Ich bin iM EINsatz: der „Allrounder“ im Camp Teslar

Ich bin iM EINsatz: der „Allrounder“ im Camp Teslar

  • Ich bin im Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Al-Asad
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat sitzt im Bürocontainer an seinem Arbeitsplatz

Zur Materialbewirtschaftung oder zur Kommunikation mit multinationalen Kräften auf der Basis steht Büroarbeit auf der Agenda

Bundeswehr/Stefan Thomas

Ich bin Hauptfeldwebel Felix S., bin 30 Jahre alt und lebe in Jessen in Sachsen-Anhalt. Meine militärische Heimat liegt in Holzdorf in Brandenburg, das glücklicherweise nur 15 km von meinem Heimatort entfernt ist. Hier leiste ich täglich meinen Dienst bei der Einsatzunterstützungsstaffel 34 als Radar-Elektronik-Feldwebel.
2010 bin ich in die Bundeswehr eingetreten. Im Jahr 2015 habe ich dann einen Laufbahnwechsel und eine zivile Aus- und Weiterbildung zum Elektroniker für Geräte und Systeme absolviert.
In meinem ersten Einsatz in Al-Asad im Irak war ich bereits beim Aufbau des deutschen Camp Teslar mit dabei. Aktuell befinde ich mich in meinem zweiten Einsatz beim 4. Kontingent des Taktischen Unterstützungselement Luftraumüberwachung.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Zwei Soldaten stehen vor einigen Kisten mit Material

Wenn neues Material im Camp ankommt, steht erst die Bestandsaufnahme und anschließend die Verteilung in die Bereiche an

Bundeswehr/Stefan Thomas

Hier im Einsatz bin ich tatsächlich der „Allrounder“ und daher würde ich meinen Aufgabenbereich als sehr vielseitig und abwechslungsreich bezeichnen. Da wir hier unter dem Motto „Minimum Footprint“ vorgehen, ist es notwendig mit einer möglichst geringen Anzahl von Personal höchstmöglichen Erfolg zu erzielen. Das bedeutet, dass jeder von uns mehrere Aufgabenbereiche abdecken muss.
Zum Beispiel bin ich im Prinzip der „Spieß“ für unser kleines Kontingent, gleichzeitig aber auch der Stellvertreter für das Taktische Unterstützungselement der Luftraumüberwachung. Damit aber nicht genug – mit Unterstützung aus Jordanien kümmere ich mich um die Materialbewirtschaftung sowie die Annahme und den Versand von Material. Aufgrund meiner Technikerausbildung fungiere ich für die vierköpfige Technikercrew als eine Art Supervisor und somit bin ich letztlich nur für die Überwachung zuständig. Für die multinationalen Vertreter der anderen Streitkräfte bin ich der Ansprechpartner, ähnlich wie ein Sergeant Major in den USUnited States-Streitkräften. In dieser Funktion sitze ich vielen internationalen Briefings bei.
Viele meiner Aufgaben sind absolutes Neuland für mich und basieren nur auf dem Wissen meiner Vorgänger, aber das macht die Einsatzverwendung hier aus und ich stelle mich täglich immer wieder aufs Neue gerne diesen Herausforderungen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Zwei US-Soldaten und ein deutscher Soldat stehen vor einem Lkw und dahinter befindet sich das Radargerät

Die Unterstützung der USUnited States-Streitkräfte ist enorm wichtig. Daher muss der ständige Kontakt gepflegt werden.

Bundeswehr/Stefan Thomas

Die tägliche Zusammenarbeit mit den anderen Nationen hier in Al-Asad erweitert meinen persönlichen Horizont. Momentan zeigen mir die vorbereitenden Arbeiten zum Aufbau einer Traglufthalle, wie wichtig es ist, multinational Schulter an Schulter zu arbeiten. Der Auftrag ist etwas ganz Besonderes, da wir in einem Kleinstkontingent die Aufgaben in und um die Stellung des Radars meistern müssen.
Für mich persönlich ist mein Einsatz hier natürlich auch aus dem Grund etwas ganz Besonderes, weil ich bereits im 1. Kontingent hier sein konnte. Ich durfte das Ganze mit aufbauen durfte. Das schafft einen völlig anderen Bezug und kommt meiner aktuellen Verwendung sehr zugute.

Das vermisse ich hier am meisten.

Grundsätzlich fühle ich mich hier sehr gut versorgt, dennoch fehlt mir meine Verlobte und selbstverständlich auch meine Familie und meine Freunde. Aber meine Lieben zuhause sind meine dienstlichen Abwesenheiten bereits ein Stück weit gewohnt.
Daheim bewohne ich mit meiner Verlobten ein eigenes Haus und diese Privatsphäre und die spontanen Unternehmungen vermisse ich hier schon. Ja, und dann ist da das Essen. Auf Dauer fehlt einfach die Abwechslung. Wir haben hier zwar noch die Möglichkeit, bei den Amerikanern zum „Subway“ zu gehen, aber selbst das ersetzt auf die lange Zeit gesehen nicht das reichhaltige und abwechslungsreiche Essen daheim.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Soldat steht im militärischen Camp Teslar. Hinter ihm befindet sich das Luftraumüberwachungsradar

In Deutschland ist Felix S. für das Radar RAT31 verantwortlich. Im Irak ist er der „Allrounder“ im Kontingent.

Bundeswehr/Stefan Thomas

Da ich bei der Planung und zurzeit in die vorbereitenden Arbeiten zum Bau einer Traglufthalle eingebunden war und bin, hoffe ich sehr, dass ich auch das Errichten der Halle und damit die Fertigstellung des Projektes miterleben darf.
Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, nicht wieder in den Sommermonaten hier zu sein. Das hat weniger mit den klimatischen Bedingungen des Einsatzlandes zu tun, vielmehr aber mit der Tatsache, dass ich den Sommer in Deutschland verpasse. Der Sommer 2022 hat schon jetzt eine besondere Bedeutung für mich: Im Juli des kommenden Jahres wollen meine Verlobte und ich uns das Ja-Wort geben. Das will auf jeden Fall gefeiert werden.
Letzteres bringt mich zum Zeitpunkt meiner Rückkehr. Unmittelbar im Anschluss darf ich nämlich meinen Geburtstag feiern. Darauf freue ich mich sehr. Weiterhin hoffe ich sehr, dass es die Corona-Situation im Herbst zulassen wird, dass wir in den Urlaub fahren können.
Langfristig gesehen möchte ich nach meiner aktiven Zeit bei der Bundeswehr eine Ausbildung zum Investmentberater absolvieren, um im Anschluss in der zivilen Wirtschaft mein Berufsglück zu finden. Last but not least – Schöne Grüße nach Hause und bleibt gesund!

von Felix S.

Mehr zum Thema