Ich bin iM EINsatz: Berater an der Afghan National Academy

Ich bin iM EINsatz: Berater an der Afghan National Academy

  • Ich bin im Einsatz
  • RSM
Datum:
Ort:
Kundus
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten deutsche Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr weltweit täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Soldat steht vor Hügelkette und Camphallen

Ein Taktiktutor im Einsatz. Oberstleutnant E. ist einer von zwei deutschen Beratern für die afghanische Führerausbildung in Qargha

Bundeswehr / PAO TAAC N

Ich bin Oberstleutnant Michael E., 53 Jahre alt, Panzergrenadier und in Deutschland Ratgeber in der Heeresstabsoffizierausbildung in Hamburg. Dies ist mein dritter Auslandseinsatz und der zweite Einsatz in Afghanistan. 2003 gehörte ich zu den ersten 27 Soldaten, die das  Provincial Reconstruction Team in Kunduz von den Amerikanern übernahmen.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Soldat wartet in voller Montur vor einem militärischen Fahrzeug

Ready to go. Am sogenannten „Dutch barn“ wartet Michael auf den geschützten Transport in das benachbarte Akademiegelände

Bundeswehr / PAO TAAC N

An der afghanischen Command and Staff Academy, bin ich für die Beratung meiner ‚Advisees‘ im Zuge der Neuanlage, Planung, Durchführung und Nachbereitung von Lehrgängen zuständig. Diese Akademie ist eine Einrichtung, die für die afghanischen Heeresoffiziere vergleichbare Ausbildungen durchführt wie die der Bundeswehr. Schwerpunkt meiner Tätigkeit ist die Unterstützung der afghanischen Ausbilder bei ihren Planungen und Vorbereitungen.

Die ausgebildeten afghanischen Kameraden werden danach häufig nach Deutschland geschickt, um Lehrgänge im Rahmen der Offizierausbildung, bis hin zum Kommandeurlehrgang zu besuchen. Auch eine Ausbildung im Generalstabs- und Admiralstabsdienst International, an der Führungsakademie der Bundeswehr, ist möglich.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Soldaten steigen aus einem militärischen Fahrzeug aus und sammeln sich

Multinational im Team unterwegs. Gemeinsam mit den australischen Kameraden an der Akademie angekommen, geht es gleich zügig in das Stabsgebäude

Bundeswehr / PAO TAAC N

Camp Qargha ist von der Ausdehnung geradezu zwergenhaft, wir haben viele Nationalitäten vor Ort und müssen uns rücksichtsvoll einrichten. Das Ganze führt dazu, dass es hier sehr familiär zugeht. Der Lage etwas außer- und oberhalb von ‚Kabul-Downtown‘ ist es allerdings auch zu verdanken, dass wir für Kabul verhältnismäßig ordentliche Luftverhältnisse haben.

Ein ‚Standard-Einsatztag‘ beginnt für mich gegen 04:45 Uhr, mit Sport und einem einstündigen Workout. Dabei kann ich mich sehr gut gedanklich auf den Tag vorbereiten. Frisch geduscht und gestärkt nach einem Frühstück gehe ich zum Morgen-Update, in dem die neuesten Sicherheitsinformationen und sonstige Themen, die unser Auftrag mit sich bringt, besprochen werden. Anschließend verlegen wir zur Academy, wo wir mit unseren afghanischen Kameraden die jeweiligen Ausbildungsvorhaben angehen. Die Verantwortung liegt bei den Afghanen. Wir beraten aber, geben Feedback und stehen mit Rat und Tat zur Seite. Nachmittags werden durch die Ausbilder und Lehrgangsteilnehmer natürlich neben der Nachbereitung zusätzlich weitere Aufträge in Angriff genommen. Nach dem Abendessen und letzten Nachbereitungen ist es Zeit für ausführliches Telefonieren oder Skypen, sodass man sich mit den daheim gebliebenen austauschen kann. Dann geht es nach kurzer Nachtruhe wieder in den nächsten Einsatztag.

Das vermisse ich hier am meisten.

Bundeswehrsoldat sitzt gemeinsam mit afghanischem Soldat, zum Gespräch auf einer Couch

Im lockeren Gespräch mit dem afghanischen Counterpart werden oft wichtige Informationen ausgetauscht. Vertrauen ist die Basis für eine gute Beratung

Bundeswehr / PAO TAAC N

Am meisten vermisse ich meine Frau und meine Kinder, sowie besonders das gemeinsame Tanzen, dem meine Frau und ich in unserer Freizeit viel Aufmerksamkeit widmen. Selbst Haus und Garten sind Themen, die einem hier tatsächlich fehlen. Ebenso fehlen die anderen lieben Menschen aus Familie, dem Freundeskreis und auch die Kameraden zuhause– aber die Vorfreude auf ein Wiedersehen ist bekanntlich die schönste Freude.

Wenn ich wieder zuhause bin, werde ich ganz sicher das frische Grün der Natur und schöne Grillabende genießen.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Soldat sitzt in einem Raum und hört konzentriert einem Redner zu

Auch zuhören und beobachten, wie hier auf einer Abschlussveranstaltung zum Lehrgangsende, gehören zu den Aufgaben eines Beraters

Bundeswehr / PAO TAAC N

Nach meiner Rückkehr werde ich zunächst mit meiner Familie Urlaub machen. Vermutlich ab Oktober steige ich dann wieder in die Taktikausbildung angehender Stabsoffiziere des Heeres ein. Das wird erneut sehr spannend.

Ich möchte neben meinen Kameraden der Fakultät Landstreitkräfte an der Führungsakademie der Bundeswehr, dem Hörsaal 5 und dem Tanzlehrer von meiner Frau und mir (Andreas, Du wirst echte Aufbauarbeit leisten müssen…) vor allem meine Frau sowie meine Tochter und meinen Sohn grüßen – ich freue mich auf Euch.

von Michael E.

Mehr zum Thema