Camp Erbil: Der Betrieb läuft weiter

Camp Erbil: Der Betrieb läuft weiter

  • Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Erbil
Lesedauer:
4 MIN

COVID-19Coronavirus Disease 2019 beeinflusst auch den Irak-Einsatz. Im Land herrscht weitestgehend eine Ausgangssperre. Die Bundeswehr führt das multinationale Camp Erbil, in dem deutsche Soldatinnen und Soldaten jetzt den funktionalen Grundbetrieb aufrechterhalten. „Wir sorgen dafür, dass wir bei Bedarf schnell wieder die normale Personalzahl erreichen und unseren Kernauftrag fortsetzen können“, erklärt Oberst Stefan L. Er führt die deutschen Kräfte im Teilkontingent Capacity Building Irak.

Ein kleines bisschen Alltag

Ein Soldat sitzt am Schreibtisch, hinter ihm befindet sich seine Schutzweste und seine Waffe

Konzentriert bei der Arbeit –aber nie ohne Schutzweste und Waffe in Reichweite

Bundeswehr/Roland Bösker

Die Arbeit geht weiter: Oberstabsfeldwebel Andreas S. gibt konzentriert Daten in den Computer ein. Auf einem Gestell hinter ihm befinden sich Gefechtshelm, Schutzweste und das Gewehr G36. Seine Pistole P8 trägt der Oberstabsfeldwebel in der Funktion eines Personaloffiziers wie alle hier stets bei sich. Daran ändert auch Corona nichts. „Auch, wenn die Lage derzeit ruhig ist, müssen wir immer damit rechnen, schnell auszuweichen.“ Ausweichen bedeutet, bei Alarm sofort die Schutzbauten des Camps aufzusuchen, um dort auf weitere Informationen und Befehle zu warten.

„In solchen Fällen ist jede und jeder Einzelne von uns für mindestens 24 Stunden durchhaltefähig“, erläutert der Oberstabsfeldwebel. Ein Day-Pack, ein gepackter Rucksack mit Verpflegung, Hygieneartikeln und Wechselkleidung, ist deshalb neben Weste und Waffe stets in Reichweite. „Es kann auch passieren, dass wir längere Zeit in Schutzbauten ausharren müssen. Dann beruhigt so ein Mindestmaß an Ausstattung zumindest ein bisschen“, berichtet der erfahrene Soldat.


Stellung halten für nach der Krise

Ein Soldat schraubt an der Tür eines geschützten Fahrzeugs der deutschen Kräfte

Der Schirrmeister erledigt Wartungsarbeiten, sodass die Fahrzeuge jederzeit einsatzbereit sind

Bundeswehr/Roland Bösker

Oberst Stefan L. fasst den Auftrag seiner Soldatinnen und Soldaten so zusammen: „Wir halten hier die Stellung. Wir sind Ansprechpartner für unsere vorgesetzten Dienststellen in Deutschland und halten unser multinationales Camp sowie unsere Ausrüstung in Bereitschaft. Fahrzeuge und Gerät werden gewartet, Waffen und Munition regelmäßig überprüft. Sobald sich die Lage ändert, können wir unsere Personalstärke vor Ort zügig wieder aufstocken und auch die Ausbildung der irakischen Streitkräfte sowie der kurdischen Peshmerga wieder aufnehmen.“

Zudem steht die Bundeswehr gegenüber anderen verbündeten Nationen in der Pflicht, Führungsmittel und Versorgungsleistungen bereitzuhalten. „Als Führungsnation im multinationalen Camp Erbil sind wir zum Beispiel für den gesamten Betrieb der Taktischen Operationszentrale verantwortlich. Außerdem liegt die sanitätsdienstliche Versorgung in unseren Händen“, erläutert der Kommandeur.


Einsatz unter erschwerten Bedingungen

Eine Soldatin mit Schutzmaske und Handschuhen telefoniert in einem abgesperrten Büro

14 Tage lang führte Oberfeldärztin Nora M. die Einsatz-Sanitätsstaffel aus der isolierten Unterbringung heraus

Bundeswehr/Roland Bösker

Medizinische Expertise darf in diesen Zeiten natürlich nicht fehlen. Oberfeldärztin Nora M. überwacht die Maßnahmen zur Vorsorge gegen Corona-Infektionen, sie führt die Einsatz-Sanitätsstaffel im Camp. Als sie Anfang April ihren Vorgänger auf dem Dienstposten ablöste, musste sie jedoch selbst erst einmal 14 Tage in isolierter Unterbringung verbringen – während sie gleichzeitig die ihr unterstellten Soldatinnen und Soldaten führen musste. Not macht erfinderisch: Kurzerhand wurde für die Ärztin neben einer isolierten Unterkunft ein entsprechend abgegrenztes Büro hergerichtet. Mittels gesicherter Leitungen führte sie von dort aus das Sanitätspersonal und gab Anweisungen zur Umsetzung der Corona-Schutzmaßnahmen im Camp.



Auch nachts tropft jetzt der Schweiß

Ein Soldat trainiert im Fitnessraum mit Stahlhanteln

Fitness ist trotz Corona möglich: Zwischen Hantelbänken und Geräten gelten Mindestabstände

Bundeswehr/Roland Bösker

Auch betroffen: Die „Church of Steel“. So nennen Soldatinnen und Soldaten aller Nationen im Camp den Fitness-Raum. Inzwischen dürfen dort nicht mehr als zehn Personen gleichzeitig trainieren, eine Aufsicht am Eingang überwacht die Vorgaben. Die Anzahl der Geräte ist verringert, die Abstände zwischen den Trainingsstationen sind auf mindestens eineinhalb Meter vergrößert worden. „Manchmal gehe ich erst nachts zum Sport, weil ansonsten alle Plätze belegt sind“, berichtet ein verschwitzter Soldat beim Training. „So spät am Tag braucht es dann zwar viel Selbstdisziplin, um den Körper richtig zu fordern, aber auch das gehört zu unseren Aufgaben hier im Einsatz.“


Logistik mit der Luftwaffe

Vor Corona kam ein großer Teil des Nachschubs für die Versorgung der Soldatinnen und Soldaten mit zivilen Frachtfliegern in Erbil an. „Wegen der Corona-Krise haben viele Luftfracht-Unternehmen ihre Linienverbindungen drastisch reduziert oder fliegen gar nicht mehr“, berichtet Hauptmann Daniel S., der Logistik- und Versorgungsoffizier des 6. Deutschen Einsatzkontingents. Nun bringt die Luftwaffe dringend benötigten Nachschub für die deutschen Soldatinnen und Soldaten nach Erbil. „Auf dem Landweg geht auch kaum noch etwas, weil viele Staaten in der Region ihre Grenzen geschlossen haben.“


Die Gespräche gehen weiter

Ein deutscher Offizier spricht in einem Büro mit einem Vertreter der Sicherheitskräfte im Nordirak

Gespräche mit führenden Personen der regionalen Sicherheitskräfte gehören zum funktionalen Grundbetrieb

Bundeswehr/Rolnd Bösker

Oberstleutnant Pascal B. gehört zu den wenigen Angehörigen des deutschen Kontingents, die das Camp zu dienstlichen Zwecken verlassen. Es ist wichtig, dass die Kommunikation jetzt nicht abreißt. Deshalb pflegt er Kontakte zu Offizieren und Offiziellen der regionalen Sicherheitskräfte, die im Nordirak dem Ministerium der Peshmerga unterstehen. Gerade angesichts der Krise sei es wichtig, sich über aktuelle Entwicklungen auszutauschen und mit Beratung zu unterstützen, erläutert er. Oft gehe es in den Gesprächen darum, wie nach der Krise möglichst reibungslos an die bisherige Ausbildung angeknüpft werden kann. Genau wie in Deutschland und der Welt hoffen hier alle auf ein baldiges Ende des Ausnahmezustandes.


von Roland Bösker

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