Tankstelle über den Wolken

Katar – Jordanien – USA: Der A400M in seiner Tankerrolle

Katar – Jordanien – USA: Der A400M in seiner Tankerrolle

  • Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Al-Asrak
Lesedauer:
4 MIN

Es ist Mitte der Woche in Jordanien. Die Sonne flammt auf, ehe sie wenig später hinter dem Horizont verschwindet. Die Propeller des A400M auf der Air Base rotieren. Langsam rollt der Flieger Richtung Startbahn, begleitet vom Brummen der Triebwerke biegt der Koloss auf die Piste ab. Die Maschine beschleunigt – ihre etwa 130 Tonnen lösen sich scheinbar mühelos vom Boden. In der seichten Abenddämmerung verschwindet der A400M. Er ist auf Mission: Betankung zweier französischer Rafale über dem Irak.

Ein Cockpit eines Flugzeuges. Durch die Scheiben scheint die untergehende Sonne.

Der deutsche A400M betankt vorwiegend französische Rafale, manchmal aber auch amerikanische F-18

Bundeswehr/Andreas Huesmann

Über 1.500 Kilometer Luftlinie entfernt sitzen diejenigen, die die Mission geplant haben und koordinieren – im multinational geführten Combined Air Operations Center (CAOCCombined Air Operations Centre) in Katar. Einer von ihnen ist ein deutscher A400M-Verbindungsoffizier. „Sobald eine Mission mit deutscher Beteiligung geplant wird, bin auch ich gefragt. Eine meiner Aufgaben besteht darin, die Informationen zwischen dem Bedarfsträger, also der anfragenden Nation – das sind bei uns hauptsächlich die Franzosen –, und dem Staffelkapitän im jordanischen Al-Asrak zu vermitteln“, erklärt der Verbindungsmann, der selbst auch Pilot ist.

So bekommt er beispielsweise jede Woche von den Franzosen eine Übersicht zu den geplanten Missionen ihrer Kampfflugzeuge. Dabei handelt es sich um die Flugplanungen der Rafale für die nächsten sieben Tage, die der Verbindungsoffizier an den Staffelkapitän in Jordanien weiterleitet.

Feinplanung in Jordanien

Im Vordergrund steht ein Soldat mit dem Rücken zum Bild. Im Hintergrund steht ein Transportflugzeug auf der Landebahn.

Der Staffelkapitän trägt die Verantwortung für das Personal und Material rund um den A400M

Bundeswehr/Elisabeth Schöneberg

In Jordanien führt der Staffelkapitän die Air Task Unit in Al-Asrak – den Bereich rund um den A400M. „Sobald ich den Bedarf unserer Koalition vorliegen habe, prüfe ich, welche Aufträge wir mit unserem Flieger wahrnehmen können, und melde das über unseren Verbindungsoffizier an die Tankerplanungszelle in Katar“, berichtet der erfahrene Pilot.

Bei seiner Prüfung berücksichtigt er zum einen, ob der A400M für den angefragten Zeitraum verfügbar ist. So kann es sein, dass das Luftfahrzeug bereits für einen Flug in den Irak geplant ist, um die eigene Truppe vor Ort zu versorgen. Zum anderen muss er die Flugdienst- und Ruhezeiten der Crew berücksichtigen. „Wenn wir nachts eine Mission geflogen sind, kann ich meine Leute nicht am nächsten Morgen erneut losschicken, ohne dass sie ausgeruht sind. Die sichere Rückkehr unserer Crews hat hier oberste Priorität.“ So ist es durchaus möglich, dass die Flugzeugbesatzung die Rafale nur morgens oder abends betanken kann.  

Sobald feststeht, welche Mission seitens A400M unterstützt werden kann, geht die Crew an die Feinplanung. Diese erfolgt für gewöhnlich einen Tag vor der geplanten Mission. Zu diesem Zeitpunkt liegt dem Staffelkapitän der Auftrag des Combined Air Operations Center vor – mit den Angaben zum Betankungsraum und zur benötigten Treibstoffmenge der Kampfjets. Bei der Feinplanung berechnet die Crew den Kraftstoffbedarf des A400M für die Betankung der Rafale, unter Berücksichtigung des eigenen Verbrauchs für den Hin- und Rückflug. Zeichnet sich bereits hier ab, dass die Menge an Kerosin knapp werden könnte, informiert der Staffelkapitän das CAOCCombined Air Operations Centre. Dieses definiert dann gegebenenfalls das Betankungsgebiet neu.

Wenn es kurzfristig anders kommt als geplant

Am Oberarm trägt ein Soldat auf seiner Uniform zwei Patches mit der Aufschrift „KINGPIN“ und „USAFCENT“

KINGPIN ist das Control and Reporting Center, über das die Kommunikation mit den Piloten in der Luft erfolgt

U.S. Air Force/Wolfram M. Stumpf

Die Betankungen machen nur einen Teil der Luftoperationen der internationalen Koalition zur operativen Bekämpfung des IS„Islamischer Staat“-Terrors im Nahen Osten aus. Manchmal kommt es dabei vor, dass sich der deutsche A400M bereits im Missionsraum befindet und die französischen Rafale ein neues Einsatzgebiet zugeteilt bekommen – während sie bereits in der Luft sind. Wann dieser Fall eintreten kann? Beispielsweise dann, wenn eine operierende Einheit am Boden unvorhergesehen Luftnahunterstützung braucht oder eine Drohne aufgeklärt worden ist. Allerdings kann auch das Wetter eine Änderung in der Flugplanung oder Betankungsreihenfolge verursachen.

Erfolgt eine Umplanung während einer andauernden Operation – oder aufgrund einer kurzfristigen Anfrage –, läuft die Kommunikation direkt über das amerikanische Control and Reporting Center (CRC). Das CRC ist organisatorisch ein Unterbereich des Combined Air Operations Center und befindet sich in den USA. Das Personal vor Ort ist für die Durchführung von Missionen verantwortlich und koordiniert gegenwärtige Szenarien direkt mit den Beteiligten.

Die Schleppschlauch-Korb-Technologie

Ein amerikanisches Kampfflugzeug in der Luft während eines Tankvorganges

Neben vielen europäischen Jet-Modellen wird auch die amerikanische F-18 über die Schleppschlauch-Korb-Technologie betankt

Bundeswehr/Andreas Huesmann

Die europäischen Jets, etwa die der Italiener und Briten, aber auch die USUnited States-amerikanischen F-18, die an Missionen für Counter Daesh teilnehmen, werden in der Luft über einen sogenannten Korb betankt. In der Regel nutzen die Nationen dafür ihre eigenen Tankflugzeuge, die unter anderem über die Schleppschlauch-Korb-Technologie verfügen.

Wie der deutsche A400M betanken sie damit Jets im Probe-Drogue-Verfahren. Der A400M kann in seiner Tankerrolle insgesamt über zwei Tonnen Kraftstoff pro Minute abgeben. Der Vorteil bei dieser Methode: Kampfflugzeuge wie die französischen Rafale oder amerikanischen F-18 können selbstständig zur Betankung andocken. Ein zusätzlicher Betankungsoperator als Teil der Crew im Betankungsflugzeug – wie beim Verfahren mittels starrem Ausleger oder Betankungsrohr – ist nicht mehr erforderlich.

von Elisabeth Schöneberg

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