EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup: Multinational zum Erfolg

EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup: Multinational zum Erfolg

  • Einsatz
  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
3 MIN

Bereits seit einigen Tagen befindet sich der multinationale Gefechtsverband der NATO, die Enhanced Forward Presence (EFPEnhanced Forward Presence) Battlegroup, in Litauen in seinen einsatznahen Verfügungsräumen. Eine gewisse Anspannung liegt in der Luft, denn ein Gefecht steht unmittelbar bevor. Wie vor einem Angriff üblich, ist die Gefechtsaufklärung bereits seit einem Tag draußen und klärt Feindstellungen auf. Die Anzeichen für einen bevorstehenden Angriff verdichten sich.

Die Verzögerung – eine besondere Herausforderung

Ein Hubschrauber fliegt tief über eine Wiese vor einem Wald

Verstärkung aus der Luft: der USUnited States-Army AH-64 Apache-Kampfhubschrauber in der Luftnahunterstützung

Bundeswehr/PAO EFP

Das beschriebene Szenario ist natürlich nicht real, sondern Hauptbestandteil der Zertifizierungsübung Iron Wolf 2021-1 der NATO. Erst wenn die teilnehmenden Nationen gezeigt haben, dass sie auch multinational, als ein gemeinsamer Gefechtsverband ihren Auftrag beherrschen, erhält die Battlegroup das Prädikat  „Combat Ready“ – bereit für den Kampf. In diesem Fall findet das Gefecht in der Nähe der Ortschaft Rukla auf einem Truppenübungsplatz statt. Der Auftrag der aus belgischen, deutschen, luxemburgischen, niederländischen und norwegischen Kräften bestehenden Battlegroup ist es, einen feindlichen Panzerverband in seinem Vormarsch aufzuhalten. Verstärkt wird die Battlegroup von deutscher Artillerie, litauischen Flugabwehrkräften sowie USUnited States-amerikanischer Luftnahunterstützung.

Wie sieht das taktische Vorgehen der Übung genau aus? In der ersten Phase geht es darum, den Gegner zu schwächen. Zu diesem Zweck greift die Battlegroup den bereits in der Bewegung befindlichen gegnerischen Vormarsch an. In einer zweiten Phase verzögert die Battlegroup den zu erwartenden weiteren Vorstoß des Panzerverbands, dabei verwickelt sie den Gegner mit kurzen Feuergefechten in Kampfhandlungen. Das Ziel ist es, den Panzerverband weiter abzunutzen. Dieses Vorgehen nennt man im militärischen Sprachgebrauch „Verzögerung“ – sie soll den Soldatinnen und Soldaten Zeit verschaffen, damit weitere kampfstarke Verbände nachrücken können. Bei einem Verzögerungsgefecht soll der Vorstoß des in den aufgegebenen, freien Raum nachstoßenden Gegners mithilfe von Angriffen in die Flanke allmählich zum Erliegen kommen. Auf diese Weise wird Zeit für einen erneuten Gegenangriff gewonnen.

Vorbereitung des Gefechts

Zwei Geschütze stehen im Wald nebeneinander

Zwei Panzerhaubitzen 2000 auf dem Weg in den Einsatzraum zur Feuerunterstützung

Bundeswehr/PAO EFP

Den Beginn der Übung markiert die Veranschaulichung des Operationsplans am Sandkasten sowie die Befehlsausgabe an die Spähkräfte. Die Aufklärer erkunden mit ihren Panzerspähwagen Fennek die feindlichen Stellungen, um dadurch den Gefechtsverband von Süden weitestgehend unbemerkt an das Gefechtsfeld heranführen zu können. Der multinationale Gefechtsverband – bestehend aus den deutschen und norwegischen Hauptkräften mit ihren Leopard 2 Kampfpanzern – wird begleitet von mechanisierter Infanterie mit den deutschen Schützenpanzern Marder, niederländischen, belgischen sowie weiteren norwegischen Gefechtsfahrzeugen.

Zur Verstärkung sind darüber hinaus deutsche Panzerhaubitzen 2000 und USUnited States-amerikanische AH-64-Kampfhubschrauber im Einsatz. Wesentlich für den Erfolg dieses Angriffs ist es, im Moment der Feuereröffnung die eigene Feuerüberlegenheit zu nutzen, um den Gegner überraschend und schnell zu schlagen. Dabei muss es gelingen, das bewaldete Gelände vor dem eigentlichen Gefechtsfeld durch die eigene mechanisierte Infanterie für die Panzerkräfte gangbar zu machen.

Vom Vorstoß in die Verteidigung

Soldaten stehen auf mit Ästen getarnten Panzern

Mechanisierte Infanterie aus Deutschland mit ihrem Schützenpanzer Marder in der Vorbereitung

Bundeswehr/PAO EFP

Zu diesem Zweck marschiert der Gefechtsverband auf drei Routen zum Operationsraum. In der Mitte und im westlichen Bereich eröffnen leichte bewegliche Infanteriekräfte aus Belgien und den Niederlanden und im östlichen Bereich schwere norwegische Panzerkräfte den Kampf. Die deutsche Kampfkompanie stößt in der Mitte nach, um die Breite des Raumes zu nutzen und die volle Kampfkraft zu entfalten. Mit den schnellen Infanteriekräften, die aus der Flanke kommend den Gegner umschließen, soll der Gegner schließlich isoliert und durch den Einsatz der Kampfpanzer geschlagen werden. Anschließend werden schnellstmöglich Verteidigungspositionen eingenommen, um nachrückende Gegner aufzuhalten.

Durch Integration zum Erfolg

Dieses taktische Vorgehen ist bereits für einen nationalen Verband herausfordernd und bedarf häufiger Übungen, damit das Zusammenspiel der verschiedenen Kräfte aus Infanterie, Artillerie und Panzer reibungslos funktioniert. Für einen multinationalen Verband bedeutet das Vorgehen noch mehr Übung, schließlich müssen die Soldatinnen und Soldaten einander mitsamt ihren Fähigkeiten erst einmal kennenlernen. Erst dann können sie die nationalen Verfahren, die sich zum Glück sehr ähneln, präzise aufeinander abstimmen. Aber gerade diese Vielfältigkeit macht die Stärke der Battlegroup aus: Sie vereint die Vorteile der einzelnen Nationen.

Nur durch enge Kooperation und die wechselseitige Integration der Kräfte, durch gemeinsame Ausbildung und Übung konnten der Zusammenhalt stetig erhöht und wichtige Erfahrungen ausgetauscht werden. Im Rahmen des EFPEnhanced Forward Presence-Auftrags haben die Soldatinnen und Soldaten jeden Tag erlebt, was NATO bedeutet. Bei der Zertifizierungsübung Iron Wolf hat die 9. Rotation der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup Litauen eindrucksvoll ihre Einsatzfähigkeit, Interoperabilität und Einsatzbereitschaft unter Beweis gestellt. Das Fazit? Combat Ready!

von Norman Wald

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