Ich bin iM EINsatz: Zwischen zwei Welten

Ich bin iM EINsatz: Zwischen zwei Welten

  • Ich bin im Einsatz
  • UNIFIL
Datum:
Ort:
Jounieh
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat sitzt am Laptop und lächelt in die Kamera

Basis einer erfolgreichen Wissensvermittlung: ein motivierter und gut gelaunter Ausbilder

Bundeswehr/Tim Gabrys

Hallo, mein Name ist Sebastian Z., ich bin 47 Jahre alt, verheiratet und wohne mit meiner Frau und unseren beiden Jungs im Umland der Hansestadt Rostock. Eigentlich bin ich Kriminalbeamter im Zollfahndungsdienst in Mecklenburg-Vorpommern. Mehrmals im Jahr wechsle ich für einige Wochen meinen Dienstherren und gehe zur Bundeswehr. Vor meinem Einsatz war ich im Bereich für Zivil-Militärische Zusammenarbeit im Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin tätig. Jetzt aber bin ich im deutschen Einsatzkontingent UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon, wo ich Ausbilder für die libanesische Marine bin – und das bereits zum dritten Mal. Kriminalbeamter und Bundeswehrsoldat im Wechsel, geht das denn überhaupt? Ja, in meiner Dienstbehörde geht das und ich finde es sinnvoll und nachahmenswert.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat vor einem Unterkunftscontainer der libanesischen Marineschule

Abwechslung zum Zollfahndungsdienst: Sebastian Z. genießt die Zeit in der libanesischen Marineschule in Jounieh

Bundeswehr/Markus Fischer

Wer wie ich im Dienst als Kriminalbeamter oft mit den Schattenseiten der Gesellschaft konfrontiert wird, der braucht dazu auch mal etwas Abstand. So freue ich mich regelrecht auf meine Zeit bei der Bundeswehr, sei es im Landeskommando Mecklenburg-Vorpommern oder an der Marineschule der libanesischen Marine in Jounieh. Auch in meinem Zivilberuf bin ich zeitweise Ausbilder oder „nebenamtlicher Lehrender“, wie es dort heißt. Die Ausbildung macht mir tatsächlich sehr viel Spaß. Dass hier im Libanon alles in englischer Sprache stattfindet und manchmal auch Hände und Füße gebraucht werden, um den Lehrstoff zu vermitteln, macht die Sache noch spannender. Es funktioniert auch erstaunlich gut. Die Soldatinnen und Soldaten der libanesischen Marine sind uns gegenüber sehr aufgeschlossen. Sie ausbilden zu können ist eine lohnende Herausforderung.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat mit blauem VN-Barett steht mit verschränkten Armen vor einem Bürocontainer

Hauptbootsmann Sebastian Z. hofft darauf, dass die Maßnahmen zur Verbesserung der Ausrüstung und Ausbildung nachhaltig sind

Bundeswehr/PAO UNIFIL

Wir bilden aber nicht nur aus, wir unterstützen die libanesische Marine auch bei Instandsetzungsmaßnahmen an Bord oder auch innerhalb der Marineschule in Jounieh. Wir versuchen beispielsweise, vorhandene Mängel oder Lücken der Ausrüstung zu beseitigen. Persönlich bin ich stolz darauf, dass ich ein Mitglied jenes Teams sein durfte, das die Ausbildung nach fast einem Jahr pandemiebedingter Zwangspause wiederaufnehmen durfte. Ich gehörte im letzten Jahr zu denjenigen Kameraden, die das Ausbildungskommando pandemiebedingt schließen mussten. Ich hoffe, dass möglichst bald wieder Vollzeit an der Marineschule in Jounieh unterrichtet werden kann und nicht wie derzeit lediglich drei bis vier Tage pro Woche. Für mich war es eine wertvolle Zeit vor Ort. Viele Erfahrungen, die ich hier sammeln konnte, kann ich auch in meinem Zivilberuf nutzen.

Das vermisse ich hier am meisten.

Wie alle Kameradinnen und Kameraden, die sich im Auslandseinsatz befinden, vermisse ich natürlich meine Familie und meine Freunde, sogar einige meiner Kolleginnen und Kollegen. Wie alle anderen hoffe auch ich auf ein baldiges Leben ohne das Coronavirus, dass meine Familie gesund bleibt und ich sie bald wieder in den Arm schließen kann. Wenn man die Lebensverhältnisse hier vor Ort erlebt, so „erdet“ diese Erfahrung einen doch erheblich und man weiß die Vorzüge unseres Lebens zu Hause umso mehr zu schätzen. Sicherlich hilft die sehr gute Kameradschaft im Kontingent über viele Dinge hinweg, aber für Familie, Heimat und Freunde gibt es keinen Ersatz.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ich kann mir gut vorstellen, in zwei bis drei Jahren nochmals in den Libanon zu kommen, um zu sehen, ob all die Maßnahmen, die wir derzeit anschieben, auch umgesetzt wurden und zum Erfolg geführt haben. Das ist für mich eine spannende Frage und genau diesen Erfolg würde ich mir für die Menschen vor Ort sowie die libanesische Marine wünschen.

von Sebastian Z.

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