Das Karfreitagsgefecht

Das Karfreitagsgefecht

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Radio Andernach: Der Krieg rund um Kundus rückt 2010 immer näher an das deutsche Feldlager heran. Wenige Kilometer westlich, im Bezirk Char Darrah. Kundus und die strategisch wichtigen Punkte Höhe 431 und Höhe 432 sind die Orte, die für Deutschland den Einsatz in Afghanistan markieren. Dieser erreicht seinen Tiefpunkt für die Bundeswehr am Karfreitag 2010 und ist ein weiterer Wendepunkt des Einsatzes deutscher Soldaten in Afghanistan.

Oberstleutnant Schlaffer: Das sogenannte Karfreitagsgefecht. Als öffentliches mediales Ereignis, aber natürlich auch als militärische Operation, die deutlich gemacht hat deutsche Soldaten befinden sich in Afghanistan in einem Krieg - man nannte es dann kriegsähnliche Zustände.

Radio Andernach: Die Zuschreibung als Krieg hat natürlich auch staatsrechtliche, juristische und vor allem versorgungsrechtliche Begründungen. Wenn man von Regierungsseite von Krieg spricht, impliziert das immer andere Aspekte.

Oberstleutnant Schlaffer: Kann ein Krieg überhaupt stattfinden, wenn nicht der Verteidigungsfall ausgerufen wurde, also solche Fragen mussten dann weiterhin diskutiert werden. Was ist ein Einsatz innerhalb Artikel 5, den hatten wir hier. Und das hat ganz wichtige Aspekte geliefert und werden Diskussionsbedarf.

Radio Andernach: Am 2. April 2010 geraten deutsche Soldaten in der Ortschaft Isa Khel in einen Hinterhalt. Es folgt ein stundenlanges Gefecht. In dem Schusswechsel fallen drei deutsche Soldaten, mehrere werden teils schwer verwundet. Für die Aufständischen ist das „Karfreitagsgefecht“ ein Propagandaerfolg, für Deutschland ein Schock. Auch der damalige Verteidigungsminister zu Guttenberg sprach auf der Trauerfeier für die gefallenen Kameraden das erste Mal von einem Krieg.

Oberstleutnant Schlaffer: Was wir am Karfreitag bei Kunduz erleben mussten, das bezeichnen die meisten verständlicherweise als Krieg, ich auch.

Radio Andernach: Im Vergleich zu unseren Verbündeten sind die Gefechte und Opferzahlen der Bundeswehr deutlich geringer, vor allem gegenüber denen der USUnited States-Truppen und denen der Briten. Die Aufstockung der internationalen Truppen in der folgenden Zeit spiegelt sich auch im deutschen Engagement wieder: Mit 5.433 Soldaten erreicht die deutsche Truppenstärke in Afghanistan im Jahr 2011 ihre höchste Zahl. Die internationale Gemeinschaft setzt nun darauf, die Verantwortung für die Sicherheit in den Regionen schrittweise an die Afghanen zu übertragen. An deren Sicherheitskräfte, Polizei und Militär. Diese sollen mit viel Ausbildungshilfe aufgebaut werden. 2014 endet die Mission ISAFInternational Security Assistance Force und es folgt die Mission Resolute Support. Die Soldaten sollen nicht mehr in die Kämpfe zwischen den afghanischen Sicherheitskräften und den Aufständischen eingreifen, sondern nur noch Polizei und Armee auf ihrem weiteren Weg begleiten: Ausbilden, unterstützen und beraten. 

von Sara-Christin Beck