Eisige Herausforderung – Gewässerüberquerung bei EFP

Eisige Herausforderung – Gewässerüberquerung bei EFP

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  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
4 MIN

Es hätte die deutschen Soldatinnen und Soldaten schlimmer erwischen können: Die Außentemperatur beträgt gemäßigte drei Grad Celsius, dabei hatte es zwei Tage zuvor bei Minusgraden frisch geschneit. Der baltische Wald auf dem Truppenübungsplatz ist in sachtes Weiß gehüllt – rechtzeitig zum Beginn der Kaltwetterübung schlägt der nordische Winter zu.

Die feuchte Kälte kriecht in die Knochen

Ein Soldat schwimmt, zwei norwegische Soldatinnen sitzen im Schlauchboot

Sicherheit geht vor: Vom Schlauchboot aus überwachen die Norwegerinnen die Gewässerüberquerung

Bundeswehr/Karsten Dyba

Der See auf dem Truppenübungsplatz trägt eine fingerdicke Eisschicht, die die Norweger an einer Stelle durchschlagen haben, damit man ans andere Ufer schwimmen kann. Wer die letzten zwei Nächte in der Reisighütte und den ganzen Tag draußen verbracht hat, dem kriecht die Kälte regelrecht in die Knochen. Die deutschen Soldatinnen und Soldaten der EFPEnhanced Forward Presence Battlegroup absolvieren ihre Kaltwetterausbildung: Sich richtig anziehen, Feuer machen, ohne von weitem gesehen zu werden, eine Behelfsunterkunft bauen, marschieren und orientieren, Gewässer überqueren – das sind die Ausbildungsabschnitte, die die Norweger vorbereitet haben. „Ihr müsst euch danach sofort abtrocknen und euch bewegen“, erklärt der norwegische „Løytnant“ Thomas K. den Soldaten vom Bad Salzunger Panzergrenadierbataillon 391.

Die Norweger sind Spezialisten bei extremer Kälte

Ein Soldat legt an einem Feuer Holz nach

Ein Feuer machen, Wasser kochen in nur wenigen Minuten – und dann die Spuren verwischen

Bundeswehr/Thomas Schulze

Die Norweger vom „Panserbatalionen“ aus Setermoen – weit im Norden ihres Heimatlandes – sind wahre Spezialisten, wenn es um das Überleben bei extrem kalten Temperaturen geht. Gerne zeigen sie Bilder ihrer Ausbildung mit Schützen- und Kampfpanzern im dichten Schneetreiben in der wildromantischen, unberührten Natur der Fjorde Norwegens.  Wo der deutsche Panzergrenadier sich in der gemäßigten Klimazone aus taktischen Gründen das Feuermachen verkneift, packt der moderne Wikinger eine klassische Jurte und den raucharmen Gasofen aus. „Eine Wärmequelle ist wichtig, wenn man im arktischen Klima überleben will“, betont Løytnant K. Das kann aber auch tückisch sein: Wer falsch heizt und keinen Abzug hat, erleidet in der trügerischen Wärme schnell eine Kohlenmonoxidvergiftung.


Wichtig ist, dass die Waffe trocken bleibt

Ein Soldat schwimmt mit Rucksack und Gewehr

Kalt? So manches verzerrte Gesicht spricht eine klare Sprache

Bundeswehr/Thomas Schulze

Der erste Grenadier setzt am Ufer des kleinen Sees seinen Fuß ins kalte Wasser. Eine Mutprobe? Für manchen schon. Nicht aber für erfahrene Panzergrenadiere, sagt Hauptfeldwebel W. Für seine Soldaten ist das nicht die erste Überquerung im kalten Wasser. Ausziehen, Sachen verpacken, barfuß in Reihe ans Ufer treten. Den Rucksack mit der Ausrüstung übernehmen die beiden Norweger im Schlauchboot. An einem Seil, das sie über den See gespannt haben, ziehen sie sich ans andere Ufer. Oberfeldwebel David S. vom Panzerzug versinkt derweil im kalten Wasser. Seine Waffe legt er auf den prall gefüllten Rucksack, der im Wasser schwimmt. „Wichtig ist, dass die Waffe trocken bleibt“, mahnt Løytnant K., „damit sie nicht einfriert“.

Badetag im litauischen Forst

Ein nackter Soldat wäscht sich die Haare

Badetag im Litauer Forst: Einer der deutschen Soldaten seift sich im eiskalten Wasser ein

Bundeswehr/Thomas Schulze

Der nächste steigt ins Wasser, taucht unter, steht wieder auf. Doch anstatt zügig ans andere Ufer zu schwimmen, überrascht er seine Kameraden mit Duschgel. Badetag im litauischen Forst? Stabsunteroffizier P. grinst, seift sich ein, schwimmt dann gemächlich ans andere Ufer, und seift sich noch einmal ein. Frisch gebadet erscheint er am Ufer. David S. dagegen schlottert. Die ersten Meter sind gar nicht so schwer, doch dann kriecht die Kälte langsam von unten in die Glieder. Wasser schwappt auf das Eis. Zügig schwimmt er hinüber, klettert schnell das Ufer hoch, keucht vor Kälte. „Im ersten Moment ging’s eigentlich“, sagt er, „dann kommt nach einer Weile erst das Kribbeln“. Schnell trocknet der Panzerkommandant die krebsrote Haut seiner Beine ab. Besonders unangenehm sind die eiskalten Füße. „Da muss man eben gleich die Wollsocken anziehen, sobald man aus dem Wasser raus ist.“ Gerade jetzt wissen es die Soldatinnen und Soldaten zu schätzen, dass sie besonders warme Wollstrümpfe haben.

Die Panzergrenadiere haben es drauf

Soldaten binden ein Gerüst zusammen

Mit Baumstämmen bauen sich die Grenadiere ein Gerüst für ihre Behelfsunterkunft

Bundeswehr/Thomas Schulze

 

Løytnant K., der norwegische Ausbilder, beobachtet die Szene und nickt. Mit den deutschen Panzergrenadieren ist er sehr zufrieden. „Ihr seid heute am schnellsten von allen durchs Wasser“, lobt er den Charly-Zug. Dass die Panzergrenadiere etwas draufhaben, hat er schon am Vortag bemerkt. Sie seien hochprofessionell, die Offiziere und Feldwebel klar beim Führen, die Soldaten sehr kreativ. Ihre Ausrüstung sei für extreme Temperaturen eher weniger geeignet, doch seien sie sehr flexibel und kameradschaftlich, wenn es darum geht, sich gegenseitig zu helfen. Und beim Feuermachen seien sie die beste Ausbildungsgruppe gewesen. Dabei machen es ihnen die Norweger nicht gerade leicht, denn Taktisches Feuermachen geschieht unter hohem Zeitdruck: Fünf Minuten haben die Soldaten Zeit, ein Feuer zu entfachen, 15 Minuten, bis das Wasser im Feldgeschirr kochen muss, und noch einmal fünf Minuten, um die Feuerstelle so zu verdecken und zu tarnen, dass man die Feuerstelle im Waldboden nicht auf Anhieb erkennt.


Die Norweger bringen das richtig gut rüber

Ein Soldat bindet Planen zusammen

Ein Shelter bauen mit nur wenigen Hilfsmitteln: Darin verbringen die Grenadiere die Nacht

Bundeswehr/Thomas Schulze

Das Wetter war diese Woche perfekt für die Ausbildung – auch wenn es nicht vergleichbar ist mit dem 2000 Kilometer weiter nördlich gelegenen Örtchen Setermoen. „Es war ja richtig kalt in den ersten Tagen“, sagt Løytnant K. Die feuchte Kälte, die derzeit im Baltikum herrscht, sei für die Soldaten sogar noch viel anstrengender als die trockene Kälte in Nordnorwegen. Auch das Wasser des Sees sei kalt genug. „Es ist unerheblich, wie kalt es wirklich ist. Es fühlt sich immer sehr, sehr kalt an.“ Der Zugführer der Panzergrenadiere, Hauptfeldwebel W., ist mit den norwegischen Ausbildern sehr zufrieden: „Die Norweger sind sehr relaxt, sehr erfahren und bringen das richtig gut rüber.“ 


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Ein Soldat schwimmt mit einem Rucksack

Auch Oberstleutnant Rouven Habel, Kommandeur der eFP Battlegroup in Litauen, wagt den Sprung ins Eiswasser

Bundeswehr/Thomas Schulze
Ein Soldat schwimmt mit Waffe und Rucksack der den See

Gewässerüberquerung bei Eiseskälte: Hauptfeldwebel S. zeigt, wie man es richtig macht

Bundeswehr/Thomas Schulze
Ein Soldat schwimmt mit einem Rucksack

Die Waffe muss trocken bleiben, damit sie nicht einfriert

Bundeswehr/Thomas Schulze
Soldaten ziehen sich warme Kleidung an

Die ersten Grenadiere sind schon durch – und ziehen sich schnell warme Sachen an

Bundeswehr/Thomas Schulze
Eine Gruppe Soldaten steht im Wald und hört einem Norweger zu

Løytnant Thomas K., der Ausbilder, erklärt den deutschen Panzergrenadieren, wie man es richtig macht

Bundeswehr/Thomas Schulze
Soldaten trocknen ihre nassen Strümpfe über einem Feuer

Sind die Strümpfe nass, muss ein Feuer zum Trocknen her

Bundeswehr/Thomas Schulze

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von Karsten Dyba

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