Ich bin iM EINsatz: Taucherarzt bei Atalanta

Ich bin iM EINsatz: Taucherarzt bei Atalanta

  • Ich bin im Einsatz
  • Atalanta
Datum:
Ort:
Dschibuti
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat steht vor einem Medizinschrank und greift nach einer Packung Tabletten

Oberstabsarzt André K. ist der zuständige Truppenarzt und damit auch für die Ausgabe von Medikamenten zuständig

Bundeswehr/Patrick Hanf

Ich bin Oberstabsarzt André K. und 31 Jahre alt. Seit 2008 bin ich bei der Bundeswehr. Nach meinem Studienabschluss war ich zwei Jahre am Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz. Dort habe ich die Ausbildung zum Rettungsmediziner absolviert und mit der Facharztweiterbildung für Psychiatrie begonnen. Anschließend kam ich auf meine aktuelle Dienststelle als Taucherarzt der Sanitätseinsatzgruppe im Seebataillon in Eckernförde. Dort bin ich unter anderem für die tauchmedizinische Betreuung der Minentaucher und Teile der Marineinfanterie zuständig.
Ich bin das zweite Mal im Einsatz, aber das erste Mal bei Atalanta. Im Jahr 2019 war ich auf dem niederländischen Docklandungsschiff „Johan de Witt“ im humanitären Hilfseinsatz auf den Bahamas.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Drei Soldaten und eine Soldatin stehen nebeneinander mit den Armen auf dem Rücken verschränkt und schauen in die Kamera

Ein super Team: Oberstabsarzt André K. mit seinem Sanitätsteam

Bundeswehr/Patrick Hanf

Im Teilkontingent des Atalanta-Einsatzes bin ich als Truppenarzt und Taucherarzt eingesetzt und trage somit dazu bei, die medizinische Grundversorgung der eigenen Soldatinnen und Soldaten sicherzustellen. Aber auch für die internationale Gemeinschaft stellen wir die Tauchunfallbereitschaft, diesen Auftrag erledigen wir als vierköpfiges Team. Zusätzlich übernehmen wir überwachende Tätigkeiten, beispielsweise bei der Trinkwasser- und Lebensmittelhygiene, und auch die Mücken- und Tropenkrankheitsüberwachung liegt in unserem Arbeitsbereich. Meine zweite Aufgabe als Führer Deutsche Einsatzkräfte stellt insbesondere für mich als Arzt eine Abwechslung zu den gewohnten Tätigkeiten dar.

Ein typischer Tag sieht in der Regel so aus, dass nach der Neukrankensprechstunde das tägliche Überprüfen der medizinischen Geräte und der Taucherdruckkammer stattfindet. Außerdem werten wir täglich die aktuelle COVID-19Coronavirus Disease 2019-Lage im Einsatzland aus und melden diese nach Deutschland. Dazu kommt die Dienstaufsicht der unterstellten Bereiche. Gegen Ende des Tages, wenn die Temperaturen etwas sinken, ist außerdem noch Zeit für Sport.

Aufgrund der Erfolge der Operation Atalanta kommt es zu einer Neuausrichtung der Mission, was auch eine Anpassung der deutschen Kräfte ermöglicht. Eine große Aufgabe ist nun, den Rückbau der Einsatzliegenschaft vorzubereiten und die Rückverlegung der deutschen Kräfte zu planen – eine herausfordernde und spannende Tätigkeit, zumal dies bedeutet, dass ich zunächst der letzte Taucherarzt in Dschibuti sein werde. Nach knapp zwei Monaten im Einsatz blicke ich bereits jetzt auf eine schöne Zeit zurück, in der ich tolle neue Kameradinnen und Kameraden kennenlernen durfte, die alle hoch motiviert sind.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Vier Patches liegen auf einem Zettel, der auf einem Tisch liegt

Oberstabsarzt André K. hat im Einsatz gleich mehrere Funktionen

Bundeswehr/Patrick Hanf

Das Besondere an der Verwendung ist, dass es sich um ein breit gefächertes Arbeitsumfeld handelt: Ich bin Führer Deutsche Einsatzkräfte, Leitender Sanitätsoffizier, Leiter der Role 1 , Truppenarzt und Taucherarzt. Dieses breite Spektrum erlaubt mir einen Blick über den Tellerrand und ermöglicht es mir, mich persönlich weiterzuentwickeln und wichtige Erfahrungen für mein ganzes Leben zu sammeln. Besonders interessant ist zudem der multinationale Austausch vor Ort. Beispielsweise findet regelmäßig eine organisierte Fortbildung durch USUnited States-amerikanische Sanitätskräfte statt, an der Soldatinnen und Soldaten aus Japan, Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland teilnehmen. Dort werden die verschiedensten Themen abgedeckt – von der Behandlung von Giftschlangenbissen bis hin zur Akupunktur auf dem Gefechtsfeld. Die internationalen Kontakte, die dadurch geknüpft werden können, sind einmalig und machen meine Tätigkeit dadurch zu etwas ganz Besonderem.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meine Familie und meine Partnerin. Durch die in Deutschland gültigen COVID-19Coronavirus Disease 2019-Einschränkungen bemerke ich den hiesigen Verzicht auf alltägliche Unternehmungen und Aktivitäten aber kaum. Doch die persönliche Nähe zu geliebten Personen fehlt mir deutlich. Auch wenn Afrika eine wunderschöne Landschaft hat, erwecken Fotos von schneebedeckten Wäldern aus der Heimat die Sehnsucht nach der heimischen Natur und kühleren Temperaturen. Als gebürtiger Rheinländer würde ich, falls so etwas stattfinden würde, das Karnevalstreiben vermissen.
Ich freue mich auch schon wieder auf das heimische Essen und darauf, im Frühling mit meinem Motorrad durch die Eifel zu fahren oder im eigenen Bett auszuschlafen und den ganzen Tag lang nichts zu tun.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für den Rest des Einsatzes wünsche ich uns allen viel Gesundheit und Erfolg. Möge die bis jetzt wirklich gelebte Kameradschaft genauso bestehen bleiben und mögen wir alle sicher zurück nach Hause kommen. Im Anschluss an den Einsatz wird das Jahr wahrscheinlich sehr arbeitsreich weitergehen. Mitte 2022 gehe ich zurück ins Krankenhaus zum Abschluss meiner Facharztweiterbildung. Doch zunächst arbeite ich die neuen Kollegen ein und bereite eine bevorstehende Übung vor.
Liebe Grüße gehen an meine Kameradinnen und Kameraden im Seebataillon und im Krankenhaus sowie an meine Familie und meine Partnerin.

von André K.

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