Gemeinsam vorbereiten für das Gefecht

Gemeinsam vorbereiten für das Gefecht

  • Einsatz
  • RSM
Datum:
Ort:
Kundus
Lesedauer:
4 MIN

Das 217. Korps plant eine kurzfristige, schlagkräftige Operation gegen Taliban im Norden der Provinz Kunduz an der Grenze zu Tadschikistan. Für die Adviser heißt es dabei, die Schritte der Afghanen nachzuvollziehen und zu unterstützen. Mit dabei: G3-Advisor Oberstleutnant Alexander S. Er ist verantwortlich für die Beratung im Bereich Operationsplanung und Operationsführung. Er trägt hier einen Großteil der operativen Beratungskomponente.

Ein Leben in der Nachbarschaft

Der Kommandeur des 217. Korps der afghanischen Armee

Der Kommandeur des neuen 217. Korps

Bundeswehr / Rene Seltmann


Morgens nach dem Frühstück im kleinen Speisesaal des „Safe Haven“ im Camp Pamir der Afghanen. Als „Safe Haven“ wird der eigens abgesicherte Bereich bezeichnet, in dem sich die deutschen Berater aufhalten. In Kunduz gibt es keine Truppenküche. Brot, Wurst, Käse. Ein wenig frisches Obst. Müsli in vielerlei Variationen. Kein Rührei, kein Porridge. Für Alexander S. ist das ausreichend. „Wir haben uns daran gewöhnt“. Dann geht es direkt „nach drüben“. Nur einen Steinwurf weit entfernt befindet sich der Stab des 217. Korps. Dazwischen noch ein kurzer „Link-Up“ mit den „Guardian Angels“. Die kommen aus dem Force Protection Bataillon in Masar-i Scharif und stellen unter anderem die Sicherungskräfte in Kunduz. Sie wechseln regelmäßig.

Vertrauensvoller Umgang

Ein deutscher und ein afghanischer Soldat schütteln sich die Hände

Vertrauensvoller Umgang ist unumgänglich und ein wichtiges Element der Beratung

Bundeswehr / Rene' Seltmann

Bei der Ankunft im Stab die Überraschung: „Heute geht es um eine neue Operation mit sehr wenig Vorlaufzeit“, sagt der Oberstleutnant, der seit etwa drei Monaten permanent in Kunduz ist. Es zeigt die Verbundenheit, die mit den Afghanen besteht. Das Verhältnis sei sehr partnerschaftlich. „Es liegt natürlich auch an der Chemie“, stellt er deutlich fest, „von einem Bekannten nimmt man einen Rat ja auch lieber an als von einem Fremden.“ Die G3-Abteilung ist deutlich reduzierter als das, was man sich darunter vorstellt. Drei Offiziere planen die Operation, legen Räume, Zeiten und Kräfte fest. Alles in afghanischer Hand. Der Adviser gibt Hinweise und fragt nach - unaufgeregt, freundlich.

Eine Checkliste zur Unterstützung

Munition, Betriebsstoff oder Luftunterstützung. Räume überwachen, Zufahrtswege sichern. Alle Punkte klopft Alexander S. ab. Es ist wie ein informelles Gespräch, geradezu beiläufig. Nicht wie das gehasste Abfragen eines Gedichtes in der Deutschstunde. „Das wäre auch der falsche Weg“, sagt er. „Die Afghanen sind in ihrem Vorgehen ganz anders als wir Europäer, darauf müssen wir uns schon einlassen.“ Und dann zückt er mit einem Grinsen ein laminiertes Papier aus der Tasche: „Wir haben mit den Afghanen aber auch eine Checkliste entwickelt.“ Nochmal der Abgleich mit dem Leiter G3 an der Karte. Kurz darauf vergraben sich die drei Köpfe hinter dem Schreibtisch in die beiden Bildschirme. Signal zu gehen. „So langsam ist Mittagspause und dann ist Zeit fürs Gebet. An dieser Stelle nehmen wir uns dann meist raus.“

Bei jedem Prozess sind die deutschen Berater dabei

Soldaten sitzen am Tisch und besprechen sich

Stabsbesprechung. Mit dabei ist Oberst Johannes D.

Bundeswehr / Rene' Seltmann


Beim Mittagessen treffen sich die Adviser im Speisesaal. Genauso überraschend wie die Information am Morgen treffen hier die verschiedenen Informationen aus den Bereichen aufeinander. Alle haben ein Thema: Die gerade geplante Operation, die schon zwei Tage später starten soll. Kurzes Lageupdate. Berater für die Bereiche Führung, Sicherheit, Ausbildung, Logistik sowie Operation und Feuerunterstützung sind vertreten. Tauschen ihre Informationen aus. Immer noch keine Hektik. „Das 217. Korps ist inzwischen mit Planungsprozessen vertraut, wir greifen nur beschränkt ein.“ Beim gemeinsamen Update-Briefing werden dann alle vorhandenen Informationen nochmal nebeneinandergelegt. Die Operation scheint auf einem guten Weg.

Rund um die Uhr erreichbar

Deutsche und afghanische Soldaten besprechen sich vor der Übung

Advising direkt auf dem Gelände des 217. Korps

Bundeswehr / Rene' Seltmann

Nachmittag. Noch einmal machen sich die Adviser auf den Weg in den Divisionsstab. Inzwischen ist die Operationsplanung so weit gediehen, dass die Adviser eine erste Einschätzung geben können. „Bis hierher sieht es erfolgsversprechend aus“, so Alexander S. „Wir stehen hier in einem sehr engen Dialog, da läutet auch schon mal spät am Abend das Diensthandy. Dann gehen wir rüber, erläutern Aufklärungsergebnisse, geben Hilfestellung oder einfach mal Daumen hoch.“ Der persönliche Kontakt ist wichtig, da alles über den Sprachmittler laufen muss. „Englisch alleine reicht nicht. Der Sprachmittler braucht zudem ein umfassendes militärisches Vokabular auf Dari.“

Erfolgskontrolle

Drei Tage später. Hier grüßt täglich das Murmeltier. Nirgendwo scheint es so eintönig zu sein wie hier. Aber die Adviser haben durchweg gute Laune. Man merkt, dass sich das Team versteht, man sich mit den Gegebenheiten arrangiert hat. Dann geht es wieder rüber in den Stab der Afghanen. Die erste Frage: „Wie ist die Operation verlaufen?“ Zufriedene Gesichter bei den Afghanen. Aus Planungssicht war diese Operation ein Erfolg. „200 afghanische Sicherheitskräfte (ANDSF) haben sie aufgeboten und keine eigenen Verluste zu beklagen. Das ist schon ein Erfolg.“ Hier werden immer nur „Köpfe“ beziffert, es erfolgt zunächst keine klare Einteilung in Kompanien oder Züge. Ungewohnt für deutsche Verhältnisse. Hier besteht Verbesserungsbedarf. „Alles in allem geht es immer nur in kleinen Schritten vorwärts“, sagt S. Die Beratungstätigkeit bleibt mühevoll und wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Im Rahmen der Operation wurde eine Ortschaft eingenommen. Die Taliban sind ausgewichen, bevor sie bekämpft werden konnten. Getötet wurde heute keiner. Auf keiner Seite. Dennoch herrscht Krieg da draußen, außerhalb des „Safe Haven“.

von Nicolas  Barth

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