Nachschub für die OASE im Camp Erbil

Nachschub für die OASE im Camp Erbil

  • Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Erbil
Lesedauer:
3 MIN

„Die Verpflegung ist lecker, aber von richtigen Tellern schmeckt’s einfach besser“, stellt ein Soldat im multinationalen Camp Erbil fest. Die Hygienebedingungen für den Einsatz echter Teller erfüllt derzeit nur das Einsatzbistro OASE. Ansonsten gilt zum Schutz vor COVID-19Coronavirus Disease 2019: Keine Mahlzeiten in den Verpflegungszelten der Truppenkantinen, stattdessen Essenportionen „to go“ in Plastikschalen. Mit frisch bestückten Lagern kann die OASE weiterhin Abwechslung in den Alltag der Truppenküche bringen – der Weg zum vollen Lager war jedoch lang und herausfordernd.

Ein Bundeswehrsoldat lädt mit einem Gabelstapler Lebensmittel von einem Lkw ab

Die neue Ware muss zügig vom LkwLastkraftwagen in den Kühlcontainer gebracht werden

Bundeswehr/Roland Bösker

„Unsere Lager waren fast leer. Manche Gerichte auf der Karte konnten wir schon nicht mehr komplett anbieten“, berichtet Stabsfeldwebel Enrico K. und lächelt zufrieden, weil endlich Nachschub da ist. Er freut sich darüber, seine Kühlcontainer jetzt mit Butter, Burgern, Schnitzeln und weiteren Rohstoffen für die Küche aufzufüllen. Bei Kühlschranktemperaturen, die von knapp über Null bis zu eisigen minus 20 Grad reichen, bleiben die Lebensmittel auch bei Außentemperaturen von 35 bis 40 Grad frisch – Temperaturen, die für den Irak geradezu „frühlingshaft“ sind.

Ein Stück Heimat im Irak

Mehrere Paletten mit Getränken stehen zum Verstauen bereit

Die 18 Tonnen Nachschub für das Einsatzbistro OASE kamen gerade rechtzeitig in Erbil an

Bundeswehr/Roland Bösker

Enrico K. ist im Zivilleben von Beruf Gastronom, bei der Bundeswehr dient er als Reservist. Hier in Erbil ist der Stabsfeldwebel als Küchenchef, Manager und Personalleiter des OASE-Einsatzbistros eingesetzt. Die Einsatz-OASEN sind gemeinsame Einrichtungen der Evangelischen und der Katholischen Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung, die ihren Betrieb mit der Bundeswehr abstimmen.

Die OASEN sind dazu da, den Soldatinnen und Soldaten ein Stück Heimat zu bieten, zum Beispiel mit typisch deutscher Küche. Dabei unterstützen die Bundeswehr-Logistiker vor Ort die Belieferung der OASE in Erbil. „Wir berücksichtigen immer den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit“, erläutert Versorgungsoffizier Hauptmann Daniel S. das Vorgehen. „18 Tonnen Lebensmittel militärisch einzufliegen wäre viel zu teuer.“ Deshalb musste sich ein ziviler LkwLastkraftwagen auf den langen Weg in den Irak machen. Dabei musste er einige Grenzen passieren, was angesichts der Beschränkungen durch COVID-19Coronavirus Disease 2019 gar nicht mal so einfach war. 

Grenzüberschreitende Logistik

Mehrere Paletten mit Getränken stehen zum Verstauen bereit

Die 18 Tonnen Nachschub für das Einsatzbistro OASE kamen gerade rechtzeitig in Erbil an

Bundeswehr/Roland Bösker

„Wir haben dafür gesorgt, dass der mit dem Transport beauftragte zivile Spediteur eine Bescheinigung der NATONorth Atlantic Treaty Organization erhält. Diese gilt als Sondergenehmigung zum Grenzübertritt trotz Corona-Sperre“, berichtet Hauptmann Daniel S., „aber das war nur die Lösung auf dem Papier.“ Denn manche Grenzkontrollstellen sind wegen der Pandemie komplett geschlossen und nicht mit Personal besetzt. Geholfen habe die Kompetenz des interkulturellen Einsatzberaters. Dieser Offizier konnte zwischen Dienststellen der Bundeswehr, dem zivilen Spediteur sowie den Grenzkontrollbehörden der jeweiligen Länder vermitteln.

In fast allen Einsätzen der Bundeswehr sind solche hochqualifizierten Spezialistinnen und Spezialisten dabei. Ihre Kenntnisse sind unerlässlich: Sie sprechen die richtige Sprache und kennen landestypische Mentalitäten und Abläufe. Damit unterstützen sie Einsatzkontingente vor Ort dabei, mit Behörden und Ämtern zu kommunizieren. In Zeiten von COVID-19Coronavirus Disease 2019 helfen sie dabei, Grenzen zu passieren. 

Ein wahrer Klassiker der Verpflegung

Doch was passiert, wenn der Nachschub die OASE trotzdem nicht rechtzeitig erreicht? Und wenn auch die USUnited States-amerikanisch geführten Truppenküchen und ‑kantinen keinen Nachschub mehr erhalten? „Dann sind wir in Erbil immer noch mehrere Wochen durchhaltefähig. Niemand müsste hungern“, beruhigt Hauptmann S. Ausreichend eingelagerte Einmannpackungen machen es möglich. Eine EPa enthält die Verpflegung für eine Person pro Tag. Zwei Fertiggerichte zum Heiß- oder Kaltverzehr, Knabbereien, Instantpulver für isotonische Getränke, Vollkornbrot in der Dose und die berühmten Hartkekse. Die USUnited States-Streitkräfte haben anstelle der in Kartons abgepackten EPa sogenannte MRE (Meals Ready-to-Eat, sprich Fertigmahlzeiten).

„In Plastik eingeschweißt sehen diese MRE-Portionen zwar moderner aus als unsere“, vergleicht Hauptmann S. das äußere Erscheinungsbild der deutschen und der USUnited States-amerikanischen Rationen, „dafür braucht man für einen Tag aber drei USUnited States-Plastikbeutel, während von unseren EPa-Kartons ein einziger ausreicht.“ Erfahrene Soldatinnen und Soldaten wissen zudem, dass sich der EPa-Karton gut zum Feuermachen eignet. „Die gute alte EPa schneidet im Vergleich ziemlich gut ab“, findet Hauptmann S. Für das leibliche Wohl der Soldatinnen und Soldatin in Erbil ist somit zu jeder Zeit gesorgt.

von Roland Bösker

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