwarze und weiße aufzuteilen?“ „Das ist doch ganz natürlich“, erwidert der Schäfer, „die weißen gehören mir, müssen Sie wissen.“ „Und die schwarzen?“ – „Die schwarzen auch“, sagt der Schäfer.

Nach den Fürbitten, dem gemeinsamen Vaterunser-Gebet und Segen spielte die Gesangbuch-Kompositionen gewöhnte Kirchenorgel der St.-Georgskapelle noch „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, ein kölscher Evergreen von Jupp Schmitz (Komposition) und Hans Jonen (Text aus dem Jahr 1953). Hinterher gaben Johannes Bresa, Harald Koch und ihre Mitorganisatoren den Gottesdienstbesuchern noch Kaffee und Berliner mit auf den Weg zurück zu ihren Dienstposten.

von Manfred Lang