Sicherheit für den Südsudan

Sicherheit für den Südsudan

  • Einsatz
  • UNMISS
Datum:
Ort:
Südsudan
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Der Nil, der den Südsudan von Süden nach Norden wie ein blaues Band durchzieht, ist die wichtigste Lebensader des vom Bürgerkrieg zerrütteten Südsudan. An seinen Ufern siedeln die Menschen, um zu fischen und ihr Vieh zu weiden. Im Norden des Landes werden kleine Orte am Westufer immer wieder Schauplatz bewaffneter Gefechte zwischen den Regierungstruppen der Sudanesische Volksbefreiungsarmee, kurz SPLASudan People's Liberation Army, und den Angehörigen des Oppositionsführers Riek Machar. Wenn der Krieg aber aus einem der Orte weicht, kehren auch langsam die Menschen wieder zurück.

Eine Landkarte des Südsudan

Das kleinen Flussdorf Wau Shilluk liegt etwa 20 Kilometer nördlich des regionalen VNVereinte Nationen-Hauptquartiers in Malakal.

Bundeswehr

Die Bevölkerung nicht allein lassen

Die etwa 190 Militärbeobachter und Verbindungsoffiziere der Vereinten Nationen (VNVereinte Nationen) im Südsudan versuchen derzeit, im nordöstlichsten Bundesstaat „Upper Nile State“ durch ihre Anwesenheit, Beobachtungen und Vermittlung, unter anderem mit örtlichen Bewaffneten, die Sicherheitslage nach und nach positiv zu verändern. Dazu gehören regelmäßige Patrouillen in den Einsatzraum, die im Nordosten auch mit Booten auf dem Nil gefahren werden. Dörfer werden besucht und den Menschen damit das Gefühl gegeben, dass die VNVereinte Nationen sie auch im aktuellen Bürgerkrieg nicht alleine lässt und sich um ihre Sicherheit bemüht.

Das Fischerdorf Wau Shilluk zwischen Krieg und Sicherheit

Ein Fischerdorf von einem Boot aus gesehen

Wau Shilluk voraus.

Bundeswehr/Rayk H.

Im März begleitete Major Rayk H. als deutscher Militärbeobachter im Nordosten des Südsudan VNVereinte Nationen-Kameraden aus Bangladesch auf Schnellbooten auf dem Nil, um sich ein Bild vom kleinen Flussdorf Wau Shilluk zu machen, das etwa 20 Kilometer nördlich des regionalen VNVereinte Nationen-Hauptquartiers in Malakal, der Hauptstadt des Bundeslandes, liegt. „Damals wurde die Patrouille nur unter großem Vorbehalt empfangen“, erinnert er sich. Zahlreiche bewaffnete und zum Zerreißen angespannte Soldaten der SPLASudan People's Liberation Army hätten zunächst den Zugang zum Strand verweigert. „Mit viel Verhandlungsgeschick gelang es unserem kleinen Team, kurz an Land zu gehen und mit dem örtlichen Kommandeur zu sprechen, der einen Angriff der Oppositionellen befürchtete.“ Bis auf die Soldaten sei das Dorf nahezu menschenleer gewesen.

Drei Monate können viel zum Besseren wenden

Der erwartete Angriff blieb aus. Seit drei Monaten herrscht eine – wenn auch fragile –spürbare Sicherheit in der Flusssiedlung. Die unsichtbare, aber gefühlte Front hier auf der Westbank hat sich ein Stück von Wau Shilluk nach Westen verschoben. Unter der kontinuierlichen Beobachtung der VNVereinte Nationen und ihrer Militärbeobachter sind in den vergangenen Monaten innerhalb des Südsudan geflohene Menschen nach Wau Shilluk zurückgekehrt. „Heute sind wieder Frauen und Kinder im Ort zu sehen“, beschreibt H. „Zahlreiche Kühe, Schafe und Ziegen streifen durch den Ort und über saftige Wiesen, Fischer bringen auf den Einbäumen ihre Netze und Ruten aus“. In der Ortschaft seien kaum noch Soldaten zu sehen und wenn, tragen sie wie der Bataillonskommandeur Oberstleutnant Tito D. wie vor drei Monaten keine Waffen. „Die Begrüßungen sind diesmal herzlich, Bürgermeister Gumo M. und der Kommandeur freuen sich über den Besuch und die Unterstützung, die die VNVereinte Nationen diesmal im Gepäck hat.“

Praktische Hilfe zur Selbsthilfe

Ein Veterinär flößt einem Schaf Medizin ein

Indische Militärtierärzte im Einsatz.

Bundeswehr/Rayk H.

Neben dem Update der Lage will UNMISSUnited Nations Mission in South Sudan (United Nations Mission in the Republic of South Sudan) im Ort zweierlei erreichen: Ein indisches Veterinärteam verabreicht dem örtlichen Viehbestand eine Wurmkur und verteilt gleichzeitig Informationsbroschüren über richtige Viehhaltung unter den örtlichen Bedingungen. Immer wieder kommt es zu erheblichen Tierverlusten aufgrund von Krankheiten und Haltungsfehlern. „Wenn die VNVereinte Nationen hier sinnvoll helfen kann, schafft das Vertrauen und hilft den Menschen direkt“, meint Beobachter H. Ein gemischtes zweites Team macht mit mehr als 20 Frauen aus dem Ort einen Workshop zum Wasserfiltern mit einfachen Mitteln. Zwar gebe es zurzeit keine schweren Durchfallerkrankungen, aber wenn das Nilwasser weiter pur getrunken werde, sei das nur eine Frage der Zeit. Dass im VNVereinte Nationen-Team auch Frauen vertreten sind, habe geholfen, Hemmungen abzubauen.

Kriegsmüde und voller Sehnsucht auf Frieden

Mehrere Personen sitzen in einer Gesprächsrunde unter einem Baum

Im Gespräch mit den Dorfbewohnern.

Bundeswehr/Rayk H.

„Wir Beobachter führten währenddessen ein gutes und erstaunlich offenes Gespräch mit den örtlichen Offizieren“, sagt H. „In den Untertönen versuchten wir, Informationen zum Beispiel über mögliche Truppenbewegungen herauszulesen, aber wenn man das Wichtigste in zwei Worten zusammenfassen müsste, dann wären das Kriegsmüdigkeit und Friedenssehnsucht.“ Die drei Gesprächspartner, alles erfahrene Stabsoffiziere, berichteten von ihren Familien und davon, wie sehr der Bürgerkrieg ihrem Land schade. Investitionen würden gestoppt, Menschen grundlos getötet, auch Frauen und Kinder, was sie besonders betrübe, wie sie sagen. Und das alles nur für den Macht- und Besitzwillen einiger weniger. Soviel Offenheit höre man nur selten. Nichts würden sie sich mehr wünschen, so der Kommandeur, als dass endlich ein Friedensvertrag geschlossen und die Menschen über die im Konflikt künstlich geschaffenen Grenzen zwischen den Ethnien hinweg wieder zusammenwachsen würden.

Frieden für das Land

Drei Stunden hatte das VNVereinte Nationen-Team Zeit, bevor die Flussmarinesoldaten aus Bangladesch die Außenborder wieder anwerfen mussten, um pünktlich und sicher den VNVereinte Nationen-Pier zu erreichen. Im VNVereinte Nationen-Quartier werden schließlich die Beobachtungen analysiert, Berichte geschrieben und die Lage ins Hauptquartier nach Juba gemeldet. Major H. geht nachdenklich an Bord des Schlauchbootes: „Es freut mich sehr, was drei Monate ohne Gewalt mit einem Dorf wie Wau Shilluk machen können. Gleichzeitig höre ich noch dem Gespräch mit den Soldaten nach und erinnere mich an eine ähnliche Runde vor einigen Wochen mit Offizieren der Opposition, nur 60 Kilometer westlich von hier: Viele Südsudanesen, egal wo sie politisch und militärisch stehen, wollen den Frieden für dieses Land. Nur wann er endlich kommen wird, bleibt für sie alle offen.“

Aktuelle Lage

Die Konfliktparteien im Südsudan haben Anfang August (6. August 2018) ein Friedensabkommen unterzeichnet, in erster Linie sieht es eine Machtteilung zwischen den Parteien vor. Das Abkommen soll den Bürgerkrieg im Land endgültig beenden. Bereits im Juni hatten sich Präsident Kiir und Rebellenführer Machar auf einen Waffenstillstand geeinigt. Die Unterzeichnung war aber Anfang Juli zunächst wegen inhaltlicher Unstimmigkeiten gescheitert. Das Abkommen sieht vor, dass Kiir die Regierung übergangsweise fortführt und Machar Vizepräsident wird. Eine ähnliche Vereinbarung war bereits 2016 gescheitert. Der Südsudan ist seit 2011 unabhängig, zwei Jahre später brach ein Bürgerkrieg aus, in dem zehntausende Menschen getötet und vier Millionen Menschen in die Flucht getrieben wurden.

von Rayk H.

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