Wechsel der Leitdivision bei EFPEnhanced Forward Presence

Wechsel der Leitdivision bei EFPEnhanced Forward Presence

  • Einsatz
  • EFP
Datum:
Ort:
Rukla
Lesedauer:
3 MIN

Nach dreiwöchiger Übergabe übernahm mit der 1. Panzerdivision aus Oldenburg der nächste Großverband des Heeres die Verantwortung für die personelle und materielle Sicherstellung der NATO-Mission Enhanced Forward Presence in Litauen. Sie ist ab sofort der neue Leitverband für den deutschen Anteil der Battlegroup.

Bundeswehr leistet Beitrag zur Bündnisverteidigung

Mehrere Soldaten marschieren in Formation mit Flaggen der Partnernationen auf den Paradeplatz

An der multinationalen Battlegroup in Litauen beteiligen sich insgesamt bis zu neun NATO-Mitgliedsstaaten

Bundeswehr/PAO EFP

Was 2017 mit den ersten Kräften im Baltikum begann, gehört mittlerweile zum festen Beitrag Deutschlands. Die Soldatinnen und Soldaten sorgen für Sicherheit und Frieden im Baltikum. Neben Deutschland beteiligen sich Belgien, Frankreich, Island, Kroatien, Luxemburg, Niederlande, Norwegen und Tschechien an der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup in Litauen. Als Rahmennation führt Deutschland die multinationalen Streitkräfte der NATO in Litauen an.

Seit Mitte Januar haben rund 580 deutsche Soldatinnen und Soldaten des 9. Kontingents ihren Einsatz in Rukla begonnen. Gemeinsam mit den multinationalen Kräften stellen sie in den kommenden sechs Monaten die aus rund 1.200 Frauen und Männern bestehende Battlegroup. Die Einheit, die einem verstärkten Bataillon entspricht, ist eine von insgesamt vier Gefechtsverbänden an der NATO-Ostflanke. Die anderen befinden sich in Lettland, Estland und Polen – und beweisen gemeinsam den Willen und die Fähigkeit der NATO zur Bündnisverteidigung.

Die 1. Panzerdivision – ein Leitverband mit Erfahrung

Ein Gedenkstein mit der Aufschrift „1. Panzerdivision 1956“ sowie einem steigenden Pferd in Hannoverer

Die 1. Panzerdivision wird durch den Divisionsstab in Oldenburg geführt

Bundeswehr/Arning

Für die 1. Panzerdivision ist die neue Aufgabe als Leitverband für EFPEnhanced Forward Presence keine unbekannte Herausforderung, denn sie nimmt diese Funktion gegenwärtig auch für die Einsätze der deutschen Streitkräfte in Afghanistan und im Irak wahr.
Vor der Formierung der EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup war die 1. Panzerdivision bereits für die Truppenausbildung der Very High Readiness Joint Task Force, einem Verband der NATO im Jahr 2019, verantwortlich. Seit 2018 hat sie mit mehreren Tausend Soldatinnen und Soldaten zusammen mit verbündeten Truppenkontingenten aus bis zu 29 NATO-Staaten sowie Schweden und Finnland an Übungen in Polen teilgenommen.

Kontingentwechsel in Rukla verläuft planmäßig

Drei Soldaten sitzen sich in einer Halle an einem Tisch gegenüber und arbeiten an ihren Laptops

Der Wechsel wird unter anderem durch Oberstabsfeldwebel Jürgen H. und zwei Kameraden aus dem Divisionsstab begleitet

Bundeswehr/PAO EFP

Die Vorbereitungen zur Übernahme des Auftrages begannen vor rund zwei Jahren. Seit 2019 ist Oberstabsfeldwebel Jürgen H. Teil des Teams, das den Wechsel zwischen den Divisionen begleitet. Seit Ende Januar 2021 ist er in Litauen und beobachtet mit zwei Kameraden die Übergabe von Material, Personal und Infrastruktur. „Wir waren die ,Augen und Ohren‘ des Divisionsstabes. Es war spannend zu erleben, wie unsere Planungen der vergangenen Jahre vor Ort umgesetzt wurden.“

Aufgrund von Corona war diesmal alles anders. „In der Vergangenheit konnten die neuen Kräfte vor Übernahme des Auftrages eine Erkundung vor Ort durchführen. Wir hingegen konnten uns erst nach Ankunft mit den hiesigen Verhältnissen vertraut machen“, berichtet Oberstabsfeldwebel Jürgen H. Trotzdem sei der Wechsel reibungslos verlaufen.

Das Panzerlehrbataillon 93 in Litauen

Vier Soldaten stehen in einer Reihe. Zwei von ihnen halten Ortsschilder in der Hand, im Hintergrund steht ein Panzer

Oberstleutnant Sebastian Hebisch übernimmt das 9. Kontingent EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup in Litauen

Bundeswehr/PAO EFP

Der neue Kommandeur der multinationalen Battlegroup ist Oberstleutnant Sebastian Hebisch, in Deutschland Kommandeur des Panzerlehrbataillons 93. Er trägt die Führungsverantwortung für Soldatinnen und Soldaten aus fünf weiteren Nationen. Seine Soldatinnen und Soldaten haben sich mit den Kameradinnen und Kameraden aus Deutschland, den Niederlanden sowie Belgien gemeinsam bei Übungen im Schieß- und Gefechtsübungszentrum intensiv auf den Auftrag in Litauen vorbereitet. „Der Übergang vom NATO Task Force-Auftrag zum EFPEnhanced Forward Presence-Auftrag funktionierte sehr gut“, urteilt der S3 Abteilungsfeldwebel im Bataillonsstab.

Anders als die bisher für die Mission verantwortliche 10. Panzerdivision, die in Süddeutschland beheimatet ist, stammen die Angehörigen des neuen Kontingents vorwiegend aus Norddeutschland, wodurch sich mit dem Wechsel des Leitverbandes auch die regionale Zugehörigkeit des deutschen Kontingents verändert. Rund 260 Fahrzeuge des Leitverbandes, darunter Kampfpanzer Leopard 2A6, Schützenpanzer Marder 1A5 sowie GTKGepanzertes Transport-Kraftfahrzeug (Gepanzerte Transport-Kraftfahrzeug) Boxer wurden von Munster nach Litauen transportiert.

Zahlreiche Übungsvorhaben geplant

Zwei gepanzerte Fahrzeuge auf der Straße

Die Marder 1A5 haben bei der Bahnentladung noch ihren alten Anstrich. Für die Übung erhalten sie einen neuen Tarnanstrich

Bundeswehr/PAO EFP

Die EFPEnhanced Forward Presence-Battlegroup bereitet sich aktuell auf kommende Trainings- und Übungsvorhaben vor. Ihre erste Feuertaufe absolvierte sie bereits Mitte Februar 2021: Bei der Übung Furious Wolf wurde das Zusammenspiel von Land- und Luftstreitkräften beim Bekämpfen von Bodenzielen geübt. Zwischenzeitlich üben die einzelnen Gefechtskompanien des Verbandes auf den Truppenübungsplätzen Pabrade und Gaižiūnai. Dabei steht das Training an Handwaffen und Gefechtsfahrzeugen auf dem Programm.

Der nächste Schritt folgt im April, wenn bei der Übung Eager Leopard das Zusammenspiel der Kräfte auf Kompanieebene geübt wird. Eine besondere Herausforderung für die Kampf- und Schützenpanzerbesatzungen werden zudem die großen Schießübungen Iron Spear und Christal Arrow in Lettland sein. Den Höhepunkt der multinationalen Ausbildung auf dem Weg zum Status Combat Ready bildet schließlich die große Zertifizierungsübung Iron Wolf. Vor den Soldatinnen und Soldaten liegt eine ebenso spannende wie herausfordernde Zeit im Baltikum.

von Stefan Gierke

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