Mit der P-3C in das Einsatzgebiet

Mit der P-3C in das Einsatzgebiet

  • Einsatz
  • Atalanta
Datum:
Ort:
Dschibuti
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Damit der Einsatzflug des deutschen Seefernaufklärers reibungslos verläuft, müssen viele Vorbereitungen getroffen werden. Die P-3C Orion mit dem Rufzeichen „Jester“ startet im ostafrikanischen Dschibuti und muss mehrere Tausend Kilometer zurücklegen, bevor sie ihr Einsatzgebiet vor der somalischen Küste im Indischen Ozean erreicht. Sie überfliegt ein Gebiet, das durch Clan- und Stammeskriege sowie fehlende Infrastruktur gekennzeichnet ist. Boden- und Flightcrew müssen Hand in Hand arbeiten, damit die Mission erfolgreich verläuft.


von PAO Atalanta
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  • Zwei Menschen stehen vor dem Seefernaufklärer
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    Übergabe Luftfahrzeug an den taktischen Führer

    Vor Ankunft der Flightcrew wurde „Jester“ aus technischer Sicht geprüft und für den Flug freigegeben. Die Piloten informieren sich über den Missionsablauf, das bevorstehende Wetter, die Flugrouten sowie mögliche Einschränkungen, beispielsweise durch gesperrte Lufträume. Währenddessen übernimmt der taktische Führer der Mission das Flugzeug vom Technischen Offizier. Ab jetzt ist die Maschine in der Verantwortung der Flightcrew. Der taktische Führer, der Mission Commander, verantwortet die sichere Flugdurchführung. Seine Aufgabe ist erst erfüllt, wenn die Crew und die Maschine sicher am Zielflughafen angekommen sind. Ohne professionelle Crew und enge Zusammenarbeit ist dieses Ziel unmöglich zu erreichen. Dabei ist es unter anderem wichtig, dass der Bordmechaniker die Performance für den Flug korrekt berechnet. Hierzu gehört unter anderem, die für die Mission benötigte Kraftstoffmenge richtig in den Tanks zu verteilen, damit „Jester“ bestens ausbalanciert ist.

  • Pilot sitzt im Cockpit des Seefernaufklärers.
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    Vorbereitung im Cockpit

    Während der Mission Commander die Maschine sowohl außen als auch innen der Vorflugkontrolle unterzieht, ist der Co-Pilot damit beschäftigt, das Cockpit auf Funktionsfähigkeit zu prüfen. Anschließend gibt er alle für den Einsatz relevanten Missionsdaten ein. Nur wenn die eingegebenen Navigationsdaten und Frequenzen exakt sind, sind eine zeitgerechte Ankunft im Operationsgebiet sowie die erforderliche Funkverbindung zu verbündeten Flugzeugen und Schiffen der EUNAVFOREuropean Union Naval Forces Somalia Operation Atalanta sichergestellt. Aber nicht nur mit diesen wird man später in Kontakt treten, sondern auch mit anderen Kriegsschiffen, die im Gebiet unterwegs sind. Gegebenenfalls müssen für die Auftragserfüllung auch verdächtige Fahrzeuge abgefragt werden.

  • Vier Männer im inneren des Flugzeugs beladen eine Kiste mit Waffen und Munition
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    Für den Fall der Fälle

    Auch wenn grundsätzlich keine Feindeinwirkung in diesem Einsatz zu erwarten ist, kann die Crew durch unvorhergesehene Umstände gezwungen sein, eine Außenlandung durchzuführen. Denkbar wäre das beispielsweise bei einem technischen Defekt oder einem Vogelschlag. Selbstverständlich wurden vor dem Start Ausweichpisten entlang der Flugroute ausgewählt. Das Problem bei solch einer Außenlandung am Horn von Afrika ist jedoch, dass im Vorhinein niemand weiß, was einen am Boden erwartet. Zustand der Piste und Sicherheitslage vor Ort sind meist unklar. Um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, belädt die Crew das Flugzeug deshalb mit Sturmgewehren G36 und Pistolen P8 sowie der zugehörigen Munition. Die Besatzung schützt sich damit im Falle eines Falles so lange, bis Hilfe eintrifft.

  • Acht Männer stehen und sitzen im Flugzeug um eine Karte zur Lagebesprechung
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    Besprechung vor dem Start

    Kurz vor dem Flug bespricht der Mission Commander mit seinem taktischen Koordinator und dem Navigator das Missionsprofil. Diese beiden sind verantwortlich für die taktische Missionsdurchführung, sprich: die taktische Navigation und die Funkkommunikation während des bevorstehenden Fluges. Nachdem die Crew vor Antritt des Vorfluges durch die Bodencrew im Mission Support Center für den Einsatzflug gebrieft wurde, erfolgt nach Beendigung der Vorflugkontrollen das Planesidebriefing. In diesem werden alle taktischen und flugrelevanten Punkte sowie der Plan zur Durchführung der Mission angesprochen. Letzte Fragen werden geklärt, Aufgaben für den Notfall und für normale Verfahren verteilt und jeder über die elementaren Missionsinhalte unterrichtet.

  • Zwei Männer sitzen angeschnallt im Cockpit und schauen auf die Instrumente
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    Die Triebwerke werden gestartet

    Es geht los, der Antrieb wird gestartet. Nacheinander werden die vier Rolls-Royce-Turboprop-Triebwerke gestartet und auf Drehzahl gebracht. Zusammen erbringen sie eine Gesamtleistung von 19.800 PS. Sie sind in der Lage, den Seefernaufklärer auf 750 Kilometer pro Stunde zu beschleunigen und ihn auf eine Höhe von über acht Kilometer zu bringen. Die gewaltige Leistung wird auch benötigt, denn „Jester“ kann bei voller Beladung ein maximales Startgewicht von fast 64 Tonnen aufweisen. Alle Triebwerke laufen normal, der Pilot löst die Bremsen und die P-3C Orion verlässt ihre Parkposition. Vorbei an französischen und spanischen Flugzeugen, rollt „Jester“ auf die Startbahn, beschleunigt und hebt zum Einsatzflug in Richtung Indischer Ozean ab.

  • Blick aus dem Cockpit auf dem Weg ins Einsatzgebiet
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    Flug in das Einsatzgebiet

    Wie bei den Einsätzen in Dschibuti üblich, erfolgte der Start gegen 9 Uhr. Zwischen 16 und 18 Uhr wird die Crew wieder zurück sein. Auf ihrem Weg bis vor die Hafeneinfahrt der somalischen Hauptstadt Mogadischu legt sie circa 1.800 Kilometer zurück. Insgesamt wird die Mission mit „Jester“ heute etwa acht bis neun Stunden andauern, hinterher werden circa 4.200 Kilometer zurückgelegt sein, wobei das stets abhängig vom Einsatzbefehl aus dem Hauptquartier der Europäischen Union ist. Führt die Aufklärung entlang des international festgelegten Transitkorridors durch den Golf von Aden, kann der Einsatzflug auch kürzer ausfallen. In besonderen Fällen kann die Crew die Einsatzdauer durch das Abstellen eines Triebwerks um eine Stunde erhöhen. In Ausnahmefällen, zum Beispiel im Falle einer Seenotrettungsmission oder zur Unterstützung bei der Abwehr eines Piratenangriffs, kann sogar ein weiteres Triebwerk abgestellt werden. Damit kommt „Jester“ insgesamt auf eine Ausdauer von rund 13 Stunden.



  • P-3C im Tiefflug über dem Wasser und nähert sich einem Schiff
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    Auf Station

    Eingetroffen im Einsatzgebiet, das annähernd die Fläche Europas umfasst, meldet sich die Crew „on station“ und beginnt mit ihrer Patrouille und der Aufklärung im zugeteilten Seegebiet. Das Ziel ist es, durch regelmäßiges Prüfen verdächtiger Schiffe im Seegebiet und durch stetige Anwesenheit Raubüberfälle und Piraterie zu verhindern. Somit werden Seeleute geschützt und dem Schiffsverkehr eine sichere Passage auf den Haupthandelsrouten ermöglicht. Zu diesen Schiffen zählen insbesondere die des Welternährungsprogramms nach Somalia und die Transporte für die Mission der Afrikanischen Union in Somalia. Eine Methode ist die Aufklärung aller Schiffe im Seegebiet mittels Fotoaufnahmen, eine weitere das Abfragen eines Schiffes per Sprechfunk. Hierbei werden Daten zu einem Handelsschiff erhoben, beispielsweise allgemeine und technische Daten, Besatzung, Fracht und Reiseverlauf. Die gewonnenen Erkenntnisse werden an die Verbandsführung übermittelt, die sie bewertet und weitere Maßnahmen anordnet.

  • Blick aus dem Cockpit auf eine vorrausfliegende P-3C und Kriegsschiffe
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    Gruppenfoto im Golf von Aden

    Bei diesem Einsatzflug kam es kurz vor der Rückkehr im Golf von Aden noch zu einem besonderen Ereignis. Die Schiffe des EU-Marineverbandes Atalanta trafen einen vor Ort befindlichen japanischen Zerstörer, der in einer eigenen Mission an der Bekämpfung der Piraterie im Seegebiet um das Horn von Afrika teilnimmt. Zusätzlich zu den Kriegsschiffen konnte neben „Jester“ außerdem ein spanischer Seefernaufklärer vom Typ P-3C Orion, ebenfalls Teil der Operation Atalanta, an den Verband herangeführt werden und in Formation den seegehenden Verband überfliegen – ein Erlebnis, das die sonst eher einzeln fliegenden Aufklärer nicht so häufig haben.

  • P-3C Orion rollt über einen Verbindungsweg in Richtung Parkposition
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    Zurück in Dschibuti

    Nach einem langen Tag in der Luft und der Umrundung des Horns von Afrika ist „Jester“ „back on deck“ und rollt langsam in Richtung Parkposition vor den deutschen Hangar. Die Bodencrew wartet schon gespannt auf die Entgegennahme des Flugzeugs und hofft auf wenige Eintragungen im Bordbuch, dem technischen Tagebuch des Einsatzfluges. Auch für die fliegende Besatzung ist noch lange kein Dienstschluss in Sicht. Die Maschine muss zurückgerüstet werden, Waffen und Munition müssen zurück in die Waffenkammer, die Aufklärungsergebnisse an das Mission Support Center zur Auswertung übergeben werden und letztlich erfolgt noch ein Debriefing der Crew über alle Vorkommnisse, die während des Fluges aufgetreten sind. Erst wenn alle Punkte sorgfältig abgearbeitet und nachbereitet sind, ist „Jester“ bereit für neue Aufgaben – und das Einsatzkontingent kann für einen kurzen Moment durchatmen.

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