Nachhaltigkeit im Fokus: Als Berater in Kundus

Nachhaltigkeit im Fokus: Als Berater in Kundus

  • Einsatz
  • RSM
Datum:
Ort:
Kundus
Lesedauer:
3 MIN

Verpflegung, Ausbildung, verlässliche Logistik, pünktliches Gehalt, ein effektives Personalmanagement, Vertrauen und Ansehen: Es sind die Voraussetzungen „hinter den Kulissen“, die es den Soldaten der afghanischen Streitkräfte ermöglichen, nachhaltig und erfolgreich für Sicherheit und Stabilität zu sorgen. Damit die Rahmenbedingungen stimmen, beraten Oberst Andreas S. und sein Team die Führung des 217. Korps der afghanischen Nationalarmee in Kundus.

Ein Soldat erläutert mithilfe eines Sprachmittlers eine an die Wand projizierte Landkarte, ein Soldat filmt das Vorgehen

Der Austausch per Videotelefonie ermöglicht die Auftragserfüllung auch in Zeiten von COVID-19Coronavirus Disease 2019

Privat

Der Kernauftrag der Bundeswehr im Rahmen der NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mission Resolute Support lautet: Train, Advise and Assist (TAAAuswärtiges Amt), also ausbilden, beraten und unterstützen der afghanischen Streitkräfte. Anfang 2015 übernahm die Bundeswehr im Norden Afghanistans diese Aufgabe für die dort stationierten Großverbände der Afghan National Defence and Security Forces (ANDSF).

Eine Arbeit, die von Vertrauen, Anerkennung sowie dem persönlichen Kontakt mit den afghanischen Partnern lebt. In Kundus sind rund 140 Soldatinnen und Soldaten stationiert. Sie ermöglichen die Zusammenarbeit mit dem Stab des 217. Korps der afghanischen Streitkräfte. Als Teil des Train, Advise and Assist Command North (TAAC-NTrain Advise and Assist Command North) werden sie von Masar-i Scharif aus geführt. „Als sogenannter Senior Advisor“, erklärt Oberst Andreas S., „obliegt mir die fachliche Führung meines Beraterteams. Wir bieten unseren afghanischen Partnern Expertise in allen Bereichen der Stabsarbeit. Von Personalführung und Operationsführung über Logistik bis hin zum Thema Unterbringungsmanagement. Ich selbst berate direkt den Kommandeur des 217. Korps.“

Vertrauen ist die Basis

Ein Soldat steht vor einer Steinwand

Oberst Andreas S. führt als Senior Advisor das Beraterteam in Kundus

Bundeswehr/PAO Resolute Support

Oberst Andreas S., selbst stellvertretender Kommandeur einer Brigade der Bundeswehr, berichtet von der täglichen Arbeit seines Teams: „Die afghanischen Streitkräfte wuchsen mit einem unberechenbaren und rücksichtlos agierenden Gegner auf. Ich verstehe gut, dass afghanische Kommandeure in den vergangenen Jahren darauf konzentriert waren, kurzfristig militärisch erfolgreich operieren zu können.“ Im Fokus von Andreas S. und seinem Berater-Team steht deshalb der Ansatz, auch langfristig erfolgreich arbeiten zu können.

„Ich verstehe meine Rolle als Türöffner für dieses Themenfeld“, berichtet Oberst S., „jedoch ohne die Tür dabei einzutreten. Das Verständnis für effektive Planung und Umsetzung, zum Beispiel im Bereich der Logistik, muss erst wachsen, das braucht Zeit.“ Andreas S. zeigt sich entschlossen: „Ich erkenne tagtäglich einen deutlichen Bedarf an Expertise, der auch von afghanischer Seite formuliert wird. Wir erfahren große Wertschätzung und Dankbarkeit seitens unserer afghanischen Partner. Gemeinsam mit meinem Team erfülle ich einen zutiefst sinnvollen Auftrag, der sich in sichtbaren Erfolgen auszahlt – jetzt und in Zukunft. Genau dafür mobilisiere ich täglich alle mir zur Verfügung stehenden Kräfte und Mittel.“ Aus diesem Grund begrüßt Oberst S. auch den bald abgeschlossenen Ausbau des Camps.

Sicherheit in einem herausfordernden Einsatzumfeld

Zwei Soldaten und ein afghanischer Zivilist auf einer Baustelle, im Hintergrund ein großer Sandhaufen und Container

Das Camp wächst: Oberst Andreas S. bespricht mit dem afghanischen Bauleiter den Fortschritt der Arbeiten zur Nord-Erweiterung

Bundeswehr/PAO Resolute Support

Die deutschen Soldatinnen und Soldaten sind innerhalb des afghanischen Camps Pamir in einem eigenen und besonders gesicherten Bereich untergebracht. Eigene Unterkünfte, eine Küche sowie eine deutsche Sanitätseinrichtung ermöglichen ein sicheres Arbeiten mit kurzen Wegen. Die Nord-Erweiterung des deutschen Camps bietet in Kürze eine Kombination von Unterkunfts- und Bürobereichen mit verbessertem Schutz für rund 130 Personen. „Diese nachhaltige Investition passt exakt in unser Konzept des Persistent TAAAuswärtiges Amt, also des hartnäckigen TAAAuswärtiges Amt“, bemerkt Senior Advisor S., „denn wir arbeiten mit und für unsere Partner konsequent, mit großem Durchhaltevermögen und unter Einsatz von viel Herzblut. Wir richten uns auf Unabhängigkeit und Widerstandfähigkeit ein, beispielsweise für den Fall, dass sich die Sicherheitslage im Raum Kundus verändert.“ Das deutsche Camp dient im Ernstfall auch als Anlaufstelle für zivile Hilfsorganisationen.

Die Pandemie macht erfinderisch

Drei Soldaten sitzen sich bei einer Besprechung in einem durch eine Plexiglasscheibe abgetrennten Raum gegenüber

Der persönliche Kontakt ist wichtig, als Berater muss man seinem Gegenüber in die Augen schauen können

Bundeswehr/PAO Resolute Support

In Zeiten von COVID-19Coronavirus Disease 2019 wird genau diese Hartnäckigkeit auf die Probe gestellt. Das Team in Kundus musste in der letzten Zeit weitestgehend auf den persönlichen Kontakt zu seinen afghanischen Partnern verzichten. Kreative Lösungen waren schnell entwickelt: Per Videotelefonie, mit selbst erstellten Erklärvideos sowie durch regelmäßige Telefonkonferenzen wurde der Kontakt durchgehend aufrechterhalten.

Außerdem wurde in einem der Büroräume kurzerhand ein Raumtrenner eingebaut. Dank der Glasscheibe können Besprechungen weiterhin persönlich stattfinden und auf den so wichtigen Augenkontakt muss nicht verzichtet werden. Der deutsche Kommandeur des TAAC-NTrain Advise and Assist Command North, Brigadegeneral Jürgen Brötz, stellt hierzu klar: „Diese Einschränkungen sind zum Schutz meiner Frauen und Männer unabdingbar. Gleichzeitig bekennen wir uns mit all den kreativen Anpassungen deutlich zu unserem Auftrag: ausbilden, beraten und unterstützen der afghanischen Streitkräfte!“

von Johannes Potthoff

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