Militärpfarrer

Ich bin iM EINsatz: Seelsorge bei UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon

Ich bin iM EINsatz: Seelsorge bei UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon

  • Ich bin im Einsatz
  • UNIFIL
Datum:
Ort:
Naqoura
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Militärgeistlicher steht vor mehreren Flaggenmasten, im Hintergrund Häuser und das Meer

Militärdekan Torsten Stemmer vor den Flaggen der an der MTFMaritime Task Force UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon beteiligten Nationen neben dem Deutschen Haus

Bundeswehr/Dennis Keßler

Mein Name ist Torsten Stemmer, ich bin 39 Jahre alt und momentan als katholischer Militärseelsorger beim deutschen Einsatzkontingent UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon. Im Juni 2017 bin ich als Militärpfarrer zur Bundeswehr gekommen. Zunächst am Standort Wilhelmshaven, seit März 2021 als Militärdekan beim katholischen Militärpfarramt Rostock. So liegt der Schwerpunkt meiner Arbeit bei der Marine, vorrangig in der Seefahrtbegleitung – zunächst bei der Einsatzflottille 2 in Wilhelmshaven, nun vor allem beim 1. Korvettengeschwader in Warnemünde, beim Marinekommando in Rostock sowie beim Taktischen Luftwaffengeschwader 73 „Steinhoff“ in Laage.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz

Ein Militärgeistlicher hält eine Messe ab. Im Hintergrund ist das Meer

Vor einmaliger Kulisse: Militärdekan Torsten Stemmer hält eine Sonntagsmesse vor internationalen Gästen

Bundeswehr/Dennis Keßler

Als Militärseelsorger begleiten wir Soldatinnen und Soldaten in den Einsatz. Genau wie im Grundbetrieb leiste ich damit Seelsorge für alle am Arbeitsplatz, unabhängig von Konfession oder Glauben. Hier im Einsatz ist die Situation viel intensiver als am Heimatstandort. Dazu kommt die Trennung von Familie und Freunden sowie das Leben in fremder Umgebung und auf engem Raum.

Natürlich feiern wir hier sonntags einen Gottesdienst. Oftmals kann er vor malerischer Kulisse im UNUnited Nations-Camp mit Blick auf das Mittelmeer stattfinden. In der Predigt versuche ich, die Bibel in Verbindung mit den Erlebnissen und aktuellen Ereignissen im Einsatz auszulegen. Durch die für die ganze „Militärgemeinde“ gleiche Lebenswelt kann ich hier oftmals viel gezielter „den Nerv“ der Menschen treffen. Ich bin also mittendrin statt nur dabei. Dadurch bin ich als Militärseelsorger jederzeit für alle Soldatinnen und Soldaten ansprechbar. Oft ergeben sich Gespräche aus kleinen alltäglichen Begegnungen am Parkplatz, beim Essen, im Stabsgebäude oder beim Einkaufen.

Insgesamt ist das Aufgabengebiet der Militärseelsorge hier sehr vielfältig: Gottesdienste, soziale Aktionen, Fürsorge für Soldatinnen und Soldaten in Corona-Isolation, Gespräche, Austausch, internationale Kontakte, aber auch Beratung mit der Führung, gerade in Bezug auf die Pandemie, bilden ein reiches Spektrum. Kein Tag ist wie der andere. Und oft kommt noch etwas hinzu, womit niemand gerechnet hat. So bleibt es spannend, herausfordernd, aber auch immer bereichernd und vor allem erfüllend, weil ich hier das tun kann und darf, wofür ich Priester und Seelsorger geworden bin.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders

Ein Militärdekan unterhält sich mit einer Soldatin und einem Soldaten, im Hintergrund das Meer

Aus zufälligen Begegnungen im Alltag entwickeln sich oftmals Gespräche

Bundeswehr/Dennis Keßler

Die größte Besonderheit meinen Dienstposten betreffend ist die absolute Unabhängigkeit. Genauso wie im Heimatbetrieb sind wir Militärseelsorger keine Soldaten. Wir behalten auch im Einsatz unseren zivilen Status. Dadurch sind wir von militärischen Befehlen und Weisungen unabhängig. Außerdem unterliege ich keinerlei Unterstellungsverhältnissen. Das verschafft mir die Möglichkeit, unterschiedslos zu allen Soldatinnen und Soldaten eine Vertrauensbasis aufzubauen. Das Seelsorgegeheimnis gilt natürlich auch im Einsatz. Gespräche mit dem Seelsorger sind und bleiben absolut vertraulich. Dadurch können wir Themen besprechen, für die im Dienst oder im Kameradenkreis kein Platz ist.

Bei einem UNUnited Nations-Einsatz bildet die internationale Zusammenarbeit natürlich einen wichtigen Faktor. Wegen der gemeinsamen Sprache sind Kontakte zum österreichischen Pfarrer recht einfach. Auch kann man sich gut gegenseitig zu Gottesdiensten einladen oder aushelfen, wenn nur ein deutschsprachiger Seelsorger vor Ort ist. Aber auch Kontakte zu Seelsorgern anderer Nationen – beispielsweise Irland oder Frankreich – sind spannend und gewinnbringend.

Ein besonderes Highlight sind Besuche bei örtlichen Kirchengemeinden. Natürlich leidet der internationale Austausch im Moment auch unter den Corona-Restriktionen.
Religion und Glaube spielen natürlich nicht die Hauptrolle in der UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon-Mission und in der Einsatzplanung. In all den dienstlichen Notwendigkeiten des Einsatzgeschehens haben wir Militärseelsorger aber eine wohltuende Sonderrolle, die schon im Grundbetrieb zu Hause einzigartig ist. Hier im Einsatz wird der Wert dieser Institution oftmals sehr wertgeschätzt – und das über alle Konfessions- und Religionsgrenzen hinaus. Das freut mich immer wieder!

Das vermisse ich hier am meisten

Zuallererst vermisse ich natürlich Treffen mit der Familie und Freunden sowie mein ehrenamtliches Engagement bei den Maltesern, wo ich seit vielen Jahren nicht nur als Seelsorger, sondern auch als Rettungssanitäter aktiv bin. Zudem sind wir hier natürlich – genauso wie in Deutschland – von der Corona-Pandemie betroffen. Die notwendigen Einschränkungen erschweren den sozialen Austausch im Kontingent und auch mit den internationalen Partnern im UNUnited Nations-Camp und im Libanon. Dadurch gehen natürlich (was ja auch das Ziel ist) die persönlichen Kontakte deutlich zurück. Für mich als Seelsorger macht das meine Arbeit natürlich nicht einfacher. Insofern vermisse ich hier im Moment vor allem die vielen engen Kontakte, gemeinsame Veranstaltungen und Events.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße

Ein Militärgeistlicher und ein Soldat bereiten eine Flagge zum Hissen vor, im Hintergrund das Meer

Eine eher außergewöhnliche Tätigkeit für Militärdekan Torsten Stemmer: Er hilft dem Spieß beim Hissen des Admiralstanders

Bundeswehr/Dennis Keßler

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland freue ich mich darauf, meine Eltern und meine Brüder mit ihren Familien sowie Freunde und Bekannte wieder treffen zu können. Auch hoffe ich darauf, dass der Frühling dann so langsam Fahrt aufnimmt und auch die ein oder andere Motorradtour möglich sein wird. Und natürlich gibt es auch schon Planungen für den Urlaub, der nach einer einsatzbedingten Abwesenheit von rund fünf Monaten auch sehr wichtig sein wird.

von Torsten  Stemmer

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