Ich bin iM EINsatz: Decksgast im UNIFIL-Einsatz

Ich bin iM EINsatz: Decksgast im UNIFIL-Einsatz

  • Ich bin im Einsatz
  • UNIFIL
Datum:
Ort:
in See
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein deutscher UNIFIL Soldat blickt durch ein Fernglas an Bord einer Korvette, im Hintergrund ist die tief stehende Sonne

Die Wetterphänomene sind auf See beeindruckender als an Land: Im Decksdienst kann man das hautnah erleben

Buneswehr/PAO UNIFIL

Ich bin Stabsgefreiter René B., 23 Jahre alt und Decksgast an Bord der Korvette „Ludwigshafen am Rhein“. Zurzeit befinde ich mich im östlichen Mittelmeer im UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon-Einsatz.

Ursprünglich komme ich aus der Nähe von Hannover, inzwischen wohne ich in Rostock. Nach der Realschule bin ich als Soldat auf Zeit für vier Jahre zur Marine gegangen. Die Ausbildung zum Decksgast habe ich an der Marinetechnikschule in Parow gemacht, danach bin ich für zwei Jahre auf der Fregatte „Sachsen“ zur See gefahren. Mit der „Sachsen“ bin ich bereits viel herumgekommen: Ich war unter anderem in Schottland, Irland und Norwegen, aber auch im Auslandseinsatz EUNAVFOREuropean Union Naval Forces MEDMediterranean Operation „Sophia“ im Mittelmeer. Ein Einsatz, den ich nicht so schnell vergessen werde: Einmal haben wir 400 Personen aus Seenot gerettet.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Marinesoldat rollt die dicken Taue auf eine große Trommel auf

Wenn die Korvette in See ist, sind die Festmacherleinen unter Deck, damit sie nicht den Witterungseinflüssen ausgesetzt sind

Bundeswehr/PAO UNIFIL

Auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht irreführend erscheint: Das Wort Decksgast hat nicht das geringste damit zu tun, Zaungast zu sein. Ganz im Gegenteil: Zum einen fällt mir die Aufgabe des Rudergängers zu, das bedeutet, dass ich das Schiff auf Befehl des Wachoffiziers fahre. Außerdem findet man mich im Ausguck auf der Brücke und bei allen seemännischen Manövern. Das sind zum Beispiel die An- und Ablegemanöver, Person-über-Bord-Manöver, Ankern oder die Seeversorgungsmanöver – zum Beispiel die Übergabe eines Postbeutels.

Ein Schiff, das beständig den Kräften des Meeres ausgesetzt ist, muss natürlich sorgsam gepflegt werden. Auch diese Aufgabe fällt in den Arbeitsbereich des Decksdienstes. Dazu gehört das gründliche Reinigen, um Salz zu entfernen, genauso wie Farbarbeiten, um Rost zu vermeiden. Meine wichtigsten Arbeitsgeräte? Alle Taue und Leinen an Bord. Das kann eine dünne Leine sein, die für den Postbeutel ausreicht, oder eine dicke Festmacherleine, welche die Korvette sicher an der Pier vertäut.

Mir gefällt die große Vielseitigkeit meines Jobs an Bord. Kein Tag, an dem ich nicht irgendetwas Neues erlebe! Die Arbeitstage auf See sind lang: Acht bis zwölf Stunden täglich bin ich mit meiner Wache auf der Brücke und steuere die Korvette oder ich überwache mit dem Fernglas die See im Sichtbereich. Bei entsprechender Bedrohung besetze ich das Maschinengewehr an Oberdeck, um Speedboote im Nahbereich abzuwehren.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Soldaten stehen an Oberdeck und haben mit Leinen und einem Postbeutel eine Verbindung zu einem anderen Boot hergestellt

Bei einer Postbeutelübergabe müssen die beiden Boote sehr dicht nebeneinander fahren, außerdem ist Teamwork gefragt

Bundeswehr/PAO UNIFIL

Ich glaube, es gibt keine vielseitigere Tätigkeit bei der Marine als den Decksdienst. In See bin ich sowohl auf der Brücke als auch an Oberdeck im Einsatz. Somit bin ich einen Großteil der Zeit draußen und erlebe Wind und Wellen auf dem Meer so hautnah wie kaum jemand sonst an Bord.

Der Decksdienst ist noch echte Handarbeit und nur im Team zu schaffen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Soldat mit Gefechtshelm und Schutzweste steht an Bord einer Korvette und blickt durch ein Fernglas

Steigt die Bedrohung, schützen sich die Soldaten an Oberdeck mit Gefechtshelm und Schutzweste

Bundeswehr/PAO UNIFIL

Hier an Bord ist man nie alleine. Wir sind etwa 60 Personen auf einer Korvette, die 89 Meter lang ist. Das ist nicht viel Platz dafür, dass man dort für über vier Monate lebt und arbeitet. Nur wenn ich den Vorhang meiner Koje zuziehe, bekomme ich ein wenig Privatsphäre. Das wird dann auch von allen Kameradinnen und Kameraden respektiert. Trotzdem freue ich mich in Deutschland wieder auf mein Kingsize-Bett und einen gemütlichen Fernsehabend mit meiner Freundin.



Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Marinesoldat auf der Brücke einer Korvette nutzt das Funkgerät

Für die Kommunikation der Schiffe untereinander ist das Funkgerät die erste Wahl

Bundeswehr/PAO UNIFIL

Ich grüße alle Seefahrerinnen und Seefahrer sowie meine Familie, auf deren Wiedersehen ich mich nach meinem Einsatz sehr freue. Ganz besonders grüße ich natürlich meine Freundin, die mich mit meinem Auto am Flughafen abholen wird. So schön es auf See auch sein mag: Dann kann ich endlich wieder mein eigenes Auto fahren!

von René B.

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