Unersetzbar

Das Radar vom Flugabwehrraketensystem PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target

Das Radar vom Flugabwehrraketensystem PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target

  • Anerkannte Missionen
  • eVA
Datum:
Ort:
Siliac
Lesedauer:
3 MIN

Die Engagement Control Station ist wie das Gehirn einer PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target-Staffel. Die Startgeräte sind vergleichbar mit den Händen und das Stromerzeugungsaggregat mit dem Herz. Doch nur das Radar als Art Auge kann sehen und erkennen. Doch wie funktioniert ein Radar?

Zwei Bundeswehr-Lkw sind durch Schläuche miteinander verbunden

Das Radar wird vom Stromerzeugungsaggregat mit Strom versorgt

Bundeswehr/Christian Schneider

Ähnlich wie Lichtquellen oder Infrarot erzeugt das Radar beim PatriotPhased Array Tracking Radar to Intercept on Target elektromagnetische Wellen. Diese werden moduliert und in Form eines Signals an einen Sender weitergegeben. Dieser strahlt das Signal aus, ähnlich wie bei einer Fledermaus, die per Echolot Entfernung, Richtung, Größe und Geschwindigkeit potenzieller Beutetiere ausmachen kann, obwohl sich die Ausbreitungsgeschwindigkeit beider Wellenarten stark unterscheidet. In der Flugabwehrraketentruppe erhält das Radar mit Hilfe seiner verbauten Antennen ebenfalls ein Echo des ausgestrahlten Signals. Die aufgenommenen Informationen werden ausgewertet und stehen innerhalb von Sekundenbruchteilen der Führung zur Verfügung.

In der Engagement Control Station (ECS) laufen alle Informationen zusammen. Insofern kann sie als Schaltstelle oder auch als das Gehirn einer Staffel bezeichnet werden. Diese gibt die Befehle an die ausführenden Organe weiter. Dabei handelt es sich um die Startgeräte, von denen bis zu acht gleichzeitig betrieben und geführt werden können. Die Pumpe dieses Kreislaufes ist die Electronic Power Plant (EPP), ein kleines Kraftwerk in Form zweier Stromerzeugungsaggregate, die auf einem LkwLastkraftwagen verbaut sind.

Ein Auge mit drei Linsen

Ein verbautes Radar auf einem Bundeswehr-Lkw

Das Radar ist ausgerichtet, um einen Sektor von 120 Grad in 68 Kilometer Tiefe abzudecken

Bundeswehr/Christian Schneider

Das Radar ist das Auge, dessen Blick so gut wie nichts entgeht. Dafür ist es mit vielen Extras ausgestattet, denn es ist ein Verbund verschiedener Antennensysteme in einem. Es verfügt zum einen über die gleiche Fähigkeit wie die Fledermaus, mit dem Unterschied, dass es nicht um Beutetiere geht, sondern um mögliche gegnerische Flugobjekte. Die Berechnung der Flugbahnen geschieht mit Hilfe der Triangulation, was nichts anderes ist, als die Radarortung mit schnellen Impulsen hintereinander. Die erste Position im Vergleich zur zweiten Position in einer bestimmten Zeitspanne ergibt Kurs und Geschwindigkeit.
Eine weitere Antenne ist für die „Freund-Feind-Kennung“, kurz IFFidentification friend or foe, was für Identification of Friend or Foe steht, zuständig. Das funktioniert nach dem einfachen Frage-Antwort-Prinzip. Der Sender stellt die Frage und der Empfänger gibt die Antwort. Um zu vermeiden, dass der in diesem Fall feindliche Empfänger sich verstellt und die vermeintlich erwartete Antwort gibt und sich somit als Freund ausgibt, werden kryptierte Daten genutzt. Das ist, vereinfacht gesagt, die selbstbestimmte Antwort auf eine Sicherheitsfrage, wie sie auch im Internet verwendet wird, um die Identität von Nutzern zu schützen und andere am Zugriff zu hindern.
Die nach außen auffälligste Antenne des Radars ist das Main Array, das Hauptantennenfeld. Es sorgt dafür, dass die Signale, die durch das Senden und Empfangen von Wellen in nahezu Lichtgeschwindigkeit entstehen, in Form von Informationen auf Bildschirmen angezeigt werden. Hierbei deckt das Radar einen Sektor von 120 Grad ab und kann durch seine schräge Ausrichtung sowohl Objekte mit hoher Flugkurve, wie ballistische Raketen, als auch flach anfliegende Marschflugkörper in einer Entfernung von bis zu 68 Kilometern erkennen und verfolgen.

Ausbildung ist Wichtig

Obwohl viele Funktionen und Fähigkeiten auf Prinzipien beruhen, die ein CB-Funker oder auch eine Radiostation vergleichbar nutzen, ist das System komplex. Deshalb investiert die Flugabwehrraketentruppe der Bundeswehr auch viel in die Ausbildung ihres taktischen Kontrollpersonals. Sowohl die Offiziere, als auch die Feldwebeldienstgrade absolvieren über einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten waffenspezifische Lehrgänge in den Vereinigten Staaten und in Deutschland. Diese Kurse sind zusätzlich zu den ohnehin obligatorischen Laufbahnlehrgängen zu belegen 
Darüber hinaus muss das ausgebildete und eingesetzte Personal in Übung gehalten und zertifiziert werden, was unter anderem beim jährlichen taktischen Schießen auf Kreta erfolgt. Dies beinhaltet auch Kenntnisse und Fähigkeiten über die NATO und deren Strukturen. Das wird im Unterstellungsverhältnis der Soldatinnen und Soldaten am Radar deutlich: Ist ihr System eingeloggt und der NATO gegenüber als aktiv angezeigt, untersteht das Personal taktisch und fachlich dem Information Coordination Center (ICC) also direkt der Operationsführung der NATO.

von Christian Schneider

Mehr zum Thema