Notfall im Cockpit

Pilotenausfall - A400M Crew und Sanitätspersonal üben für den Ernstfall

Pilotenausfall - A400M Crew und Sanitätspersonal üben für den Ernstfall

  • Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Al-Asrak
Lesedauer:
3 MIN

Train as you fight!“ Trainiere, als ob du kämpfen würdest. Unter diesem Motto üben die Luftfahrzeugbesatzung eines A400M und die Sanitätskräfte des deutschen Einsatzkontingentes in Al-Asrak den Ausfall eines Piloten. Die verschiedenen Handgriffe müssen geübt werden, damit sie im Ernstfall schnell und präzise umgesetzt werden können.

Vier Soldaten stehen vor Sanitätsfahrzeugen und besprechen die Lage

Kurz nach dem Alarm sammeln sich die Sanitätskräfte und der Flugsicherungsmeister auf dem Rollfeld

Bundeswehr/Christian Haseloff

„Luftnotlage, Luftnotlage, Luftnotlage!“ Die ersten Worte des gerade stattfindenden Telefonates lassen die Truppenärztin aufhorchen. Sie weiß, nun kommt es auf jede Minute an. Am Telefon ist die Operationszentrale, die soeben die komplette Notdienstgruppe alarmiert. „Medizinischer Notfall im Cockpit eines A400M. Kommandant ausgefallen. Maschine im Anflug auf Al-Asrak.“ Nach Beendigung der Durchsage macht sich der BATBeweglicher Arzttrupp sofort auf den Weg zum Rollfeld. Dort nehmen sie Kontakt mit der Flugsicherheit auf, um weitere Schritte wie Landezeit, Abstellort und Besonderheiten des Luftfahrzeuges abzusprechen.

Der Ausfall des Piloten: Für alle eine Herausforderung

Ein Sanitätsfahrzeug steht auf dem Rollfeld. Im Hintergrund rollt ein A400M vorbei

Die Sanitätskräfte warten in ihren Fahrzeugen, bis der A400M seine Parkposition erreicht hat

Bundeswehr/Christian Haseloff

Der Ausfall des Kommandanten ist auch für den Rest der Crew des A400M eine nicht alltägliche Situation. So muss der Co-Pilot sämtliche Abläufe der Landung alleine bewältigen, während sich der Ladungsmeister um den ausgefallenen Kameraden kümmert. Über Funk wird zeitgleich die Besatzung des Towers über den aktuellen Sachstand informiert, welche die Informationen daraufhin an die Flugsicherheit und somit auch an den BATBeweglicher Arzttrupp weitergibt. Trotz der äußerst angespannten Lage bleibt die Crew ruhig und arbeitet ihre Aufgaben professionell ab.

Die Erstversorgung des Soldaten ist entscheidend

Eine Ärztin steht im Cockpit eines A400M hinter einem Soldaten, der scheinbar bewusstlos im Pilotensitz sitzt

Im Cockpit ist nicht viel Platz. Eine Erstbehandlung ist daher nur erschwert möglich.

Bundeswehr/Christian Haseloff

Der A400M würde bei einem realen Notfall, je nachdem wie kritisch der Zustand des Patienten ist, direkt auf der Start- und Landebahn stehenbleiben. Die Einsatzkräfte könnten dann sofort dort an Bord gehen. In sehr kritischen Fällen könnte daher die Start- und Landebahn für andere Luftfahrzeuge gesperrt werden. Im heutigen Übungsszenario fährt der A400M jedoch bis zu seiner endgültigen Parkposition. 
Die beiden Fahrzeuge mit der BATBeweglicher Arzttrupp Besatzung fahren zügig hinter dem Luftfahrzeug her und warten auf die Freigabe des Flugsicherheitsmeisters. Das Cockpit ist sehr eng, daher ist eine Erstversorgung nur bedingt möglich. Hier gilt es, den Piloten aus der „Gefahrenzone“ zu retten und ihn nach draußen zu tragen. Aufgrund der schmalen und sehr steilen Cockpittreppe muss jeder Handgriff sitzen, damit der Patient beim Transport nicht verletzt wird.

Der Notfall muss schnell diagnostiziert werden

Zwei Sanitäter beugen sich über einen am Boden liegenden Soldaten

Nach der Rettung aus dem Cockpit können sich die Sanitäter mit ausreichend Platz um den Piloten kümmern

Bundeswehr/Christian Haseloff

Jeder medizinische Notfall ist besonders und hat seine Eigenheiten. Nach der Bergung aus dem Cockpit haben die Sanitäter ausreichend Platz für die Behandlung. Der Pilot täuscht übungshalber einen Herzinfarkt vor. Er ist teilweise ansprechbar und seine Atmung ist stabil. Das Team entscheidet sich, ihn zur Diagnostik und Einleitung von medizinischen Maßnahmen sofort in das BATBeweglicher Arzttrupp-Fahrzeug zu verlegen. Sobald eine Diagnose gestellt ist, muss die weitere Versorgung eingeleitet werden. Je nach Krankheitsbild kann auch eine sofortige Behandlung direkt an Bord des A400M erfolgen. Die Ausrüstung, die der Arzttrupp in zwei Sanitätsrucksäcken immer bei sich führt, ist für jede Erstmaßnahme ausgestattet.

Sicherung und Transport

In der Zwischenzeit wurde das Fahrzeug des BATBeweglicher Arzttrupp an die Heckrampe des A400M gefahren. Diese wurde durch den Ladungsmeister bereits herabgelassen, um den Abtransport des verletzten Piloten zu vereinfachen. Auch eine Rettung über die Einstiegstüren wäre möglich, doch der Arzttrupp hat sich für diese Variante entschieden. Eine Trage wird herangeholt, um den Piloten vorsichtig aus dem A400M zu heben. Zwei Soldaten tragen ihn dann die kurze Distanz über das Rollfeld und schieben Trage und Patient in das bereitstehende Sanitätsfahrzeug.

Alle Handgriffe müssen sitzen

Zwei Soldaten schieben eine Trage in ein Sanitätsfahrzeug

Im Krankenwagen werden die Diagnostik, erste therapeutische Maßnahmen sowie der unverzügliche Abtransport sichergestellt

Bundeswehr/Christian Haseloff

Die Vorbereitung auf den Einsatz, die Rettung des Piloten, die Erstversorgung und der folgende Abtransport: All diese Handgriffe müssen geübt werden, damit sie im Ernstfall schnell und präzise umgesetzt werden können. Die Verlegung des Patienten in das BATBeweglicher Arzttrupp-Fahrzeug ist hierbei der letzte Schritt auf dem Flugfeld. Nach der Sicherung im Fahrzeug würde nun der Abtransport in eine klinische Einrichtung folgen, doch die Übung und damit eine für die Luftfahrzeugbesatzung und das Sanitätspersonal aufregende, wie auch lehrreiche Übung endet heute hier. Durch die realistische Darstellung des Szenarios konnten sich alle Teilnehmer neues Wissen erarbeiten und bereits bekanntes festigen. So konnten vor allem die Zusammenarbeit unterschiedlicher Teilbereiche sowie die Abstimmung und Kommunikation verschiedener Meldeketten verfeinert werden.

von Christian Haseloff

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