211 Tage im Einsatz bei EUTM Mali

211 Tage im Einsatz bei EUTM Mali

  • Einsatz
  • EUTM Mali
Datum:
Ort:
Koulikoro
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9 Fragen an Volker Straubmeier

Oberstleutnant Volker Straubmeier

Sebastian Vogt

Herr Oberstleutnant Straubmeier, seit Mitte Oktober sind Sie im Einsatz bei der Europäischen Trainingsmission in Mali. Was für ein Fazit ziehen sie nach 211 Tagen?

211 Tage oder sieben Monate sind eine lange Zeit, in der sich sowohl hier in Mali als auch in Deutschland eine Menge verändert hat. Das 21. Deutsche Einsatzkontingent EUTM Mali war zwar aus bis zu 69 verschiedenen Einheiten in Deutschland zusammengesetzt, jedoch hat es in Mali eine homogene Einheit gebildet. Mir hat es vom ersten Tag an großen Spaß gemacht, das Kontingent zu führen und hier mit den Soldatinnen und Soldaten zu arbeiten. Es war mir nicht nur eine Freude, sondern auch eine Ehre, Kontingentführer sein zu dürfen. Ich werde in Zukunft gerne auf diese Zeit zurückschauen, denn ich konnte mich jederzeit auf meine Frauen und Männer verlassen!

Sebastian Vogt

Von den 211 Tagen waren Sie 143 Tage Kontingentführer des 21. Deutschen Einsatzkontingentes EUTM Mali. Welchen Herausforderungen mussten Sie sich in dieser Zeit stellen?

Die größte Herausforderung war ganz klar der Abbau der deutschen Sanitätseinrichtung Role 2 und die damit verbundene Rückführung des Materials nach Deutschland. Der ohnehin schon nicht ganz einfache logistische Auftrag wurde durch die hier herrschenden klimatischen Bedingungen sowie durch das Coronavirus nochmals erschwert. Trotz alledem haben es die Frauen und Männer in einer großartigen Gemeinschaftsleistung geschafft, alle notwendigen Maßnahmen in nur fünf Wochen zu meistern – ursprünglich geplant waren acht!

Außerdem bietet das internationale Arbeiten immer wieder Überraschungen, die zwar aufgrund von Unterschieden in Herkunft, Sprache und Erziehung ganz natürlich sind, die aber das Arbeiten in Mali immer wieder aufs Neue spannend und interessant gemacht haben. Parallel zu diesen beiden Besonderheiten haben wir das geleistet, was 20 Kontingente vor uns auch gemacht haben: Wir haben den malischen Streitkräften dabei geholfen, besser zu werden. Die Ausbildung der Malier wurde im 21. Kontingent forciert und sogar über den Jahreswechsel durchgeführt.

Mit Energie und viel Liebe zum Detail haben unsere Trainerinnen und Trainer ihr Wissen weitervermittelt. Ohne die Zuarbeit aus dem Stab der Education and Training Task Force sowie aus dem Bereich des deutschen nationalen Unterstützungselements wäre dies nicht möglich gewesen. Auch die professionelle Sanitätseinsatzkompanie hat ihren Anteil beigetragen, indem bewegliche Arzttrupps bereitgestellt wurden und die medizinische Versorgung der internationalen Soldatinnen und Soldaten jederzeit gewährleistet wurde. Von der Qualität der sanitätsdienstlichen Versorgung hat also nicht nur die Mission profitiert.

Sebastian Vogt

Gab es in dieser Zeit ein Ereignis, was Ihnen besonders in Erinnerung bleibt?

Besonders in Erinnerung bleibt mir das Kontingentantreten vom 20. März dieses Jahres. An diesem Tag musste ich verkünden, dass der Personalwechsel für EUTM Mali für drei Wochen ausgesetzt wird. Somit war auch klar, dass jede und jeder Einzelne von uns für drei Wochen auf seinem Dienstposten verlängert wird. Den Anblick der Gesichter meiner Soldatinnen und Soldaten werde ich wohl so schnell nicht vergessen. Nach dem kurzen Schock haben sich aber alle zusammengerauft und noch mehr an einem Strang gezogen, als sie dies ohnehin schon taten. Getreu dem Motto „Jetzt erst recht!“. Wir haben hier einen Auftrag, der weitergehen muss, und das haben alle verstanden und vorbildlich in ihren täglichen Dienst einfließen lassen.

Sebastian Vogt

Auf was sind Sie besonders stolz?

Besonders stolz bin ich auf meine Frau und meine drei Töchter, die mir zu Hause den Rücken freigehalten haben. Ohne diesen Rückhalt wäre jeder Einsatz doppelt so schwer. Stolz bin ich aber auch auf alle Angehörigen des 21. Deutschen Einsatzkontingentes EUTM Mali, die ihren Dienst vom ersten bis zum letzten Tag hochprofessionell verrichtet haben.

Sebastian Vogt

Wie haben Sie die Zusammenarbeit im internationalen Rahmen und mit den malischen Streitkräften erlebt?

Ich habe festgestellt, dass es ein Privileg ist, die deutsche Uniform tragen zu dürfen. Das habe ich bei der Arbeit im internationalen Umfeld in den vergangenen sieben Monaten hier in Mali sehr geschätzt. Das sehr gute Ansehen, das sich die Bundeswehr in den letzten sieben Jahren bei EUTM Mali erarbeitet hat und das wir Deutschen aufgrund langjähriger Projekte in Mali mit den malischen Streitkräften haben, ist ein Türöffner. Wir Deutschen sind insbesondere aufgrund unserer Gründlichkeit, aber auch aufgrund unseres Arbeitswillens gern gesehen. Mit Erstaunen musste ich feststellen, dass nicht nur innerhalb der malischen Streitkräfte die Befehlstaktik das Mittel der Wahl ist. Das uns bekannte Führen mit Auftrag, was in der Bundeswehr von klein auf gelehrt wird, ist in so mancher Nation kein Teil der Führungskultur.

Die Zusammenarbeit mit den malischen Streitkräften empfand ich trotz alledem als sehr angenehm. Die Malier sind zwar oftmals zurückhaltend, aber sehr wissbegierig und sie schätzen die Ausbildung der Europäischen Trainingsmission. Wenn die Ausbildung einmal begonnen hat, sind sie voll und ganz bei der Sache und saugen die Ausbildungsinhalte sprichwörtlich auf. Das zeigt auch die hohe Zahl der Lehrgangsteilnehmenden im ersten Quartal dieses Jahres. Außerdem finde ich es bemerkenswert, welch große Gelassenheit und Zufriedenheit die Malier im Allgemeinen an den Tag legen.

Sebastian Vogt

Was nehmen Sie an Erfahrungen für den täglichen Dienst mit nach Hause in die Gebirgsjägerbrigade 23?

„Nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird.“ Wir sollten uns im täglichen Dienst zu Hause wieder auf das Wesentliche beschränken und nicht in vielen Kleinigkeiten verzetteln. Manchmal hilft es, mit mehr Ruhe und Gelassenheit an Probleme heranzugehen, die man auf die Schnelle nicht lösen kann, und auch einmal mit dem zufrieden sein, was man hat. Die Einstellung der Malier ist da oftmals ein gutes Vorbild. Diese Erfahrung nehme ich auf jeden Fall mit in meinen täglichen Dienst in der Gebirgsjägerbrigade 23 in Bad Reichenhall.

Sebastian Vogt

Wie überall auf der Welt war auch in Mali COVID-19 ein Thema. Mit welchen Herausforderungen hatten Sie zu kämpfen?

Natürlich haben wir auch in Mali Maßnahmen zum Schutz aller Soldatinnen und Soldaten getroffen. Es sind ähnliche Maßnahmen, wie sie weltweit getroffen werden, wie Social Distancing, persönliche Hygiene und der Einsatz von Schutzaustattung. Die COVID-19-Pandemie hat uns im Deutschen Einsatzkontingent zusätzlich auf eine neue Art herausgefordert. Hier mussten wir mit der notwendigen Ruhe und Gelassenheit sowie soldatischer Professionalität auf teilweise gravierende Lageänderungen reagieren. Parallel dazu war und ist jede und jeder von uns auch durch seine Angehörigen in Deutschland betroffen. Hier hat das Kontingent Stärke und Charakter bewiesen, indem es sich selbst, den Angehörigen zu Hause, aber auch den Kameradinnen und Kameraden hier im Einsatz immer Mut zugesprochen hat.

Sebastian Vogt

Mit der anstehenden Übergabe endet Ihre Zeit in Mali. Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger für das 22. Deutsche Einsatzkontingent EUTM Mali?

Meinem Nachfolger wünsche ich, dass die Mission bald wieder den Ausbildungsbetrieb aufnimmt, damit er mit seinem Team seinen Hauptauftrag – die Ausbildung der malischen Streitkräfte – erfüllen kann. Natürlich wünsche ich ihm auch immer eine ruhige Hand in der Führung seiner Soldatinnen und Soldaten sowie das notwendige Soldatenglück für sein Kontingent.

Sebastian Vogt

Worauf freuen Sie sich zu Hause am meisten?

Auf meine Frau und meine drei Töchter! Nach sieben Monaten wird sich daheim viel verändert haben und ich bin gespannt, was sie mir alles erzählen werden. Natürlich freue ich mich auch auf ein frisch gezapftes fränkisches Bier im Steinkrug und ein Paar grobe fränkische Bratwürste im Brötchen.

von Sebastian  Vogt

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