Ich bin iM EINsatz: Ausbildungsplanung im Libanon

Ich bin iM EINsatz: Ausbildungsplanung im Libanon

  • Ich bin im Einsatz
  • UNIFIL
Datum:
Ort:
Naqura
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein beiger Rucksack mit der Beschriftung N7 steht auf einer kleinen Mauer. Im Hintergrund wehen drei Flaggen

Ohne den Rucksack geht nichts: Dank ihm ist Fregattenkapitän Marc F. bereit, schnell einzugreifen, wenn es irgendwo stockt

Bundeswehr/Tim Gabrys

Moin Moin, ich bin Fregattenkapitän Marc F., 46 Jahre alt und in Deutschland im Marinekommando in der Abteilung Einsatz tätig. Angefangen habe ich als Offizieranwärter im Jahr 1994. Im Anschluss an die Ausbildung an der Marineschule Mürwik habe ich Diplom-Sportwissenschaften in München studiert und bin zum Wachoffizier auf Minenjagdbooten sowie als Minentaucheroffizier ausgebildet worden.
Als letzte Verwendung in meiner 13-jährigen Dienstzeit war ich Kompaniechef in der 2. Kompanie der Marineschutzkräfte, dem heutigen Seebataillon.

Von Sommer 2007 bis 2016 hat mich das Leben nach meiner ersten Dienstzeit nach Schweden verschlagen, um dort nach einem Aufbaustudium an der Stockholmer Universität als gymnasialer Deutsch- und Sportlehrer tätig zu sein. Meine Frau und unsere beiden Töchter sind Schwedinnen. Im Jahr 2016 bin ich wieder in die Bundeswehr eingestiegen, war erst als Stabsoffizier im Einsatzführungskommando und bin jetzt im Marinekommando tätig. Der Einsatz in der UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon Maritime Task Force ist mein zweiter. 2017 war ich bereits bei UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon als Chef des Stabes in Limassol auf Zypern.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat sitzt in einem Büro am Computer. Die Wände hängen voll mit Skizzen, Notizen und Seekarten

Hier erkennt man die Hauptaufgabe von Fregattenkapitän Marc F. ganz deutlich: Planung, Planung, Planung

Bundeswehr/Tim Gabrys

In der Maritime Task Force (MTFMaritime Task Force) bin ich für die Ausbildung der libanesischen Marine und für die fünf MTFMaritime Task Force Schiffe beziehungsweise Boote verantwortlich. Zwar nicht auf dem Papier, aber im Herzen bin ich außerdem der Stabszugführer für alle deutschen Unteroffiziere und Mannschaften und – last, not least – der Sportlehrer für alle hier im deutschen Kontingent, was meinem Studium und der zehnjährigen Berufserfahrung als Lehrer geschuldet ist. Unser Trainings-Team setzt sich aus vier Soldaten zusammen. Sie führen unter anderem die Ausbildung an der Offiziersschule in Jounieh durch.

An sieben Tagen in der Woche startet der Tag mit einem Becher Kaffee und kurzen Gesprächen. Anschließend beginnen die Briefings, die in Zeiten von COVID-19Coronavirus Disease 2019 alle per Computer stattfinden. Gegen halb elf folgt die Planung der nächsten Tage für alle Einheiten, dies ist der weitaus spannendere Part. Was dabei vor allem zählt, ist Flexibilität, Innovation, Ideenreichtum und Ruhe bewahren. Im Libanon heißt es diesbezüglich einfach „inschallah“, sprich: „So Gott will“.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Zwei Soldaten mit Mund-Nasen-Schutz stehen auf einem Marineschiff

Fregattenkapitän Marc F. plant die Ausbildung der libanesischen Marine und Kapitänleutnant Jens W. bildet diese aus

Bundeswehr/UNIFIL MTF

Es bringt unheimlich viel Spaß, mit den verschiedenen Nationen zusammenzuarbeiten, und insbesondere die enge Kooperation mit den libanesischen Streitkräften ist motivierend. Trotz der aktuellen politischen sowie wirtschaftlichen Probleme sind die libanesischen Kameraden sehr motiviert und schätzen unsere Unterstützung sehr. Als Deutscher wird man hier im Libanon sehr warm empfangen. Was uns als Team freut, ist das enorm positive Feedback der Einheiten. Aber auch die sachliche Kritik ist wichtig, um noch besser zu werden.
Motivierend ist ebenso die gute und produktive Stimmung im derzeitigen Kontingent hier in Naqoura, was die lange Abwesenheit von zu Hause und die vorherrschenden Entbehrungen hier vor Ort erträglicher macht. Kurzum: Mit guter Kameradschaft ist vieles möglich und Kameradschaft ist für solch einen Einsatz wie hier im Libanon unter den sehr schwierigen Bedingungen zurzeit extrem wichtig.

Das vermisse ich hier am meisten.

Natürlich vermisse ich meine Familie. Mir fehlen meine Frau, unsere beiden Töchter, unsere zwei Hunde und meine Kumpels. Während ich hier tagtäglich dienstbedingt Abwechslung habe, fällt meiner Familie aufgrund der derzeitigen Coronapandemie wohl die sprichwörtliche Decke auf den Kopf. Gern würde ich zu Hause unterstützen und meiner Frau helfen, die gegenwärtige Situation gemeinsam zu bewältigen. Wie schön wäre es, einfach mal mit der Familie an den mecklenburgischen Stränden entlangzulaufen und sich ordentlich den Wind um die Nase pusten zu lassen. Hier haben wir zwar das Mittelmeer zum Greifen nahe, nur leider trennt uns ein Zaun von diesem und somit ist es trotz der Nähe unerreichbar.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Soldat steht vor einem Zaun, dahinter das Mittelmeer

Fregattenkapitän Marc F. freut sich darauf, zu seiner Familie und in seine Heimat Mecklenburg-Vorpommern zurückzukehren

Bundeswehr/Tim Gabrys

Über allem steht die Gesundheit der Familie. Privat wünsche ich mir, dass ich gesund nach Hause komme, meine Frau in die Arme nehmen und ihr sagen kann, wie großartig sie die letzten fünf Monate alles allein gemeistert hat. Auf diesen Augenblick freue ich mich schon seit Tagen und Wochen. Nach der COVID-19Coronavirus Disease 2019-bedingten Isolierung von zehn Tagen geht es dann hoffentlich zum Campen und Kiten an die schönsten Spots in Mecklenburg-Vorpommern.

Aus dienstlicher Sicht wünsche ich mir, dass es trotz der schwierigen Bedingungen hier im Libanon weiterhin gelingt, Aufgaben, Bedingungen und Lösungen zu finden, die der libanesischen Marine für die Zukunft weiterhelfen. Dazu zählt der Einsatz jedes Einzelnen hier vor Ort. Und genau das ist es auch, worin wir die Soldatinnen und Soldaten in Deutschland in der Einsatzausbildung richtig ausbilden und worauf wir sie vorbereiten müssen: Es kommt auf jeden Einzelnen an, egal wo und als was er oder sie für die Bundeswehr tätig ist!

von Marc F.

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