Notfall in Al-Asrak – Rettungsübung am Tornado

Notfall in Al-Asrak – Rettungsübung am Tornado

  • Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Al-Asrak
Lesedauer:
3 MIN

Sanft setzt der Tornado auf dem vor Hitze flimmernden Beton in Al-Asrak auf und rollt aus, als plötzlich kurz vor der Haltestelle ein Funkspruch abgesetzt wird. „Tower, this is Tornado 11, Mayday, Mayday, Mayday! We´ve got an emergency on runway Bravo: Pilot is unconscious. Need immediate assistance!“, gibt der Waffensystemoffizier über Funk zu verstehen, obwohl auch er mit Schwindelanfällen kämpft. Stille im Funkkreis. Der Tornado steht am Ende der Startbahn - dann geht alles ganz schnell.

Notfall auf der Air Base

Ein Feuerwehrfahrzeug nähert sich dem Tornado

Das Rettungspersonal auf der Air Base in Al-Asrak weiß, was zu tun ist. Die Besatzung des Feuerwehrfahrzeugs nähert sich schnell dem Tornado

Bundeswehr/PAO Counter Daesh

„Es geht vor allem darum, auf einem Flugplatz, der von verschiedenen Nationen im Auslandseinsatz genutzt wird, die Abläufe zu üben und die Rettungskräfte in die Technik des Tornados einzuweisen,“ erklärt Stabsfeldwebel Mike B. Er ist der Flugsicherheitsmeister des deutschen Einsatzkontingents in Jordanien und hat diese Übung ausgeplant. Mike B. ist besonders wichtig, dass zunächst die Notrufkette funktioniert. Im besten Fall können die Piloten den Tower über ihre Notlage informieren. Von hier erfolgt dann die Alarmierung. „Da sind ganz viele Leute mit im Boot“, erläutert der Flugsicherheitsmeister, „neben der Feuerwehr und den flugmedizinischen Fachleuten wird im Ernstfall auch die Kontingentführung, das technische Fachpersonal und selbst der Presseoffizier informiert.“ Aber soweit soll es bei dieser Übung nicht gehen. Im Fokus stehen heute nur die Rettungskräfte, die in den ersten Minuten am Unfallort eintreffen.

Schwerstarbeit für die Rettungskräfte

Zwei Feuerwehrleute tragen den Piloten die Leiter runter

In voller Montur geht es vom Tornado vorsichtig mit dem Piloten die steile Leiter hinunter

Bundeswehr/PAO Counter Daesh


Nur wenige Minuten später ist die Flugplatzfeuerwehr am Tornado. Während die ersten Schläuche ausgerollt werden und das Flugzeug durch Unterlegkeile gegen Wegrollen gesichert wird, schiebt ein Feuerwehrmann in schwerer Montur eine Leiter an den Jet. Mit Atemmaske und Sauerstoffflasche steigt er zum Cockpit empor. „Alles sicher, kein Feuer!“, brüllt er seinen Kollegen zu. Ein weiterer Retter macht sich auf den Weg nach oben. Der hintere Pilot, der Waffensystemoffizier, ist ansprechbar und klettert von seinem Platz. Er gibt den Feuerwehrleuten wertvolle Hinweise, wie sie seinen „ohnmächtigen“ Kameraden aus dem engen Cockpit ziehen können. In drei Metern Höhe mitten in der prallen Sonne wird diese Übung zu einem wahren Kraftakt. Schweiß läuft den Männern von der Stirn, als sie den bewusstlosen Piloten aus dem Cockpit hieven und vorsichtig die Leiter hinuntertragen. In ausreichendem Sicherheitsabstand zum Flugzeug wird er medizinisch untersucht.


Nachbesprechung der Rettungsübung im Einsatz

Zwei Feuerwehrleute tragen den Piloten die Leiter runter

In voller Montur und bei knapp 40 Grad Hitze geht es vorsichtig die steile Leiter hinunter

Bundeswehr/PAO Counter Daesh

„Übungsende!“, ruft der Flugsicherheitsmeister. Alle Beteiligten legen ihre Schutzbekleidung ab und versammeln sich um den Tornado. Zusammen mit dem Teamleiter der Feuerwehr, den Tornado-Technikern und den Piloten geht Mike B. die gesamte Übung noch einmal durch. Er ist sehr zufrieden mit dem, was er gesehen hat. Dennoch gibt es wichtige Punkte, die in der sogenannten „Manöverkritik“ für die Rettungskräfte noch einmal verdeutlich werden. Einer der Tornado-Techniker zeigt noch einmal allen Beteiligten, wo die Ansatzpunkte für die Sicherung des Fahrwerkes und besonders der Waffen- und Rettungsanlage sind. Schließlich möchte niemand, dass der Schleudersitz versehentlich ausgelöst wird, während die Retter gerade den Piloten aus dem Cockpit ziehen. Auch das Anschnallsystem wird erneut inspiziert, da es in einem Kampfjet natürlich deutlich komplexer ist als zum Beispiel in einem Auto. „Ich bin mit Schulter-, Becken- Arm- und Beingurten am Sitz festgeschnallt“, erklärt einer der Piloten, „Zusätzlich bin ich noch an der Sauerstoffversorgung und dem Funk angeschlossen.“ Für die Feuerwehrleute ist das extrem wichtig: Auf engsten Raum kann schon ein kleines Kabel, dafür sorgen, dass der Pilot irgendwo hängen bleibt und sich die Rettung verzögert.


Der Flugsicherheitsmeister in Al-Asrak

Flugsicherheitsmeister Mike B. steht vor dem Tornado auf dem Flugfeld

Mike B. ist als Flugsicherheitsmeister Ansprechpartner für das gesamte deutsche Einsatzkontingent

Bundeswehr/PAO Counter Daesh

Flugsicherheitsmeister sind im Ernstfall die ersten Ansprechpartner im Einsatz auch für die Rettungskräfte anderer Nationen. Sie koordinieren die Maßnahmen der Notdienste. Die Air Base wird von vielen Nationen dauerhaft oder temporär genutzt. Alleine von deutscher Seite aus sind in Jordanien Tornados und ein A400M am Flugbetrieb beteiligt. Zusammen mit den anderen Nationen herrscht Tag und Nacht ein reger Flugbetrieb. Mike B. inspiziert regelmäßig die Start- und Landebahnen, um sich vom Zustand der Rollflächen zu überzeugen. Rettungsübungen wie diese führt Mike B. regelmäßig durch, da auch das Feuerwehrpersonal wechselt. Der Flugsicherheitsmeister betont: „Es muss jeder wissen, was er hier im Notfall zu tun hat, und das trainieren wir am besten direkt an unseren Flugzeugen!“

von Thomas  Meissner

Mehr zum Thema