Haltbarer Verpflegungsklassiker im Wandel

Haltbarer Verpflegungsklassiker im Wandel

  • Bundeswehr
  • Radio Andernach
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Erschöpft, müde und ausgehungert im Einsatz oder auf dem Truppenübungsplatz - und keine Feldküche in Sicht? Mit dem EPa (Ein-Mann-Packung) stellt die Bundeswehr den Soldaten ein erstklassiges Verpflegungspaket bereit, das nicht nur Hunger und Durst stillt, sondern dabei auch noch ernährungsphysiologisch ausgewogen, äußerst vielseitig und schmackhaft ist.

Militärisches Kochgeschirr mit Lebensmitteln gefüllt

Einmannpackung (EPa) in der Zubereitung.

Bundeswehr / Rott

Ohne Mampf keinen Kampf – Feldverpflegung von der Antike bis zur Gegenwart

Dehydriert, pulverisiert, eingeschweißt, bunt und glänzend - so modern die EPa-Verpflegungspakete inzwischen aussehen mögen, die Geschichte der haltbaren Feldverpflegung reicht weit in die Geschichte zurück. Schon antike Feldherrn wie Alexander der Große erkannten die Notwendigkeit, die Versorgung ihrer Soldaten für alle Lagen autark sicherzustellen, und ließen daher ihre Truppen mit Frühformen haltbarer und transportierbarer Nahrungsmittel ausrüsten. Seit den Anfangstagen der mitführbaren Feldverpflegung hat sich allerdings einiges geändert. Vor allem die Entwicklung der Konservendose bedeutete einen Quantensprung und eröffnete ganz neue Möglichkeiten. In Deutschland hielten verschiedene standardisierte „Notration-Typen“ so bereits im Kaiserreich vor dem Ersten Weltkrieg Einzug ins Militär. Zur Vorgeschichte unseres heutigen EPa weiß Oberstabsfeldwebel Sekuli vom Verpflegungsamt der Bundeswehr in Oldenburg einiges Interessantes zu berichten:

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Von der „Eisernen Ration“ zum EPa der Bundeswehr

Schwarzweiß Foto Soldaten im Manöver machen Pause

Soldaten bei der Mittagspause während eines Manövers im Oktober 1962 in Neumünster.

Bundeswehr/Strack

Noch im Zweiten Weltkrieg war die wesentliche Maßgabe, mit der als „Eiserne Ration“ bezeichneten Notverpflegung vor allem das Überleben der Soldaten zu sichern. Die zunächst nur auf ausdrücklichen Befehl des kommandierenden Offiziers zu öffnende Ration konnte somit zwar für kurze Zeit den Magen füllen, ihre Zusammensetzung orientierte sich dabei aber nicht vordringlich daran, besonders ausgewogen zu sein. Die Folge: Ernährungsbedingte Mangelerscheinungen waren an der Tagesordnung. Nach Gründung der Bundeswehr bezog man bei der Entwicklung und Zusammenstellung der nun als EPa bekannten Einmannpackung ganz gezielt auch ernährungsphysiologische Erkenntnisse ein, um für die Soldaten auch abseits der Truppenküche eine ausgewogene und nahrhafte Ernährung sicherzustellen.

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Für jeden Geschmack - Typenvielfalt und neue Produkte

Mit insgesamt 12 Typen EPa sorgt das Verpflegungsamt der Bundeswehr in Oldenburg für eine breite Palette an einbezogenen Nahrungsmitteln und bemüht sich den Wünschen und Vorlieben der Soldatinnen und Soldaten weitgehend entgegenzukommen. Aber nicht nur kulinarische Kriterien spielen bei der Konzeption einer EPa eine Rolle. Denn auch die Fragen nach der Möglichkeit des Haltbarmachens von Nahrungsbestandteilen, Verpackungsaspekte oder mögliche Aufbereitungsformen im Felde müssen berücksichtigt werden. Und wie immer gilt auch für die Macher aus Oldenburg, sich mit ihren Produkten in einem bestimmten finanziellen Rahmen zu bewegen. Ein herausfordernder Spagat, wie uns im Gespräch Oberstabsfeldwebel Sekuli erläutert:

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Von Kühen und Bonbons – „Das Auge isst mit“!

Und selbstverständlich wirken sich Veränderungen des Auftragsspektrums der Bundeswehr sowie Erfahrungen aus den Einsätzen auf die Anforderungen, die Soldaten an das EPa stellen, auf dessen Zusammensetzung aus. So spiegelt sich etwa im Kaloriengehalt eines EPa wider, für welche Einsatzszenarien es ausgelegt ist – spezielle Operationen verlangen spezielle Verpflegung! Selbst die Gestaltung der Bildmotive, die auf einzelnen Artikel gedruckt sind, leisten hier einen beabsichtigten Beitrag: den Soldaten emotional positiv anzusprechen! Wie dies konkret aussieht, hören Sie in folgendem Beitrag:

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Aber nicht nur einsatzspezifische Erfordernisse, auch bestimmte religiöse oder weltanschauliche Vorstellungen und Überzeugungen greift das Verpflegungsamt gezielt auf.

Verpflegungsrationen der Bundeswehr

EPA gibt es in insgesamt zwölf verschiedenen Sorten, damit für jeden Geschmack etwas dabei ist. Berücksichtigt werden dabei nicht nur Vorlieben sondern auch religiöse oder weltanschauliche Vorstellungen.

Bundeswehr / Weber

Längst Einzug in das Sortiment erhalten haben vegetarische und selbst laktose- und glutenfreie Gerichte, die sich auch unter den Nicht-Vegetariern großer Beliebtheit erfreuen:

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Warum selbst die Corona-Krise Einfluss auf die EPa-Produktion hat, klärt Oberstabsfeldwebel Sekuli vom Verpflegungsamt in Oldenburg auf:

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Im Vergleich mit anderen Nationen: Püriert oder mit Kaugefühl?

Man könnte meinen, dass die letztlich doch eher begrenzten Möglichkeiten, Essen dauerhaft haltbar zu machen sowie möglichst kompakt und transportabel zu verpacken, dazu führen müssten, dass sich die Produkte der einzelnen Armeen sehr ähnlich sind. Dennoch gibt es teilweise erhebliche Unterschiede, wie der internationale Vergleich zeigt:

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Abschied vom Esbitkocher

170301_EPA_im_Wald_Wilke_0548

Ein Soldat erwärmt seine Mahlzeit aus der Einmannpackung auf dem Esbitkocher.

Bundeswehr/Wilke

Generationen von Soldaten erinnern sich mit Nostalgie an die legendären „Panzerkekse“, die viele eher als Feueranzünder verwendet haben als zum Verzehr, und auch den Esbitkocher, der als fester Bestandteil der persönlichen Ausrüstung zum Erhitzen der Gerichte auch heute noch mitgeführt wird. Wie es aussieht, sind dessen Tage wohl inzwischen gezählt:

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Die Zukunft der Einmannpackung

Im Gespräch gewährt das für die Entwicklung zuständige Verpflegungsamt der Bundeswehr in Oldenburg einen interessanten Ausblick auf die Weiterentwicklung des EPa, der die Truppe zukünftig auf neue leckere Produkte für die Zubereitung mit dem Feldkochgeschirr hoffen lässt:

Soldat isst eine Mahlzeit aus einer Tüte

Ein Soldat bereitet sich eine Mahlzeit zu im Rahmen der multinationalen Nachtorientierungsmarsch-Übung Eiswolf 2020 in Heide.

Bundeswehr/Muth
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von Rolf Pauthner