Die Augen am Himmel Afghanistans Teil 1

Die Augen am Himmel Afghanistans Teil 1

  • Einsatz
  • RSM
Datum:
Ort:
Masar-i Scharif
Lesedauer:
3 MIN

Es ist Nacht. Der Wind fegt über die Wüstenstraße im Norden Afghanistans. Ein unbekanntes Fahrzeug taucht am Horizont auf. Fünf Männer blicken aus einem Geländewagen in die Dunkelheit. Einer der Männer hält ein Handy ans Ohr. Ein Funkspruch eröffnet die Übung. „Sie kommen! Macht euch bereit!“.

Zwei Soldaten sitzen in einem Auto. Im Inneren des Fahrzeugs leuchtet es rot

Beide Soldaten koordinieren Angriffe vom Nachthimmel über Afghanistan und arbeiten als Team zusammen

Bundeswehr/Oliver Pieper

Einige hundert Meter entfernt tastet Hauptfeldwebel Robert P. mit seiner Hand nach dem Nachtsichtgerät. Mit einer schnellen Bewegung klappt er das am Helm fixierte Gerät vor die Augen. Die Umgebung vor seinen Augen leuchtet nun in einem hellen Grün. Der amerikanische Master Sergeant Chris V. sitzt neben ihm auf dem Fahrersitz und lenkt das Auto durch die afghanische Nacht. Das Training ist extrem realistisch. Chris ist ausgebildeter Joint Terminal Attack Controller, ein sogenannter JTAC. Sein Kamerad aus Deutschland ist Joint Fires Observer, JFO. Die beiden Soldaten koordinieren Angriffe vom Nachthimmel über Afghanistan und arbeiten als Team in einer Tactical Air Controller Party zusammen. Sie haben in einer speziellen Ausbildung gelernt, Kampfflugzeugen, Hubschraubern oder Drohnen Ziele am Boden zuzuweisen. Diese Ziele können dann aus der Luft bekämpft werden. Im fünften Jahr sind deutsche Soldaten im Rahmen der Mission Resolute Support im Einsatz in Afghanistan. Obwohl es sich um eine reine Ausbildungs- und Beratungsmission handelt, erlaubt das Mandat den Soldaten sich bei einem Angriff zu verteidigen. Und das muss geübt werden, immer wieder.

Heron sichtet ein stehendes Fahrzeug

In Dunkelheit steht ein Gelänewagen auf einer Schotterpiste

Aus dem Inneren des Geländewagens beobachten die Soldaten aufmerksam das Luftbild der Drohne Heron

Bundeswehr/Oliver Pieper

Hinter ihrem gepanzerten zivilen Geländewagen fahren ihre lettischen Kameraden in einem zweiten Fahrzeug. Sie biegen um eine Kurve, verlassen die asphaltierte Straße. Ein sandiger Weg erstreckt sich nun vor ihnen. Plötzlich ertönt ein Rauschen aus dem Funkgerät. Die beiden Männer lauschen gespannt. Die deutsche Aufklärungsdrohne Heron fliegt hoch über ihnen. Die Kontrollstation meldet ein stehendes Fahrzeug auf dem Weg voraus. Robert P. klappt sein Nachtsichtgerät nach oben und schaltet seine Taschenlampe ein. Die Lampe taucht das Innere des Fahrzeuges in ein schwaches rotes Licht. Er greift zu seinem „Rover“ (Remotely Operated Video Enhanced Receiver). Mit diesem Gerät kann er direkt das Videokamerabild der Heron Drohne empfangen. Auf dem schwarzweißen Bild sieht er das aufgeklärte Fahrzeug. Die Wärmebildkamera der Drohne zeigt eine schwarze Färbung der Motorhaube. Sofort weiß der erfahrene Soldat, dass der Motor des Wagens noch warm ist. „Chris, wir fahren langsam weiter“, sagt er und beobachtet aufmerksam das Luftbild der Drohne. Die großen Reifen des Geländewagens rollen langsam weiter und auch die lettischen Soldaten mit ihrem gepanzerten Fahrzeug vom Typ MRAP folgen ihnen.

Fünf bewaffnete Personen werden sichtbar

Ein heller Lichtschweif umgibt das unbekannte Fahrzeug

Angriff: Die Übungsteilnehmer am Boden stellen eine Straßensperre auf und leuchten die Fahrzeuge der RS-Soldaten aus

Bundeswehr/Oliver Pieper

Auf dem Rover-Bild öffnen sich die Türen des unbekannten Fahrzeuges. Dann sind fünf Personen auf dem Monitor zu erkennen. Chris stoppt. Robert wendet sich über Funk an die Heron-Kontrollstation. „Könnt ihr bei der Gruppe am Fahrzeug Waffen aufklären?“, fragt er den Kamerabediener. Doch er kann die Antwort bereits auf seinem Rover sehen. Zwei Gestalten gehen vor dem Auto in Stellung. Ein Knall. Helles Licht. Scheinwerfer leuchten auf. Das Auto von Robert und Chris wird von den Angreifern aus der Dunkelheit gerissen. Jetzt ist schnelles Handeln gefordert. Sofort melden die beiden den Feindkontakt an die lettischen Kameraden. „Back, Back, Back!“, ruft Robert zu seinem amerikanischen Fahrer. Beide Fahrzeuge setzen zurück und bleiben in einiger Entfernung zu den Feinden stehen. Alle sind angespannt und hoch konzentriert.

von Oliver Pieper

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