Interview: Militärbeobachter in der Westsahara

Interview: Militärbeobachter in der Westsahara

  • Einsatz
  • MINURSO
Datum:
Ort:
Marokko
Lesedauer:
3 MIN

Oberstleutnant Michael H. gehört zum Zentrum Zivil-Militärische Zusammenarbeit in Nienburg und ist aktuell bei MINURSOThe United Nations Mission for the Referendum in Western Sahara in der Westsahara. Der Militärbeobachter ist in einem Camp auf der marokkanischen Seite der Demarkationslinie eingesetzt.

Im Interview spricht er über seine Aufgaben und die Bedingungen vor Ort. Nach Einsätzen auf dem Balkan und in Afghanistan ist dies bereits seine vierte Verwendung bei einer UNUnited Nations-Mission.

Was sind Ihre Aufgaben?

Im Schwerpunkt überwachen wir die Einhaltung des Waffenstillstands zwischen Marokko und der Frente Polisario sowie die Minen- und Munitionsräumung. Wir verschaffen uns durch Patrouillen ein Lagebild und prüfen, ob die gemachten Vorgaben eingehalten werden. Dies geschieht durch eine Vielzahl wöchentlicher Fahrzeug- und Helikopterpatrouillen, bei denen militärisches Gerät gezählt, Fotos gemacht, Daten und Informationen ausgewertet werden.

Wie sieht der Einsatzalltag im Camp aus?

Jedem Beobachter fallen im Camp zusätzliche Verwaltungsaufgaben zu, wie Transport-, Lebensmittel-, Feuer-Offizier oder Camp-Kommandant. Wir verwalten uns vor Ort praktisch selbst. Das ist notwendig, da die nächsten Camps zum Teil hunderte Kilometer entfernt sind. Ich bin aktuell Sicherheitsoffizier und stellvertretender Teamleiter, was auch das Training von Neuankömmlingen einschließt. Ich bereite die Patrouillenführer auf die zu besuchenden Einheiten oder Orte vor und werte deren Berichte aus. Zusätzlich laufen bei mir alle Mitteilungen, Anträge und Informationen der marokkanischen Armee für unseren Bereich auf – mit Masse in Französisch: so wird mir die Zeit nicht lang – in der Regel von morgens um ­ sieben Uhr bis in den späten Abend, Tag für Tag.

Eine Karte der Westsahara, die das Einsatzgebiet von MINURSO zeigt

Das Einsatzgebiet der Bundeswehr in der Westsahara (Infografik)

Bundeswehr

Wie laufen Patrouillen ab?

In zwei Fahrzeugen fahren wir morgens in unseren Verantwortungsbereich, der mit gut 15.000 Quadratkilometern fast so groß ist wie Schleswig-Holstein. Wir zeigen Präsenz, beobachten, erkunden das Gelände und steuern verschiedene Einheiten sowie deren Operationsbereiche an. Diese Fahrten sind unterschiedlich lang, können aber schon mal bis zu zehn Stunden dauern, da die Wüste ihre eigenen Regeln hat. Das Gelände hat von sandigen, flachen bis zu steinigen Berglandschaften ­einiges zu bieten und verlangt vom Team und von den Fahrzeugen viel. Bei Außentemperaturen im Juli und August bis zu 46 Grad machen da Klimaanlagen nach einiger Zeit schlapp. Häufige Reifenwechsel und Kamele, die den Weg kreuzen. Absolut lebenswichtig ist der sichere Umgang mit dem GPSGlobal Positioning System, da man ansonsten in der Wüste schnell die Orientierung ­verliert und Gefahr läuft, auf unsicheren Routen zu enden.

Was sind besondere Heraus­forderungen?

Nun, beim Einsetzen des Regens können Ziele teilweise nicht mehr erreicht werden – die Fahrzeuge bleiben einfach im Matsch stecken, oder bislang trockene Flussläufe führen wieder Wasser. Nach der Rückkehr werden die obligatorischen Berichte geschrieben, der Tag aufgearbeitet und die Vorbereitung auf den nächsten beginnt. Ein Wochenende gibt es nicht, Militärbeobachter zu sein, heißt: An sieben Tagen in der Woche raus in die Fläche.

Welche Erfahrungen machen Sie mit den Akteuren vor Ort?

Mein Ansprechpartner ist die marokkanische Armee. Das Verhältnis ist gut, vertrauensvoll und man respektiert sich. Die beiden anderen deutschen Offiziere sind auf der Ostseite der Demarkationslinie, in dem von der Frente Polisario kontrollierten Gebiet eingesetzt. Auch hier stellt sich nach meinem Wissen das Bild eines insgesamt reibungslosen Arbeitens dar.

Wie ist die Zusammenarbeit mit den anderen Nationen?

Unproblematisch, weil die Sache zählt. Toleranz und Teamgeist ist etwas, was von uns grundsätzlich erwartet wird, gerade im Zusammenleben und Arbeiten auf engstem Raum und bei zum Teil widrigen Bedingungen, wie extremer Hitze, Sandsturm oder ungebetenen Gästen, wie Skorpionen und Schlangen.

von Tilmann Engel

Mehr zum Thema

Kontakt für die Presse