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Wir wissen, was Soldaten und deren Angehörige interessiert. Unsere aktuellen Beiträge gibt's hier zum Nachlesen und vor allem auch zum Nachhören.

Die Geschichte der Feldverpflegung

Jeder Soldat kennt den Begriff Einmannpackung (EPa). Egal, ob auf dem Truppenübungsplatz oder im Auslandseinsatz – die Feldverpflegung ist fester Bestandteil des soldatischen Lebens. Doch sie ist keine Erfindung der Neuzeit. Wir werfen einen Blick auf die Vergangenheit und die Zukunft der Verpflegung im Felde.

Speisen aus der Einmannpackung im Kochgeschirr angerichtet.

Einmannpackung (EPa) im Pickpott angerichtet.

(c) 2014 Bundeswehr/Rott

Von der Grütze bis zur Einmannpackung

Ursprünge bereits vor über 2500 Jahren

Alexander der Große, makedonischer König und einer der größten Feldherren der Geschichte, führte die Feldverpflegung bereits in der Antike ein. Die makedonischen Kämpfer mussten mit dem sogenannten Hand- und Mundvorrat zwar jeden Tag selbst kochen, aber mit einem Vorrat an Speck, Mehl, Wurst oder Wein konnte Alexander der Große seine Soldaten versorgen. Welche Entwicklung die Feldverpflegung bis ins frühe 20. Jahrhundert nahm und wie das Aufkommen der ersten Verpflegungsämter und Feldküchen diese beeinflusste, erzählt uns Oberstabsfeldwebel Oliver Sekuli vom Verpflegungsamt der Bundeswehr in Oldenburg.

Konservendosen nicht die ideale Lösung

Bis in den 2. Weltkrieg hinein ernährten sich Soldaten im Felde vor allem von konservierten Lebensmitteln, wie zum Beispiel Dosenfleisch und Dörrgemüse. Bei Letzterem handelte es sich um getrocknetes Gemüse, dem man Wasser beifügen musste, um es essen zu können. Zusammen mit Fleischkonserven, Brot und Kaffeetütchen war so die „Eiserne Ration“ geboren. Allerdings führte diese Art der Verpflegung zu einem nicht zu unterschätzenden gesundheitlichen Problem bei den Soldaten …

Die EPa wird geboren

Die ersten Einmannpackungen der noch jungen Bundeswehr bestanden aus fünfzehn bis zwanzig verschiedenen Lebensmitteln. Vor allem Fleisch- und Wurstkonserven, Eintopfgerichte oder Konservenfrüchte. Die Entwicklungen in der Industrie führten schließlich zu den bekannten Leichtbehältern, weil diese länger haltbar waren. Aber wussten Sie, dass früher noch Feldbäckereien und Feldschlachtereien für frisches Brot und Fleisch im Felde gesorgt haben? Oberstabsfeldwebel Sekuli über den Beginn der Feldverpflegung der Bundeswehr und was sich später vor allem durch die aufkommenden Auslandseinsätze änderte:

Altes Foto von Soldaten bei der Mittagspause, die auf der Motorhaube eines Militärfahrzeugs sitzen und essen.

Soldaten bei der Mittagspause während eines Manövers im Oktober 1962 in Neumünster.

1962 Bundeswehr/Strack

“Urlaub im Gehirn schaffen“ – EPa im Einsatz

Die ersten Testreihen der neuen EPa wurden unter anderem direkt im Afghanistan-Einsatz verteilt. Dabei ging es weit über die reine Verpflegung hinaus. So wurden beispielsweise auf Brotdosen Eindrücke vom Landleben abgebildet, was bei manchem Soldaten wohlige Assoziationen an die Heimat weckte. Aber auch den veränderten Bedürfnissen der verschiedenen Verwendungen wurde nach und nach Rechnung getragen. Wieso beispielsweise Spezialkräfte eine eigene EPa-Form benötigen, erfahren Sie von Oberstabsfeldwebel Sekuli.

Der Inhalt der Einmannpackung - im Fokus die bedruckte Brotdose.

Die Einmannpackung Typ XVI. Die bedruckten Verpackungen, insbesondere die Brotdosen, sind echte Hingucker - nicht nur im Einsatz.

(c) 2011 Bundeswehr / Wilke


Vielfalt in der Einmannpackung – nicht nur geschmacklich

Die Feldverpflegung wird laufend weiterentwickelt. Verschiedene Ernährungsformen, religiöse Ansprüche oder eine veränderte Sicherheitslage, mit Fokus auf die Bündnis- und Landesverteidigung, spielen mit in diese Entwicklung hinein. In den Lagern des Verpflegungsamts der Bundeswehr in Oldenburg gibt es weit mehr als nur die allseits bekannten EPa, wie Oberstabsfeldwebel Sekuli weiß.

Zwei Einmannpackungen liegen ausgebreitet auf einer Zeltplane, ein davon trägt die Aufschrift "halal".

Die Einmannpackung gibt es in vielen verschiedenen Ausführungen. Unter anderem halal und auch vegetarisch.

2019 Bundeswehr / Jonas Weber


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Der Vergleich mit anderen Nationen zeigt, dass die deutsche EPa einige Vorteile, aber auch Nachteile hat. So wird von verbündeten Kräften im Auslandseinsatz immer wieder gelobt, dass die deutsche Feldverpflegung richtig gekaut werden muss und nicht, wie bei vielen anderen Streitkräften, in Musform daherkommt. Ein Problem bleibt allerdings beim Erhitzen. Wie man das lösen will und was australische Kameraden in Afghanistan zur deutschen EPa sagten, hören Sie hier:

Britischer Soldat, der eine EPa verzehrt. Guten Appetit.

Auch unsere britischen Kameraden essen gerne die bissfeste deutsche EPa. Hier während der Übung Iron Wolf 2019 (Enhanced Forward Presence Battle Group) in Pabrade/Litauen. Guten Appetit!

Bundeswehr/Christian Vierfuß


Weiterentwicklung der Einmannpackung

Ernährung ist keine statische Angelegenheit, weshalb die EPa der Bundeswehr bedarfsgerecht weiterentwickelt werden. Vor neuen Produkten und Verpackungsmitteln scheut sich das Verpflegungsamt der Bundeswehr nicht. Wer allerdings Sorge hat, dass die zukünftigen Einmannpackungen aus Astronautennahrungen bestehen werden, den kann Oberstabsfeldwebel Sekuli beruhigen.


Ihre Meinung zählt

Der bekannte Pickpott und der dazugehörige Esbitkocher werden uns in Zukunft verlassen. Zwar ist die Aluminiumbeschichtung des Essgeschirrs gesundheitlich unbedenklich, aber ebenso wie der Esbitkocher, ist sie nicht mehr zeitgemäß. Was folgen soll, und wie Sie sich aktiv einbringen können, erklärt Oberstabsfeldwebel Sekuli in Folgenden. 

Guten Appetit

Die Einmannpackung hat also eine lange Reise hinter sich und ebenso vor sich. Was als Hand- und Mundvorrat in der Antike begann, ist heute eine Wissenschaft für sich. Wir dürfen also gespannt sein, wie die EPa sich auch in Zukunft noch verändern und wie sie sich fortlaufend an unsere Einsätze und Übungen anpassen werden.  

von Lars Neger

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