Watchkeeper bei UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon

Ich bin iM EINsatz: Das Bindeglied zwischen Schiff und Stab

Ich bin iM EINsatz: Das Bindeglied zwischen Schiff und Stab

  • Ich bin im Einsatz
  • UNIFIL
Datum:
Ort:
Naqoura
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Eine Soldatin steht im Camp Martin vor einem Flaggenmast und blickt in die Kamera

Obermaat Michelle P. ist in der Heimat Navigationsunteroffizier und bestreitet im Libanon ihren ersten Auslandseinsatz

Bundeswehr/Andreas Voßen

Moin und schöne Grüße aus dem sonnigen UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon-Einsatz in Naqoura. Ich bin Michelle P., 23 Jahre alt und werde hier als Watchkeeper in der Maritime Task Force (MTFMaritime Task Force) eingesetzt. Im Sommer 2017 bin ich in die Bundeswehr eingetreten und seitdem Navigationsunteroffizier bei der Marine in Wilhelmshaven. Normalerweise gehöre ich zu einer Besatzung, die auf Fregatten der „Baden-Württemberg“-Klasse fährt. Mit dieser war ich zwar noch nicht im Einsatz, nahm aber bereits an zwei mehrtägigen Übungsfahrten teil. Die Teilnahme an UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon ist mein erster Einsatz und das erste Mal, dass ich fast sechs Monate von zu Hause weg bin.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz

Hier bei der MTFMaritime Task Force bin ich einer von vier Watchkeepern, die rund um die Uhr im Schichtdienst arbeiten. Wir wechseln uns im acht-Stunden-Rhythmus ab, ein Watchkeeper unterstützt zusätzlich im Tagesdienst. Nach einer Woche wechseln wir die Schichten. Unser Auftrag ist es, zu jeder Zeit die Kommunikation zwischen den UNUnited Nations-Schiffen in See und dem MTFMaritime Task Force-Stab sicherzustellen. Konkret erstellen wir unter anderem Lageberichte, die sogenannten Situational Reports, oder führen regelmäßig Funküberprüfungen mit den Schiffen in See durch. Da wir aktuell nur vier Schiffe hier im Einsatz haben, übernehmen wir ab und zu auch Aufgaben, die sonst an Bord ausgeführt werden. Seit Neuestem befindet sich unser Arbeitsplatz im Naval Operations Center (NOC), dessen Aufgaben vom UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon-Hauptquartier an die MTFMaritime Task Force übertragen wurden. Das bedeutet für uns Watchkeeper, dass wir mehr Verantwortung als zuvor übernehmen. Ich bin darauf gespannt, wie sich das Ganze hier einpendelt.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders

Michelle P. steht neben einer Wand, auf die sie den Schriftzug UNIFIL, einen Anker und die zwei Flaggen gemalt hat

Die Gestaltung einer Wand im Aufenthaltsbereich bot Michelle P. eine willkommene Abwechslung zu ihrer fordernden Arbeit

Bundeswehr/Andreas Voßen

Am besten an diesem Landeinsatz gefällt mir das Gemeinschaftsgefühl. Gemeinsame Spiele- oder Filmabende schaffen einen guten Ausgleich zu unserem anspruchsvollen Dienst. Außerdem finde ich es toll, dass wir diesen Ort selbst mitgestalten können. So haben wir Watchkeeper einen kleinen Garten mit Erdbeeren, Chillies und Pfefferminze vor unserem Büro angepflanzt. Leider hält der Zaun um das Beet, die vielen Katzen hier im Camp, nicht davon ab darin zu spielen. Aber wir finden noch eine Lösung. Ebenso haben wir uns unseren Unterkunftsbereich schön gemacht. Es wurden Bänke aus Paletten gebaut und die Außenwände des Schutzbunkers gestrichen. Daran konnte ich mich im Anschluss kreativ auslassen und habe ein Anker mit dem UNIFILUnited Nations Interim Force in Lebanon-Schriftzug sowie der deutschen und libanesischen Flagge gemalt.

Das vermisse ich hier am meisten

Rückenansicht auf Michelle P., die an einen Zaun gelehnt aufs Meer blickt und telefoniert. Im Hintergrund ein Kriegsschiff.

Regelmäßige Telefonate mit den Lieben zu Hause sind für die 23-Jährige Pflicht

Bundeswehr/Andreas Voßen

Ich war lange Zeit die einzige Frau im Kontingent und habe, so banal es klingt, Gespräche mit Kameradinnen vermisst. Umso mehr habe ich mich gefreut, als vor kurzem weitere Soldatinnen hierherkamen. Ansonsten vermisse ich natürlich meine Familie, ganz besonders bei Ereignissen wie Geburtstagen, einer Erstkommunion oder generell an Feiertagen, bei denen ich leider nicht anwesend sein kann oder konnte. Außerdem vermisse ich meine Wohnung. Mir ist hier erst bewusst geworden, was wir für einen Luxus in Deutschland haben. Da müssen wir das Toilettenpapier nicht in den Mülleimer werfen oder nach draußen gehen, um zum Duschcontainer zu gelangen. Das ist natürlich alles nicht schlimm, aber doch gewöhnungsbedürftig.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße

In der Heimat möchte ich meine Wohnung neu streichen, neue Möbel kaufen und umdekorieren. Das konnte ich ja jetzt ein halbes Jahr lang nicht machen. 
Ich wünsche mir, dass das deutsche Kontingent auch weiterhin viel unternimmt, um das Camp und die Unterkünfte noch wohnlicher zu machen. Abschließend möchte ich als älteste Schwester noch meine drei Brüder grüßen. Hört auf Mama und Papa und packt im Garten mit an!

von Michelle P.

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