UNIFIL: Das Bordgeschütz im scharfen Schuss

UNIFIL: Das Bordgeschütz im scharfen Schuss

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in See
Lesedauer:
3 MIN

Das Hauptgeschütz der Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ hat ein Kaliber von 76 Millimetern und eine Reichweite von mehreren Kilometern. Der Umgang mit der Waffe wird regelmäßig geübt, damit ein sicherer Einsatz gewährleistet ist. Denn für einen erfolgreichen Schuss müssen viele verschiedene Personen und Systeme an Bord eng miteinander zusammenarbeiten.

Für den Fall der Fälle

Ein Soldat trägt ein 76 Millimeter-Geschoss in einer Munitionskammer, im Hintergrund die dazugehörige Lagermöglichkeit

Vor dem scharfen Schuss muss die Bordkanone mit der zwölf Kilogramm schweren Munition beladen werden

Bundeswehr/PAO UNIFIL

Der Hauptauftrag der Korvette „Ludwigshafen am Rhein“ bei UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon ist das Unterbinden von illegalen Waffenlieferungen über den Seeweg in den Libanon. Im äußersten Fall muss die Kommandantin beziehungsweise der Kommandant eines Kriegsschiffes auch über den Waffeneinsatz entscheiden. Die Handhabung der Waffen der Korvette muss deshalb regelmäßig geübt werden. Dabei muss nicht nur die Technik zeigen, dass sie im Fall der Fälle funktioniert. Auch die Besatzung muss regelmäßig den Umgang mit Waffen und Munition sowie die dazugehörigen Verfahren trainieren. Für einen erfolgreichen Schuss müssen viele verschiedene Bereiche perfekt aufeinander abgestimmt arbeiten.

Die Munition muss stimmen

Ein Soldat stellt eine Patrone in den Beladering einer Bordkanone

Im unteren Bereich des Turms befindet sich die gesamte Mechanik und Beladeeinrichtung

Bundeswehr/PAO UNIFIL

Während der Patrouille in der Area of Maritime Operation (AMO), dem Einsatzgebiet der Korvette, muss die Besatzung die 76 Millimeter-Bordkanone grundsätzlich mit der vorgeschriebenen Menge an Munition beladen. Für das geplante Trainingsschießen ist jedoch vorgesehen, das Ziel nur mit Übungsmunition zu bekämpfen. Diese Munition hat zwar die gleichen ballistischen Eigenschaften wie die Gefechtsmunition. Anstelle des Gefechts- hat sie jedoch lediglich einen Betonkopf. Damit beim Übungsschießen nicht versehentlich doch eine Granate mit Gefechtskopf verschossen wird, ist diese Munition vollständig aus der Bordkanone zu entfernen und durch Übungsmunition zu ersetzen. Dafür sind der Artilleriewaffenmeister Oberbootsmann Christopher L. und Obermaat Tobias K. zuständig.

Das Übungsziel wird zu Wasser gelassen

Soldaten auf dem Flugdeck einer Korvette lassen einen großen roten Luftsack als Übungsziel zu Wasser

Das Übungsziel ist ein großer roter aufblasbarer Würfel, von den Soldatinnen und Soldaten auch als „Killertomate“ bezeichnet

Bundeswehr/PAO UNIFIL

Offiziell wird das Übungsziel zwar als Seezieldarstellungsmittel bezeichnet, in der Soldatensprache heißt es aber einfach nur die „Killertomate“. Ein bisschen erinnert der große aufblasbare Würfel in leuchtend roter Farbe tatsächlich an eine Tomate. Der Würfel wird vom Flugdeck der Korvette ins Wasser geworfen. Um für die Radargeräte der Korvette ähnlich gut sichtbar zu sein wie ein mögliches Seeziel, sind kleine Bereiche der Oberfläche mit Metall unterlegt. Diese sind in etwa so groß wie ein Handteller und können von den empfindlichen Sensoren der Korvette geortet werden.

Verschiedene Sensoren erfassen das Ziel

Die Kanone hat gerade geschossen, an der Mündung des Geschützrohres hat sich viel Rauch entwickelt

Auch beim Übungsschießen deutlich sicht- und hörbar: Die Übungsmunition hat die gleichen ballistischen Eigenschaften wie die Gefechtsmunition

Bundeswehr/PAO UNIFIL

Nachdem die „Killertomate“ zu Wasser gelassen wurde, entfernt sich die Korvette auf die für die Übung vorgesehene Distanz. Heute werden zwei verschiedene Übungen geschossen, bei der zwei Sensoren der Korvette das Ziel erfassen sollen. Neben dem großen drehenden Radargerät, das sich ganz oben auf dem Mast der Korvette befindet, muss auch die MIRADOR beweisen, dass sie das Ziel genau lokalisieren kann. Die MIRADOR ist ein elektrooptisches Beobachtungs- und Zielverfolgungssystem mit einer Video- und einer Infrarotkamera. Dieses System zeigt selbst dann noch ein scharfes und deutliches Bild der „Killertomate“ an, wenn das menschliche Auge nur noch den Horizont erkennt. Der Name für diesen Sensor stammt aus dem Französischen beziehungsweise Spanischen und bedeutet Wachturm oder Ausguck.

Harmonisches Zusammenspiel von Mensch und Technik

Neben dem Übungsziel in See spritzt Wasser auf

Übung erfolgreich absolviert: Das Übungsgeschoss schlägt unmittelbar neben dem Ziel ein

Bundeswehr/PAO UNIFIL

Die Vorbereitungen für den scharfen Schuss sind abgeschlossen und die Sensoren haben das Ziel erfasst. Auf Befehl des Kommandanten bricht der Schuss und einige Sekunden später kann die Besatzung sehen, wie die Übungsgranate unmittelbar neben der „Killertomate“ einschlägt. Bei dem heutigen Übungsschießen hat sich die gesamte Besatzung als gut eingespieltes Team präsentiert und so dicht an das Ziel geschossen, dass die Einsatzmunition dort einen großen Schaden angerichtet hätte.

Nach dem Schießen wird die „Killertomate“ mit einem Multifunktionsrettungsboot, dem Fast Rescue Boat der Korvette, geborgen. Zudem muss die Waffenanlage nachbereitet werden. Korrosionsprävention und Konservierung sind insbesondere bei einem hohen Salzgehalt wichtig, damit die Waffe im Fall der Fälle einwandfrei funktioniert. Währenddessen setzt die „Ludwigshafen am Rhein“ ihren Transit in die AMO fort, um illegale Waffenlieferungen in den Libanon über den Seeweg zu unterbinden.

von PAO UNIFIL

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