Versorgungsmanöver in der Ägäis

Versorgungsmanöver in der Ägäis

  • Einsatz
  • Ägäis
Datum:
Ort:
in See
Lesedauer:
3 MIN

Das Seeversorgungsmanöver oder auch Replenishment at Sea (RAS) genannt, gehört zu einem der anspruchsvollsten Manöver zwischen mehreren Einheiten. Hierbei können unter anderem verschiedene Güter von bis zu einer Tonne Gewicht oder Kraftstoff von Schiff zu Schiff übergeben werden. Das erlaubt es den Kriegsschiffen, über einen längeren Zeitraum im Seegebiet zu operieren, ohne einen Hafen für die Nachversorgung anlaufen zu müssen.

Höchste Konzentration auf der Brücke

Ein Soldat blickt auf das vor ihm fahrende Schiff

Der Ausguck überprüft fortlaufend die Lage zum Einsatzgruppenversorger

Bundeswehr/Florian Westphal

Das Seeversorgungsmanöver ist sowohl navigatorisch wie auch seemännisch sehr anspruchsvoll. Eine detaillierte Vorbereitung ist daher für ein erfolgreiches und sicheres Manöver entscheidend. Die Fregatte Brandenburg befindet sich zunächst hinter dem Einsatzgruppenversorger und navigiert auf die vereinbarte Position. Der sogenannte „Anlauf“, also die Annährung eines Schiffes, erfordert vom fahrenden Wachoffizier einiges an Erfahrung. Geschwindigkeit und der richtige Abstand müssen genau eingehalten werden. Der fahrende Wachoffizier muss also ein Gespür für das Verhalten seines Schiffes haben. Hierbei nähern sich die Schiffe bis auf etwa 35 Meter Querabstand einander an. Die Gefahr hierbei ist, dass sich die beiden Schiffe zu nahekommen. Sollte der Abstand zu gering sein, werden beide Einheiten durch einen im Wasser entstehenden Unterdruck zueinander gezogen. Ein Gegenlenken ist dann kaum noch möglich. Die Fregatte Brandenburg und das Versorgungschiff fahren jetzt parallel zueinander. Nun wird mit einer Wurfleine eine Verbindung zwischen beiden Schiffen hergestellt.

Beide Schiffe gelten, nachdem sie eine stehende Leinenverbindung hergestellt haben, als manöverbehindert im Sinne der Kollisionsverhütungsregeln und haben spezielle Vorfahrtsrechte gegenüber anderen Schiffen. Wichtig hierbei ist, dass ein Seeraum gewählt wird, der ausreichend Platz für so ein Manöver bietet.

Alles andere als ungefährlich

Vier Soldaten mit Sicherheitsgeschirr holen die Arbeitsleine zwischen den Schiffen über

Die Soldaten holen die Arbeitsleine über, um eine Verbindung zwischen den Schiffen herzustellen

Buneswehr/Florian Westphal

An der Wurfleine werden die Arbeitsleinen und Abstandsleinen befestigt. Die Arbeitsleinen unterscheiden sich in der Dicke und Belastbarkeit. An jedem vorangegangenen Seil wird ein dickeres befestigt, bis das schwere Drahtseil auf die andere Einheit gelangt ist. Jetzt ist besondere Vorsicht geboten. Sollte ein Seil wegen zu hoher Belastung brechen, besteht große Verletzungsgefahr für alle Beteiligten. Auch deswegen muss das Team gut eingespielt sein.

Ist die Verbindung hergestellt, kann Material mit Hilfe von Gittertransportkisten übergeben werden. Von Munition über Lebensmittel bis hin zu einem Postbeutel samt eines kleinen Geschenkes für die Besatzung kann nahezu alles transportiert werden.


Jetzt darf nichts schiefgehen

Am Drahtseil hängt der schwere Betankungsschlauch durch den der Treibstoff fließt. Zwei Soldaten überwachen den Vorgang

Während der Betankung stehen die Soldaten immer bereit und überwachen den Betankungsvorgang

Bundeswehr/Florian Westphal

Während die Versorgung mittels Transportkisten vergleichsweise zügig von statten geht, dauert die Kraftstoffübergabe etwas länger. Bei dem deutlich anspruchsvollerem Verfahren ist es möglich, 300 Kubikmeter in der Stunde zu übergeben und die Betankung kann bis zu 1,5 Stunden dauern, immer konzentriert bei gleichem Kurs und gleicher Fahrt. Eine Situation großer Anspannung, denn jederzeit kann Kraftstoff austreten und sich auf dem Oberdeck verteilen. Eine Situation höchster Brandgefahr. Um auf alle Situationen vorbereitet zu sein, stehen Brandabwehrtrupps und Sanitätspersonal immer auf Abruf bereit. Sollten beide Einheiten jetzt plötzlich unter eine Bedrohung von außen geraten, wie etwa bei einem Luftangriff, dann muss die Versorgung mit einem Nottrennungsverfahren unterbrochen werden.

Klar für die nächste Etappe

Zwei Soldaten mit Sicherheitsgeschirr bauen eine Absicherung wieder auf

Nach dem Versorgungsmanöver wird die See-Reling wieder aufgebaut

Bundeswehr/Florian Westphal

Nachdem die Fregatte Brandenburg ihre Bunkerzellen wieder mit Kraftstoff gefüllt hat, ist sie bereit für die nächste Etappe auf hoher See. Diese Art der Nachversorgung ist in den vergangenen Jahren seltener geworden, auch, weil große Verbandsfahrten und lange Stehzeiten in See seltener geworden sind. Umso notwendiger ist es, die Möglichkeit zu nutzen, die Besatzungen beider Einheiten weiter zu trainieren und auszubilden.

von Florian Westphal

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