UNMHA: Ein Marineoffizier im Jemen

UNMHA: Ein Marineoffizier im Jemen

  • Einsatz
  • UNMHA
Datum:
Ort:
Hudayda
Lesedauer:
2 MIN

Seit mehr als vier Jahren herrscht in Jemen Bürgerkrieg. Die Rebellengruppe der Huthi hat die Regierung des Landes aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben. 2018 haben Truppen der Regierung und der sie unterstützenden saudi-arabisch geführten Militärkoalition begonnen, die von den Huthi beherrschte Hafenstadt Hudayda anzugreifen. Die Stadt wurde dabei fast vollständig eingeschlossen.


Ein Soldat steht in ziviler Kleidung im Jemen in der Stadt Hudayda

Während einer Patrouille überprüft der Marineoffizier Sebastian H. die Lage in Hudayda

Bundeswehr/Sebastian H.

In Stockholm kam es Ende 2018 zu einer Wiederaufnahme von Gesprächen zwischen den jemenitischen Konfliktparteien. Nach schwierigen Verhandlungen konnte eine Vereinbarung erzielt und ein Waffenstillstand für die Stadt Hudayda und das gleichnamige Gouvernement beschlossen werden.


Über den Hafen von Hudayda wird der Großteil der Nahrungsmittelimporte und Hilfslieferungen in das Land abgewickelt. Eine Unterbrechung dieser Versorgungsroute würde die Hungersnot für die gesamte Region verschärfen.

Um die Einhaltung der Waffenruhe zu überwachen, wurde die UNUnited Nations-Mission „United Nations Mission to Support the Hudayda agreement” in das Land entsandt.

Ein Marineoffizier zur Überwachung der Waffenruhe

Ein Soldat in ziviler Kleidung bespricht sich mit anderen VN Beobachtern. Mit einem Stift deutet er auf eine Karte.

Als Leiter für den regelmäßigen Informationsaustausch, steht der Marineoffizier Sebastian H. allen VNVereinte Nationen-Beobachtern beratend zur Seite

Bundeswehr/Sebastian H.

Der deutsche Marineoffizier, Fregattenkapitän Sebastian H. wertet die verschiedenen, in das Hauptquartier eingehenden Informationen aus. Das können Presseberichte, Berichte der Vereinten Nationen oder von Hilfsorganisationen sein. Regelmäßig begleitet er auch Patrouillen der internationalen Militärbeobachter bei ihrem Einsatz. Dabei überprüfen sie die Einhaltung des Waffenstillstands in Hudayda. Zudem steht Sebastian H. in ständigem Kontakt mit den VNVereinte Nationen-Büros in Sanaa, der Hauptstadt Jemens und in Amman, der Hauptstadt Jordaniens. Auch hier tauscht er sich mit den dort ansässigen Kollegen über das derzeitige Lagebild aus.

Eine Mission ohne Camp

Zwei VN-Beobachter stehen vor einem UN Schiff im Hafen von Hudayda

Die "Antarctic Dream" ist die Unterkunft der VNVereinte Nationen-Beobachter. Sie liegt im Hafen von Hudayda

Bundeswehr/Sebastian H.

Wegen den schlechten Rahmenbedingungen an Land sind die VNVereinte Nationen-Beobachter während ihres Einsatzes auf einem Schiff im Hafen Hudayda untergebracht. Die Antarctic Dream wurde 1953 in den Niederlanden für den Dienst in der Antarktis für die chilenische Marine gebaut. Ab Mitte der 1990er Jahre war das Schiff dann ein Kreuzfahrtschiff, nun steht es im Dienst der VNVereinte Nationen.

„Die Unterbringung ist gut und die Nutzung eines Schiffes ist in einem Land mit schlechter Infrastruktur eine gute Lösung“, so der Fregattenkapitän Sebastian H. Die Lebensumstände auf unserem Schiff stehen allerdings in starkem Widerspruch zur Situation im Land. An Bord ist es sauber, dass Essen ist gut, Holzböden und -wände schaffen eine angenehme Atmosphäre. An Land hingegen herrschen Krieg und Armut. Das Klima ist sehr belastend und die Infrastruktur weitgehend zerstört. „Wir leben gewissermaßen in zwei Welten“, erklärt Sebastian H. „An diesen Umstand werden wir jeden Abend erinnert, wenn es östlich der Stadt zu Kampfhandlungen kommt. Dann ist das Feuer der Artillerie deutlich zu hören. Es erinnert an den ernsten Hintergrund unseres Berufes, der kein Job wie jeder andere ist.“

von Sebastian  H.

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