EFPEnhanced Forward Presence: Iron Wolf ist „Combat Ready“

EFPEnhanced Forward Presence: Iron Wolf ist „Combat Ready“

  • Einsatz
  • EFP
Datum:
Ort:
Pabrade
Lesedauer:
4 MIN

Auf diesen Moment haben die über 1.200 Soldatinnen und Soldaten aus sechs Nationen in den vergangenen drei Monaten gemeinsam hingearbeitet: die Zertifizierungsübung Iron Wolf 2021-2 der 10. Rotation Enhanced Forward Presence (EFPEnhanced Forward Presence). Hier konnte der vom deutsch-niederländischen Panzerbataillon 414 geführte Gefechtsverband seine Leistungsfähigkeit und Interoperabilität im multinationalen Umfeld unter Beweis stellen. Fazit des internationalen Inspektorenteams der NATO: Die 10. Rotation ist einsatzbereit und kriegstauglich!

Ein Soldat schießt mit einem Gewehr

„Kämpfen können, um nicht kämpfen zu müssen.“ Die EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup ist wesentlicher Teil der Abschreckungsstrategie der NATO.

Bundeswehr/Pascal Warner

Doch bis es so weit war, musste ein herausfordernder Weg zurückgelegt werden. Das galt insbesondere für das deutsch-niederländische Panzerbataillon 414 aus Bergen/Lohheide, das seit dem 10. August dieses Jahres in Litauen für die Führung des multinationalen Gefechtsverbandes verantwortlich ist.

Bereits seit Anfang 2017 unterstützt die NATO Polen und die baltischen Staaten, als Reaktion auf die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland und die fortgesetzte Destabilisierung der Ukraine. Deutschland stellt dabei die Führung der NATO-Battlegroup in Litauen. Das mulitinationale Personal bei EFPEnhanced Forward Presence rotiert in halbjährigen Abständen, weil die Vereinbarungen der NATO-Russland-Grundakte keine dauerhafte Stationierung alliierter Truppen in Osteuropa erlauben. „Wir sind hier, um unter Nutzung von öffentlichkeitswirksamen und multinationalen Ausbildungs- und Übungsvorhaben im baltischen Raum die starke Präsenz der NATO nach außen sichtbar zu machen, um potenzielle Aggressoren abzuschrecken“, erläutert der Kommandeur des Panzerbataillons 414, Oberstleutnant Hagen Ruppelt den Auftrag der aktuell durch ihn geführten EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup in Litauen. Der multinationale Gefechtsverband ist fester Bestandteil der vordersten Verteidigungslinie des Bündnispartners Litauen. Das bedeutet gleichzeitig, dass die EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup in der Lage sein muss, notfalls gegen einen überlegenen Feind zu bestehen. „Nur wer sich am anspruchsvollsten Auftrag ausrichtet hat das Beste getan, auch Unvorhergesehenes zu bewältigen“, fasst Oberstleutnant Ruppelt diese Tatsache unmissverständlich zusammen.

Gemeinsam Einsatzbereitschaft herstellen

Kanonenabschuss-Darstellungsgerät eines Kampfpanzers Leopard

Feuer und Bewegung: Bei den Übungen in Litauen kommt auch das Kanonenabschuss-Darstellungsgerät (KADAG) zum Einsatz

Bundeswehr/Pascal Warner

Um eine solch herausgehobene Aufgabe übernehmen zu können, mussten er und seine Soldatinnen und Soldaten sich intensiv auf diesen Auftrag vorbereiten. Deshalb hatte das Panzerbataillon 414 bereits Anfang des vergangenen Jahres damit begonnen, die Voraussetzungen für den Führungsauftrag in Litauen zu schaffen.  Hierzu wurden zahlreiche Übungsplatzaufenthalte durchgeführt, die im Mai 2021 in der nationalen Zertifizierung im Gefechtsübungszentrum des Heeres ihren erfolgreichen Abschluss fanden. Im August erfolgte dann die Übernahme der Verantwortung in Litauen.

Die 10. Rotation besteht aus 1.200 Soldatinnen und Soldaten aus sechs Nationen – Deutschland, Niederlande, Norwegen, Luxemburg, Belgien, Tschechien – und jede Nation hat sich zuvor individuell auf den Einsatz vorbereitet. „Meine Absicht war es, aus den vielen Einzelspielern schnellstmöglich ein Team zu formen und die individuellen, vielfältigen Fähigkeiten in gemeinsamer Anstrengung zu einem schlagkräftigen und einsatzbereiten Gefechtsverband zu vereinen“, erklärt der EFPEnhanced Forward Presence-Kommandeur sein Vorgehen.

Bereits Mitte August wurde die Einsatzbereitschaft durch Ausbildung und Übungstätigkeiten auf Ebene der Kompanien und der Gefechtsstände weiter erhöht, ehe im September im Rahmen der Übung Eager Leopard die Interoperabilität im hochintensiven Gefecht erfolgreich auf den Prüfstand gestellt werden konnte. Diese Gefechtsübung im multinationalen Verbund bildete gleichzeitig den Grundstein und gewissermaßen die Generalprobe für die Zertifizierungsübung Iron Wolf.  

Iron Wolf als Lackmustest

Zwei Soldaten auf einem Panzer im Wald

Im hochintensiven Gefecht führt der Kommandeur Oberstleutnant Ruppelt, hier rechts im Bild, seine Truppe stets von vorne

Bundeswehr/Pascal Warner

Die Zertifizierungsübung Iron Wolf ist ein wiederkehrendes Ereignis bei EFPEnhanced Forward Presence. Hierbei muss jede Rotation vor den Augen eines internationalen Inspektorenteams der NATO bestehen. Im Schwerpunkt werden defensive Operationsarten in allen Phasen des hochintensiven Gefechtes geübt, dabei wird alles umfassend protokolliert und überprüft.

Das Szenario der Übung beinhaltet, dass der NATO-Bündnispartner Litauen durch einen fiktiven Gegner angegriffen wird und dieser bereits die litauische Grenze überschritten hat. Dieser Gegner wurde für die Übung durch die litauische Iron Wolf-Brigade dargestellt. Verstärkt wurde sie durch Panzerkräfte des ebenfalls in Litauen stationierten USUnited States-amerikanischen 3. Bataillons, 66. Panzerregiment, auch bekannt unter dem Namen „The Burt's Knights“. Darüber hinaus wurden weitere amerikanische und spanische Kräfte aus Polen und Lettland von den dort stationierten NATO Enhanced Forward Presence Gefechtsverbänden für diese Übung als gegnerische Kräfte eingesetzt.

Die eigenen Soldatinnen und Soldaten wurden in der Übung auf alle Eventualitäten vorbereitet, auch die Sanitätskräfte waren Teil der Übung. Sie kamen bei einem simulierten Massenanfall von Verwundeten zum Einsatz. Des Weiteren waren eine gemischte Aufklärungskompanie, Artillerieunterstützung sowie ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrkräfte Teil der Übung.

Gemeinsam Einsatzbereitschaft halten   

Gruppenbild der Battlegroup

„Combat Ready!“ Die 10. Rotation hat während der Übung Iron Wolf ihre Kriegstauglichkeit bewiesen

Bundeswehr/Pascal Warner

Nach vier intensiven Gefechtstagen waren alle, angefangen bei der Übungstruppe, über die Führung der Battlegroup bis hin zum Leiter des Inspektionsteams, von der Einsatzbereitschaft der Battlegroup überzeugt. „Ich bin persönlich tief beeindruckt von der Leistungsbereitschaft der Soldatinnen und Soldaten, ihrem Willen zum Erfolg und auch ihrem Mut, in schwierigen Lagen zu stehen und zu bestehen. Die 10. Rotation ist einsatzbereit und kriegstauglich!“, fasst der Kommandeur der 43. Gemechaniseerde Brigade der Niederlande und Leiter des internationalen Inspektorenteams, Brigadegeneral Roland de Jong, das Ergebnis der Zertifizierung zusammen.

Die gemeinsamen Kraftanstrengungen haben sich also gelohnt und die Zertifizierung war erfolgreich. Nun gilt es, diesen hohen Grad der Einsatzbereitschaft weiter zu halten. Das nächste Übungsvorhaben „im scharfen Schuss“ ist bereits für den November terminiert.   Denn was überall sonst gilt, das gilt auch hier: Routine ist der Feind der gewissenhaften Auftragserfüllung.

von Timo Radke

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