„Operation Betreuung“: Engagement in Zeiten von Corona

„Operation Betreuung“: Engagement in Zeiten von Corona

  • Einsatz
  • RSM
Datum:
Ort:
Masar-i Scharif
Lesedauer:
3 MIN

Abstand halten und Masken tragen: Alltag und Auftrag sind derzeit auch im Camp Marmal in Masar-i Scharif von COVID-19Coronavirus Disease 2019 geprägt. Das Virus verändert deutlich den Feldlageralltag für die Soldatinnen und Soldaten vor Ort. Beispielsweise ist das Angebot der Sport- und Betreuungseinrichtungen massiv eingeschränkt. Gute Betreuung ist somit gleichzeitig wichtiger und schwieriger geworden. Zwei Soldatinnen zögerten nicht lange, als Freiwillige für diesen komplexen Spagat gesucht wurden.

Kameradschaft außerhalb des OP-Saals

Eine Soldatin hält ein Brettspiel in der Hand, ein weiterer Soldat betrachtet es

Die Auswahl ist groß: Oberfeldwebel Anne berät die Soldatinnen und Soldaten gern

Bundeswehr/PAO Resolute Support

Rebecca W. und Anne H. arbeiten gern mit Menschen. Die Aufgabe der beiden Oberfeldwebel im Feldkrankenhaus des Camps ist wortwörtlich lebenswichtig: Als operationstechnische Assistentinnen unterstützen sie die Chirurginnen und Chirurgen. Auch daheim in Deutschland arbeiten sie im selben OP-Team im Bundeswehr-Zentralkrankenhaus in Koblenz. Man spürt ganz deutlich: Die beiden kennen sich, sind ein eingespieltes Team.

Die Corona-Pandemie änderte auch ihren Alltag im Einsatz. „Unser Chef kam auf uns zu“, berichtet Rebecca W., „denn es wurden Freiwillige gesucht, um das Betreuungsbüro hier im Camp Marmal zu unterstützen.“ Da viele andere Möglichkeiten der Freizeitgestaltung für die Soldatinnen und Soldaten inzwischen wegfallen, kommt dem Betreuungsbüro jetzt eine besondere Rolle zu. Hier kann man DVDs ausleihen, sich über die neuen Sportkurse inklusive Social Distancing informieren und hier werden mit viel Kreativität und Herzblut Events unter Einhaltung der Hygieneregeln geplant.

„Für uns zwei eine gute Gelegenheit zu helfen, weiterhin gute Betreuung im Einsatz anzubieten“, erinnert sich Anne H. „Unsere OP-Säle sind ja zum Glück nicht immer im Betrieb. Sollte es aber mal ernst werden“, Anne deutet auf den Alarm-Pieper an ihrem Gürtel, „sind wir innerhalb von wenigen Minuten in der Klinik und bereiten uns und den Operationssaal vor.“

Neue Aufgaben, lange Tage und viel Austausch

Eine Soldatin in OP-Kleidung assistiert bei einer Übung im Feldkrankenhaus einem Arzt

Oberfeldwebel Rebecca W. unterstützt bei einer Übung in der Notaufnahme des Feldkrankenhauses

Bundeswehr/PAO Resolute Support

Rebecca W. zeigt sich überrascht von der Vielfalt ihrer neuen Aufgaben: „Bisher kannte ich das Betreuungsbüro ja auch nur von der anderen Seite des Tresens.“ Über die Ausleihe, den Aufbau von Tonanlagen, die Organisation des Sports bis hin zu klassischer Büroarbeit: Die beiden erzählen von den zahlreichen neuen Kontakten und Eindrücken, die sie durch ihr Engagement gewonnen haben. Rebecca W. fügt hinzu: „Ein riesiger Vorteil ist, dass praktisch jede und jeder im Camp hier irgendwann mal vorbeikommt, eine tolle Gelegenheit, sich multinational zu vernetzen und so unser Angebot zu verbessern.“

Die beiden schauen sich an und lachen, denn ihre neue Aufgabe unterscheidet sich hinsichtlich eines entscheidenden Aspekts. Rebecca W. erklärt: „Toll ist, dass wir uns hier ausnahmsweise mit den Menschen unterhalten können. Sonst liegen diese ja häufig unter Vollnarkose vor uns!“ Dabei sind die Tage, so berichten beide, länger als sonst üblich geworden. So seien es gerade die Abendstunden, in denen viele Soldatinnen und Soldaten etwas Zeit haben, um das Betreuungsangebot zu nutzen. Gleichzeitig bleibt für die beiden die wichtigste Aufgabe bestehen: Eine 24/7-Abrufbereitschaft für Notoperationen.    

Das gute Gefühl, zu helfen

Zwei Soldatinnen stehen vor einem Mischpult und testen die Musikanlage

Auf neuen Wegen: Rebecca und Anne testen die Soundanlage für einen Sportkurs – auch eine Aufgabe des Betreuungsbüros

Bundeswehr/PAO Resolute Support

Rebecca W. und Anne H. erzählen von dem Tag ihres Hinfluges in den Einsatz. Auf diesem haben sie ganz zufällig den Betreuungsoffizier ihres Kontingentes getroffen. Damals ahnten sie noch nicht, dass sie schon bald gemeinsam etwas für die multinationale Truppe des Camps auf die Beine stellen würden. Anne H. und Rebecca W. blicken aber auch in Richtung Ende ihres Einsatzes, das immer näher rückt: „Es ist wirklich ein gutes Gefühl, hier über unsere Aufgabe im OP hinaus geholfen zu haben“, meinen beide einvernehmlich. Die „Operation Betreuung“ ist rundum gelungen, da sind sie sich absolut sicher.

von Johannes Potthoff

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