Ein Interview mit Oberfeldwebel Tobias K.: Der Flugbetriebsfeldwebel

Ein Interview mit Oberfeldwebel Tobias K.: Der Flugbetriebsfeldwebel

  • Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Al-Asrak
Lesedauer:
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Einer der ersten Begegnungen, die ich nach meiner Ankunft in Jordanien bei Counter Daesh/Capacity Building hatte, war die mit Oberfeldwebel Tobias K. Damals stellte ihn mir ein Kamerad mit den Worten vor: „Und das ist bei uns im Gefechtsstand der wichtigste Mann.“ Das hat mich neugierig gemacht – und ich habe nachgefragt.

14 Fragen an Oberfeldwebel Tobias K.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude
Bundeswehr/Elisabeth Schöneberg
Elisabeth Schöneberg

Hallo Tobias K., seit wann bist du bei der Bundeswehr?

Hallo, ich bin am 01. November 2015 zur Bundeswehr gekommen.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude
Elisabeth Schöneberg

Ist das dein erster Auslandeinsatz?

Ja. Aber bestimmt nicht mein letzter.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude
Elisabeth Schöneberg

Was ist deine Aufgabe bei Counter Daesh/Capacity Building Iraq?

Ich bin hier der Flugbetriebsfeldwebel – oder Operator, wie mich die Leute nennen. Zu meinen Aufgaben gehört es, die Flüge vor- und nachzubereiten. Ich melde beispielsweise jeden Flug bei den entsprechenden Stellen an, gebe Informationen zu den Flugzeiten und Missionen an den Kontingentführer sowie diejenigen weiter, die das wissen müssen. Dazu bereite ich auch den Flugordner mit den Anflugmöglichkeiten vor und halte alles und jeden auf Stand.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude
Elisabeth Schöneberg

Wie sieht denn deine Nachbereitung eines Fluges aus?

Wenn die Piloten wiederkommen pflege ich die Einsatznachweise. Das ist wichtig, damit die Piloten auch ihre Flugstunden bekommen. Dann dokumentiere ich, dass sie geflogen sind, wie lange sie geflogen sind, welche Nation sie betankt haben – wir sind hier ja auf einer Tankermission – und gebe das an die entsprechenden Stellen weiter.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude
Elisabeth Schöneberg

Was spornt dich hier an?

Das Gute ist, dass ich hier nur für die Durchführung der Tankermissionen zuständig bin. Ich habe nichts nebenbei, was mich ablenken würde. Ich habe nur meine Aufgabe: meinen Teil dazu beizutragen, dass der A400M in die Luft kommt. Das spornt mich total an. Ich sehe direkt was für Früchte meine Arbeit trägt und den Erfolg, der dahintersteht.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude
Elisabeth Schöneberg

Was ist für dich hier besonders herausfordernd?

Das Diensttelefon (lacht). Wir haben regelmäßig Luftfahrzeuge die uns versorgen. Da kommen viele Anrufe von Leuten rein, die beispielsweise wissen wollen, ob der Flug pünktlich ist. Da klingelt das Telefon dann auch mal alle fünf Minuten. Aber das ist letztlich nichts, was mich völlig aus der Bahn wirft.

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Elisabeth Schöneberg

Zu welchen Uhrzeiten arbeitest du denn?

Wenn wir eine frühe Mission fliegen, dann bin ich auch schon mal kurz vor drei Uhr unserer Zeit auf den Beinen und gehe direkt in den Gefechtsstand. Da komme ich dann vor sieben Uhr auch nicht mehr raus. Dann habe ich meistens ein bis zwei Stunden Zeit, um mich ein bisschen auszuruhen, ehe es wieder in den Gefechtsstand geht. Da warte ich, dass der Flieger wieder landet.

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Elisabeth Schöneberg

Welche Situation war bis jetzt für dich am herausforderndsten?

Es sind manchmal sehr lange Tage. Der stressigste Tag war bisher der, an dem wir vier Missionen innerhalb von 36 Stunden geflogen sind. Das sind dann solche Tage, an denen ich kaum Schlaf bekomme.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude
Elisabeth Schöneberg

Was hat wohl der Kamerad gemeint, der dich mir als der „wichtigste Mann hier“ vorgestellt hat?

Na ja. Eigentlich kann ohne mich ein Flug hier grundsätzlich nicht stattfinden. Es würde weder die Anmeldung des Fluges, noch eine Informationsweitergabe stattfinden – und das braucht es, damit die Mission geflogen werden kann. Die Stellen, die relevant sind, um Flüge durchzuführen, wie zum Beispiel der Luftumschlag oder der Betanker, beziehungsweise die die Crew unterstützen, würden ohne mich gar nicht informiert werden.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude
Elisabeth Schöneberg

Welche Momente sind für dich hier besonders schön?

Wenn es die Zeit zu lässt, sitze ich besonders gern mit meinen Kameradinnen und Kameraden in der Betreuung oder treffe mich mit ihnen beim Essen. Mit den Kameraden von der Technik komme ich gern an einem Samstag zusammen und wir spielen Dart, Würfel oder Tischtennis.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude
Elisabeth Schöneberg

Wie empfindest du die Kameradschaft im Auslandseinsatz?

Kameradschaft wird hier im Einsatz sehr, sehr groß geschrieben. Schon alleine, wenn wir uns abends einfach mal zusammensetzen und miteinander sprechen. Auch wenn ich nicht aus Wunstorf komme wie viele hier, wurde ich herzlich aufgenommen, habe Spaß mit den Kameraden und wurde von Anfang an akzeptiert. Dadurch, dass hier alle sehr weit von zuhause weg sind, hat es irgendwie nochmal ein ganz anderes Band zwischen den Kameraden als es in der Heimat der Fall ist.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude
Elisabeth Schöneberg

Was oder wer fehlt die hier am meisten?

Meine Freundin und meine Freunde, aber natürlich auch meine Kameraden aus meinem Büro. Was hier im Einsatz wirklich gut ist, dass wir über Video nach Hause telefonieren können. Das hilft wirklich.

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Elisabeth Schöneberg

Was machst du als erstes, wenn du wieder nach Hause kommst?

Meine Freundin ganz lange umarmen und danach Dönerpizza bestellen. Und dann geht es auch schon los in die Vorbereitungen für die Hochzeit mit meiner Freundin.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude
Elisabeth Schöneberg

Möchtest du noch ein paar Worte an die Heimat richten?

Liebe Grüße. Ich freu mich auf euch. Und ich hoffe, dass alle eine tolle Weihnachtszeit hatten und gut ins neue Jahr gekommen sind.

Ein Soldat steht vor einem abgezäunten Gebäude

von Elisabeth Schöneberg

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