Ich bin iM EINsatz: Unterstützer für die Radaranlage in Al-Asad

Ich bin iM EINsatz: Unterstützer für die Radaranlage in Al-Asad

  • Ich bin im Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Al-Asad
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Ein Soldat steht in einem Bundeswehrcamp vor Sandsäcken und einer Radaranlage

Hauptmann Jean Pierre H. ist als Führer eines Luftraumüberwachungsradars im Irak eingesetzt

Bundeswehr/Hülya Hoyer-Distel

Ich bin Hauptmann Jean Pierre H., 30 Jahre alt und komme gebürtig aus dem Ruhrgebiet. Im August 2010 bin ich als Offiziersanwärter zur Bundeswehr gekommen und habe meine Ausbildung in Fürstenfeldbruck an der Offiziersschule der Luftwaffe begonnen. In Deutschland bin ich derzeit als Luftlageoffizier in der Einsatzführungsstaffel 33 in Holzdorf/Schönewalde eingesetzt.
Nachdem mein Chef in der Einheit von dem Einsatz Counter Daesh erzählt hatte, habe ich mich gründlich mit der Thematik beschäftigt. Ich fand es spannend, dass ein Radar aus unserem eigenen Verband zum ersten Mal außerhalb Europas, nämlich im Irak, eingesetzt wird. Und da hier in Al-Asad die Möglichkeit besteht, ein eigenes Teilkontingent zu führen, habe ich mich freiwillig für meinen ersten Einsatz gemeldet.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat sitzt am Computer und telefoniert über das Headset

Hauptmann Jean Pierre H. an seinem Arbeitsplatz im Einsatz

Bundeswehr/Hülya Hoyer-Distel

Hier im Einsatz bin ich als Führer Deutsche Kräfte Taktisches Unterstützungselement Luftraumüberwachungsradar eingesetzt. Das klingt zunächst kompliziert, aber im Grunde leite ich ein Team, das die Radaranlage RAT 31 DL/MD-Band long range / mobil am Laufen hält. Dieses Radar liefert rund um die Uhr Daten zur Erstellung eines Luftlagebildes, das in der Operation Inherent Resolve im Kampf gegen Daesh genutzt wird.
Meine Aufgabe ist es, insbesondere den Kontakt zu unseren multinationalen Partnern zu halten, da wir als kleines Team auf ihre Unterstützung angewiesen sind. So bin ich viel auf der Base unterwegs und lerne sehr viele Menschen kennen, sowohl Soldatinnen und Soldaten anderer Nationen als auch Zivilangestellte. Aufgrund unseres kleinen Teams fallen beinahe alle Stabsgebiete in meinen Aufgabenbereich. Hier findet sowohl eine enge Zusammenarbeit mit dem Nachrichtenwesen der Norwegischen Kräfte, als auch mit den Pionieren der USUnited States-Kräfte statt.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein deutscher Soldat erhält eine Urkunde von einem norwegischen Soldaten. Sie schütteln sich die Hände

Jean Pierre H. erhält eine Urkunde von einem norwegischen Soldaten, da er an einem multinational geleiteten Marsch teilgenommen hat

Bundeswehr/Hülya Hoyer-Distel

Was meine Tätigkeit hier besonders macht, ist die Motivation und Möglichkeit, etwas zu bewegen. Wir sind eben nur ein ganz kleines Team und leben hier im Irak in etwas bescheideneren Verhältnissen – vor allem verglichen mit den größeren Camps in Erbil oder Al-Asrak in Jordanien. Deswegen erfüllt es mich mit großem Stolz, dass wir aus so wenig so viel machen. Momentan arbeiten wir daran, uns aus ehemaligen Wohncontainern einen schönen Aufenthaltsraum herzurichten. Das schweißt als Team schon sehr zusammen. Wann immer möglich, erhalten wir auch Hilfe von anderen Nationen auf der Al-Asad Airbase. Unsere Währung besteht dabei vor allem aus Patches, die wir zum Dank überreichen.
Überhaupt ist der Austausch mit den Kameradinnen und Kameraden der anderen Nationen äußerst wichtig für uns. Beispielsweise finden regelmäßig sportliche Aktivitäten statt. Ich habe bereits an verschiedenen Märschen und Läufen teilgenommen. Wir haben im Zuge der Hilfe gegen Kinderlähmung auf der Al-Asad Air Base gemeinsam 300.000 Flaschendeckel gesammelt – für mich ist dies ein klares Sinnbild unseres Zusammenhalts.

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meine kleine Familie daheim. Mein Sohn ist jetzt drei Jahre alt, also in einem Alter, in dem so vieles passiert. Zum Glück bekomme ich über Videotelefonie zumindest etwas von zu Hause mit. Meine Verlobte regelt daheim alles alleine. Das macht mich sehr stolz. Selbstverständlich freue ich mich schon darauf, sie bald wieder vor Ort unterstützen zu können. Kulinarisch freue ich mich sehr auf ein frisches Mettbrötchen mit ordentlich Knoblauch. Das Essen hier ist zwar interessant, da es multinational geprägt ist, aber die deutsche Küche vermisse ich schon sehr.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Soldat steht vor einer weißen halbrunden Halle in einem Camp

Hauptmann Jean Pierre H. steht vor der Traglufthalle für das Radar RAT 31

Bundeswehr/Johannes Watzke

Für die restliche Zeit im Einsatz habe ich noch einige offene Aufträge und Pläne. Wir erhalten beispielsweise noch ein Maingate, das in den nächsten Wochen errichtet werden soll. Des Weiteren läuft derzeit das Projekt „Traglufthalle“ auf der Al-Asad Airbase. Diese Halle wurde zum Schutz unseres Radars in den vergangenen Wochen aufgestellt. Auf meinem aktuellen Tagesplan steht außerdem der Umzug der Radaranlage in die Traglufthalle. Ich werde mich bemühen, für das Projekt “Hochmobile Infrastruktur“ (HMI) noch eine Genehmigung der USUnited States-Kräfte vor Ort einzuholen. Die damit einhergehende neue Infrastruktur würde unseren Schutz und damit unsere Lebens- und Arbeitsbedingungen deutlich verbessern.
Abschließende Grüße möchte ich an meine kleine Familie sowie meinen Bekanntenkreis in Deutschland ausrichten. Auch wenn ich die Arbeit hier auf der Radaranlage ohne Zweifel vermissen werde, bin ich glücklich, bald wieder mit euch Zeit verbringen zu können.

von Jean Pierre H.

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