Allrounder im Einsatz

Heizer: Techniker auf See in der Ägäis

Heizer: Techniker auf See in der Ägäis

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  • Ägäis
Datum:
Ort:
in See
Lesedauer:
2 MIN

Wasser aus der Wand, Licht auf Knopfdruck und die tägliche Dusche sind für viele Menschen selbstverständlich. Auf einem 130 Meter langen Kriegsschiff ist all das jedoch mit einer Menge Arbeit verbunden. Das Wasser auf See wird durch die Seewasserentsalzungsanlage bereitgestellt und der Strom von einem E-Diesel erzeugt. Diese Anlagen sind sehr wartungsintensiv und werden auf See durch die Soldatinnen und Soldaten des Hauptabschnitts Schiffstechnik instandgehalten. Die Techniker an Bord werden umgangssprachlich als Heizer bezeichnet.

Lebensmittel stehen auf Paletten an Bord.

Material und Lebensmittel für die nächsten Monate müssen eingelagert werden

Bundeswehr/Volker Muth

Nicht nur die Heizer stehen vor jeder Seefahrt vor großen Herausforderungen. Neben den unverzichtbaren Waffen und der Munition eines Kriegsschiffes müssen an Bord alle wichtigen Ersatzteile und das passende Werkzeug eingelagert werden. Hinzu kommen mehrere Tonnen Proviant und Getränke für die Besatzung. Auch der Schiffsarzt mit seinen Sanitätern beansprucht eine Menge Platz für unzählige Medikamente und Sanitätsmaterial. Am Ende finden zudem mehrere Hunderttausend Liter Diesel und etliche Liter Trinkwasser ihren Platz – somit kann die Fregatte bestens ausgestattet in See stechen. Dort beginnt dann für die Techniker die eigentliche Arbeit: Sie sorgen dafür, dass alle Anlagen und Systeme reibungslos funktionieren. 

Arbeiten unter erschwerten Bedingungen

Ein Soldat arbeitet zwischen Rohrleitungen auf einem Schiff

Enge Betriebsräume und manchmal eine Schräglage von über 30 Grad: Die Arbeit auf hoher See ist eine besondere Herausforderung

Bundeswehr/Sina Rössig

Um einen störungsfreien Betrieb der Anlagen und Systeme zu gewährleisten, werden diese regelmäßig überprüft. Auf Ronden gehen die Heizer durch alle Betriebsräume und prüfen die Ölstände der Motoren sowie alle Rohrleitungen, die für den Betrieb wichtig sind. Die Kühlleitungen transportieren Seewasser zur Kühlung der Systeme durch das halbe Schiff. Durch das aggressive Salzwasser müssen diese Leitungen stets genauestens überwacht werden – auch bei hohem Seegang und einer Schräglage von über 30 Grad. Zu diesen besonderen Herausforderungen kommen außerdem die hohen Temperaturen in den Maschinenräumen. In den südlichen Regionen können das schnell an die 50 Grad werden.

Letzte Fahrt nach 32 Dienstjahren 

Die enge Schlafkoje der Besatzung an Bord. Rechts steht ein Mehrstockbett mit drei Etagen, vorne stehen zwei schmale Spinde

In den Stockbetten schlafen die Soldatinnen und Soldaten in drei Etagen und bis zu zwölft in einem Raum

Bundeswehr/Sina Rössig

Die „Lübeck“ ist die letzte Fregatte der Klasse 122. Nach dem Einsatz wird sie ihren Dienst in der Marine beenden und von einem moderneren Schiff abgelöst. Auf den alten Schiffen schlafen die Soldatinnen und Soldaten zum Teil zu zwölft in einem Raum. Dieser ist mit etwa 24 Quadratmetern auch nicht besonders groß. Um die Einsatzbereitschaft des Schiffes und der Besatzung nicht zu gefährden, ist der Landgang zudem derzeit stark eingeschränkt. Die Soldatinnen und Soldaten kommen somit in den fünf Monaten des Einsatzes nicht von Bord und haben nur die knapp 130 Meter lange Fregatte „Lübeck“ als ihr vorübergehendes Zuhause. 

Und doch ist es immer wieder ein schöner Moment, wenn das Schiff mit 30 Knoten durch die Wellen pflügt und alle Anlagen und Systeme treu ihren Dienst verrichten. Da geht das Herz eines jeden Heizers und Seemanns auf – und so schrieb schon der Schriftsteller Gorch Fock, was heute noch gilt: „Seefahrt tut not.“ 
 

von Sebastian K. und  Joscha R.

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