Ein Blick in die Zukunft

Ein Blick in die Zukunft

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Radio Andernach: 123 Fahrzeuge und ungefähr 750 Containerladungen Material hat die Bundeswehr in der vergangenen Woche zurück nach Deutschland transportiert. Doch was kommt danach? Die Sorge ist groß, dass die Abwesenheit der internationalen Truppen die gewonnene Sicherheit in Afghanistan wieder zunichtemacht. Oberstleutnant Dr. Rudolf Schlaffer ist Historiker am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften und dort der Projektleiter für Einsatzgeschichte. Er selbst war 2002 und 2006/2007 in Afghanistan im Einsatz und geht davon aus, dass die Lage wieder schwieriger wird, ohne die NATO-Truppen.

Oberstleutnant Schlaffer: Ich hoffe, ich irre mich. Aber ich vermute Bürgerkrieg, Chaos und weitere Fluchtbewegungen. Die ungelöste Sicherheitslage wird uns weiter beschäftigen. Ob sich die Taliban an das ausgehandelte Abkommen halten werden, muss sich beweisen und ob die afghanische Regierung und vor allem die Sicherheitskräfte als durchhaltefähig und als die Sicherheitslage gewährleistend entwickeln, das muss man abwarten.

Radio Andernach: Da drängt sich unmittelbar die Frage nach dem Sinn auf, war der Einsatz es Wert, dass 59 deutsche Kameraden ihr Leben gelassen haben. 35 Soldaten starben durch Feindeinwirkung, durch Sprengfallen oder Selbstmordanschläge.

Oberstleutnant Schlaffer: Unsere Kameraden haben der Bundesrepublik Deutschland treu gedient und sie haben ihren Eid tapfer zu verteidigen i ultimo ratio verwirklicht. Sie haben mit dem Leben dafür bezahlt. Sie sind verletzt worden. Das ist das, wofür wir alle Soldaten geworden sind.

Radio Andernach: Es hat seinen Sinn gehabt, dass die Bundeswehr im Rahmen unserer Möglichkeiten einem Staat, einer Gesellschaft eine Zukunftsperspektive gegeben haben. Diese Zeit ohne die Herrschaft der Taliban - auch mit den ständigen Angriffen und Terrorakten war besser als die Zeit vor 2001. Der Einsatz in Afghanistan war nach dem Kosovoeinsatz.

Oberstleutnant Schlaffer: der zeitlich längste Einsatz deutscher Streitkräfte in einem Krieg seit 1870 und 71. Das muss man sich mal vergegenwärtigen und viele Mitbürger haben das nicht mal gemerkt oder wollten es nicht wahrhaben.

Radio Andernach: Bis zum 11. September 2021 wollen die USAUnited States of America und damit verbunden auch die NATO-Staaten Afghanistan verlassen. Die Vereinbarungen von Doha stellen den Abzug in Aussicht. Im Gegenzug sichern die Taliban zu, die Aktivitäten von Terrorgruppen in Afghanistan zu unterbinden. Deutschland will schon eher das Land verlassen.


von Sara-Christin Beck