Ich bin iM EINsatz: Für das tägliche kleine Glück

Ich bin iM EINsatz: Für das tägliche kleine Glück

  • Ich bin im Einsatz
  • RSM
Datum:
Ort:
Masar-i Scharif
Lesedauer:
3 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Zwei Soldaten stehen in einer Lagerhalle mit Paletten voller Getränkedosen, einer hält eine Liste und einen Stift in der Hand

Gelungenes Teamwork: Gemeinsam lassen sich neue Aufgaben und Herausforderungen viel leichter bewältigen

Bundeswehr/Lisa Walter

Ich heiße Eike-Sebastian H., bin 36 Jahre jung und leiste momentan meinen Dienst beim Kommando Streitkräftebasis in Bonn. Dort bin ich beim Informationssicherheitsbeauftragten der Streitkräftebasis eingesetzt, im Bereich Awareness und Risikomanagement.
Dies ist bereits mein vierter Auslandseinsatz. Nach meinem ersten Einsatz 2004 in Bosnien-Herzegowina folgte 2014 der zweite in Usbekistan. Vier Jahre später ging ich nach Jordanien in den Einsatz. Von diesen unterschiedlichen Einsätzen geprägt, in denen ich viel gelernt habe, bin ich jetzt in Afghanistan bei Resolute Support und stelle mich einem neuen Aufgabengebiet.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Zwei Soldaten mit Mund- Nasen-Bedeckung stehen an einem Tresen und betrachten verschiedene Uhren

Hauptfeldwebel Eike-Sebastian H. trägt in seiner Funktion eine große Verantwortung für Personal und Material

Bundeswehr/Lisa Herpel

Hier in Masar-i Scharif im Camp Marmal  ist es meine Aufgabe, die Kameradinnen und Kameraden im Einsatzland mit Waren zu versorgen. Ich sorge dafür, dass Produkte des täglichen und persönlichen Bedarfs zur Verfügung stehen – von Schokolade bis Zahnbürste. Salopp gesagt ist der Marketender ein großer Kiosk, in dem bei der Auswahl von knapp 500 Produkten alle fündig werden.

Die meiste Arbeit geschieht hinter den Kulissen und bleibt für viele im Verborgenen. Aufgrund von COVID-19Coronavirus Disease 2019 arbeiten wir derzeit lediglich in einem Team aus drei Soldaten und bewirtschaften Ware in einem Wert von knapp 200.000 Euro pro Monat. Unser Einkaufsladen mag nach außen hin unscheinbar erscheinen, es steckt jedoch viel Arbeit, Fleiß, Engagement und Zusammenarbeit mit anderen Teileinheiten darin.

Wir sehen uns als ein Teil der Betreuungseinrichtungen. Jede und jeder Angehörige des Einsatzkontingents kommt früher oder später zu uns. Wann immer es gewünscht wird oder notwendig ist, stehen wir mit Rat und Tat zur Seite. Aus den Gesprächen erfahren wir oft eine hohe Wertschätzung für unsere Arbeit. Auf diese Weise leisten wir unseren Beitrag, um die entbehrungsreiche Zeit fern der Heimat etwas angenehmer zu gestalten.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ich stelle mich gern neuen Herausforderungen und hier habe ich erneut eine gefunden: Ich stelle mich einer völlig fremden Aufgabe mit großer Verantwortung für Personal und Material, angetrieben von dem festen Willen, etwas zu erreichen.

Die Corona-Pandemie hat auch den Nachschub der Ware beeinflusst. Lkw- und Schiffstransporte waren lange Zeit nicht möglich, da nahezu alle Länder ihre Grenzen geschlossen hatten. Inzwischen normalisiert sich der Transportweg wieder und es freut mich zu sehen, wie sich die Soldatinnen und Soldaten an den wieder aufgefüllten Regalen erfreuen.

Zusätzlich konnte ich dank eines glücklichen Zufalls eine weitere Aufgabe übernehmen, das „Picture of the day“. Dahinter verbirgt sich eine Aktion, bei der täglich ein außergewöhnliches Bild veröffentlicht wird. Mein Ziel ist es, jeden Tag ein Motiv zu finden, das viele überrascht und den Kameradinnen und Kameraden eine Freude bereitet. Ich wachse an meinen Aufgaben und kann nach den viereinhalb Monaten meines Einsatzes sagen, wieder mein Bestes gegeben zu haben.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Mann fotografiert mit einer Kamera in Richtung Himmel, im Hintergrund ist der Sonnenuntergang zu sehen

Das leidenschaftliche Hobby von Eike-Sebastian H. ist die Fotografie, das kommt auch anderen im Einsatz zugute

Bundeswehr/Marc Keil

Natürlich fehlen mir meine Familie und Freunde, allerdings ist es ja eine absehbare Zeit der Distanz. Außerdem vermisse ich wirklich die frische Luft nach einem Regenschauer.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Für die restliche Zeit meines Auslandseinsatzes ist es mir besonders wichtig, meine Aufgaben bestmöglich zu Ende zu bringen sowie ein gut eingespieltes Team und ein funktionierendes System an unsere Nachfolger zu übergeben. Meine Priorität jedoch ist es, gesund an Körper und Geist zurück nach Hause zu kehren.
Nach dem Auslandseinsatz warten viele Aufgaben auf mich. Dazu gehört beispielsweise, meinen 30 Jahre alten Audi wieder fit zu machen, mein alten BMW zum „Café Racer“ umzubauen und beruflich den Wechsel in die Laufbahn der Offiziere anzugehen.
Doch zuerst nehme ich mir Zeit für mich selbst und meine Liebsten, denn Gesundheit und Familie sind unersetzbar.

von Eike-Sebastian H.

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