EFP: Übungssprengen für die Pioniere in Litauen

EFP: Übungssprengen für die Pioniere in Litauen

  • Einsatz
  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
3 MIN

Auf dem Truppenübungsplatz Gaižiŭnai in Litauen herrscht sengende Hitze, doch bei Stabsfeldwebel Jörg S. herrscht höchste Konzentration: Er leitet heute ein Übungssprengen. Die Sprengberechtigten sowie ihre Helfer werden regelmäßig bei solchen Übungssprengen trainiert. Von den Soldatinnen und Soldaten verlangt die Übung höchste Aufmerksamkeit und Präzision.

Feuerball auf sandigem Untergrund nach Sprengung eines Baumstamms, im Hintergrund ein Wald

Ein Panzerpionierzug aus Niederbayern unterstützt die deutsche Panzerkompanie: auch mit dem Einsatz von Sprengmitteln

Bundeswehr/Kurt Basler

Die Kampfkompanien der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup in Litauen werden durch Pionierzüge der jeweiligen Nation unterstützt. Für die deutsche Panzerkompanie ist dies momentan ein Panzerpionierzug aus Bogen in Niederbayern. Dabei setzt die Pioniertruppe auch Sprengmittel ein, um zum Beispiel Baumsperren anzulegen oder Drahtsperren zu öffnen. Die notwendige Sicherheit im Umgang mit den Spreng- und Zündmitteln kann nur durch regelmäßiges Üben erlangt werden. Stabsfeldwebel Jörg S. ist erfahren genug, um zu wissen, worauf er dabei besonders zu achten hat: auf das sachgerechte Handhaben des Sprengstoffs sowie das Gefahrenbewusstsein seiner Übungsgruppe.

Vom Einfachen zum Schweren

Ein Soldat bringt eine Sprengladung an einem Baumstamm an, ein weiterer Soldat schaut zu

Vorbereitungen für die Baumsperre: Ein Soldat bereitet den Baumstamm mittels Sprengschnur auf die Sprengung vor

Bundeswehr/Christian Kuhrt

Zum Einstieg in den Übungstag führt er ein Gewöhnungssprengen durch, um die Soldatinnen und Soldaten methodisch an die Sprenginhalte heranzuführen – gemäß der Vorgehensweise „vom Einfachen zum Schweren“. Hierbei leiten die Teilnehmenden mittels Sprengkapselzünder die Leitfeuerzündung ein. Ruhigen Schrittes, denn beim Sprengen wird grundsätzlich nicht gerannt, beziehen die Soldatinnen und Soldaten anschließend die Deckung, um die Druckwelle sowie den Detonationsknall aus nächster Nähe zu erleben. Knall und Druckwelle sind deutlich spürbar – ein ziemlich eindrucksvoller Vorgang.

Anlegen von Baumsperren

Ein durchtrennter Baumstamm auf sandigem Untergrund

Der Baumstamm wurde durch die Sprengung erfolgreich geteilt, die Sprengstoffmenge demnach korrekt berechnet

Bundeswehr/Christian Kuhrt

Um das Anwenden der Sprengmittel zu vertiefen, erhält der sprengberechtigte Gruppenführer von Stabsfeldwebel Jörg S. den Auftrag, eine Baumsperre anzulegen. Hierzu wurde eine künstliche Allee mithilfe von in die Erde eingelassenen Baumstämmen vorbereitet. Der Gruppenführer wertet seinen Auftrag aus, bewertet die Lage und entscheidet sich für zwei unterschiedliche Verfahren zum Anlegen der Baumsperre. Nach dem Vermessen der Bäume werden die jeweils benötigten Sprengstoffmengen berechnet und an den Baumstämmen angebracht. Nach einer kurzen, aber gründlichen Abnahme durch den Leitenden bereiten die Sprenghelfer die Objekte zur Zündung vor.


Die Zündungen werden mit einigem zeitlichen Abstand voneinander eingeleitet. Die Panzerpioniergruppe verschwindet in der Deckung. Mit einem wissenden Blick auf die Uhr nickt Stabsfeldwebel Jörg S. Zwei Sekunden später erfolgt die erste Umsetzung. „… 2 – 3 – 4 – 5 – 6 – Sprengerfolg!“, stellt Jörg S. zufrieden fest. Die Detonationen waren so deutlich voneinander getrennt, dass Gewissheit darüber besteht, dass alle Sprengungen erfolgreich waren. Die Gruppe kann die Deckung demnach wieder verlassen. Sie begeht die Sprengstellen, um den Sprengerfolg abschließend zu begutachten. Der Gruppenführer ist zufrieden, das Ziel ist erreicht: Die Allee ist für Fahrzeuge gesperrt.

Öffnen von Drahtsperren

Ein Soldat schiebt im Liegen eine rohrförmige Sprengladung unter eine Sperre aus Draht

Eine Drahtsperre wird mithilfe eines Sprengrohrs beseitigt

Bundeshr/Christian Kuhrt

Beim Unterstützen der Infanterie ist das Öffnen von Drahtsperren eine unerlässliche Fähigkeit der Pioniere, um die Bewegung der eigenen Soldatinnen und Soldaten zu ermöglichen. Der neue Auftrag an den Gruppenführer lautet, die zuvor von der Pioniergruppe angelegte Drahtsperre mittels Sprengrohr und elektrischer Zündung für den Gegenstoß öffnen. Der Gruppenführer lässt die Sprengmittel und das Material für die elektrische Zündung in der Deckung vorbereiten. Dann geht alles ganz schnell.

Zunächst das Annähern an die Sperre, dann das Ziehen des Zündkabels. Jetzt das Platzieren der beiden Sprengrohre, das Herstellen der Zündbereitschaft 1. Wieder zurück in die Deckung. Der Gruppenführer prüft nochmals die Zündleitung – alles bestens. Er stellt Zündbereitschaft 2 her. „Achtung, ich zünde! 3 – 2 – 1.“ Wumm! Der Knall der Detonation ist beeindruckend, die Wirkung ein Erfolg: Die Sperre ist geöffnet und der Weg für die eigenen Soldatinnen und Soldaten ist frei. Auf diese Weise geht nach vielen erfolgreichen Sprengungen ein langer und heißer Tag zu Ende. Es hat sich gezeigt: Die Pioniere aus Bogen sind auf ihre zukünftigen Aufgaben bestens vorbereitet.

von Axel Mandok

Mehr zum Thema