Ich bin iM EINsatz: Ein Spezialist der Feldjägertruppe

Ich bin iM EINsatz: Ein Spezialist der Feldjägertruppe

  • Ich bin im Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Al-Asrak
Lesedauer:
4 MIN

Auf drei Kontinenten und zwei Weltmeeren: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Ich bin iM EINsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.

Zwei Soldaten steigen in einen Bus ein. An der Bustür empfängt sie ein Soldat

Soldatinnen und Soldaten kommen aus Deutschland mit dem A400M in Jordanien an. Christian B. empfängt sie als Erster am Bus

Bundeswehr/Stefan Thomas

Ich bin Oberfeldwebel Christian B. und stamme aus der Nähe von Augsburg. Vor 25 Jahren wurde ich in Bayern geboren und wohne bis heute in Lechfeld. Durch meinen Vater, Berufssoldat bei der Luftwaffe, hatte ich meinen ersten Kontakt zur Bundeswehr. Ich entschied mich für eine zivile Ausbildung als Fluggerätemechaniker bei der Bundeswehr. Nach meinem erfolgreichen Abschluss entschloss ich mich wenige Jahre später, Soldat auf Zeit zu werden, und trat die Ausbildung zum Feldjägerfeldwebel an. Während der insgesamt sehr umfangreichen Ausbildung zum Feldwebel konnte ich mich als Erheber und Ermittler spezialisieren. Wenn ich zum Zuge komme, handelt es sich meist um die Ermittlung von Straftaten. In Deutschland gehöre ich der 7. Kompanie des Feldjägerregiments 3 in Ulm an. In dieser Funktion bin ich ebenfalls hier bei Counter Daesh eingesetzt.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Ein Soldat mit Klemmbrett und Warnweste steht in der Wüste vor einem Schutzbau, den mehrere Soldaten betreten

Oberfeldwebel Christian B. wird bei Übungen auch als Auswerter eingesetzt, hier bei einer Alarmübung vor einem Schutzbau

Bundeswehr/Stefan Thomas

Auch wenn mein Dienst in der Regel jeden Tag im Büro beginnt, ist kein Tag wie der andere. Wir sind ein fünfköpfiges Feldjägerteam und decken das gesamte in Jordanien geforderte Aufgabenspektrum der Feldjäger ab. Meine Aufgaben umfassen das Durchführen von Belehrungen und Ausbildungen, das Sicherstellen der Pass- und Visaangelegenheiten sowie die Aufrechterhaltung der militärischen Ordnung und Disziplin. Oft arbeite ich mit unseren multinationalen Partnern zusammen. Gerade im Camp Sonic unterstützen wir die belgischen und niederländischen Streitkräfte.

Natürlich kommt es vor, falls nötig, auf Regeln und Vorschriften hinweisen zu müssen. Doch der enge Kontakt zum gesamten Kontingentpersonal und den jeweiligen Disziplinarvorgesetzten zeigt mir, dass die Feldjäger sehr gut im gesamten Team integriert sind. Sollten sich dennoch strafrechtliche Vorfälle vor Ort ereignen, werde ich auf Antrag der zuständigen Disziplinarvorgesetzten bei den Erhebungen und Ermittlungen am Ereignisort eingesetzt. Das Ziel ist es dann, eine unverzügliche, gründliche und gerichtsverwertbare Aufklärung des Sachverhaltes zu ermöglichen. Die erzielten Ergebnisse und Beweise werden dem ermittelnden Vorgesetzten zur Verfügung gestellt. Dieser entscheidet gegebenenfalls auch über eine Weitergabe an weitere Stellen. In der Hoffnung, dass ein solcher Fall nie eintreffen wird, ist es dennoch von höchster Wichtigkeit, permanent Fort- und Weiterbildungen in diesem Bereich durchzuführen.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Ein Soldat steht seitlich von einem Feldjägerfahrzeug und erklärt dieses. Vor ihm stehen weitere Soldatinnen und Soldaten

Gern stellt Oberfeldwebel Christian B. den Soldatinnen und Soldaten die Ausrüstung sowie das Feldjägerfahrzeug vor

Bundeswehr/Stefan Thomas

Das Besondere an meiner Tätigkeit ist neben der multinationalen Zusammenarbeit der tägliche Kontakt zu allen Soldatinnen und Soldaten im Einsatzkontingent. Der Einsatz hier in Jordanien ist für mich der erste und somit sammle ich täglich neue Erfahrungen. Was ich weiterhin als sehr besonders empfinde, sind die regelmäßigen Dienstfahrten zur Erledigung der Pass- und Visaangelegenheiten aller Soldatinnen und Soldaten des Kontingentes in die jordanische Hauptstadt Amman – jede Fahrt ist aufs Neue ein Erlebnis. Allein die etwa 90-minütige Fahrt durch die Wüstenlandschaft ist schon beeindruckend. Trifft man einmal persönlich auf die jordanische Bevölkerung, so spürt man schnell ihre freundliche Art. Die Jordanier sind zuvorkommend und sehr interessiert an uns Deutschen. Wenn wir im Team unterwegs sind, empfinde ich es als sehr vorteilhaft, dass wir Feldjäger uns bereits vorher kannten. Das macht einiges im täglichen Dienstgeschäft einfacher, da wir sehr gut aufeinander eingespielt sind und uns somit stets aufeinander verlassen können.

Das vermisse ich hier am meisten.

Ein Soldat trägt einen sterilen weißen Anzug sowie Handschuhe und Schutzbrille. Er stellt Spuren an einer Tür sicher

In seiner Spezialisierung als Erheber und Ermittler trägt er einen speziellen und sterilen Anzug, um Spuren nicht zu verfälschen

Bundeswehr/Stefan Thomas

Mein erster Einsatz hier und die damit verbundene Einsatzzeit machten mir schnell klar, was oder wen man am meisten vermisst. In erster Linie vermisse ich meine Familie und meinen Freundeskreis. Natürlich existierten bereits vor meinem Einsatz aufgrund der Coronapandemie einige Einschränkungen in Deutschland, dennoch ist es kein Vergleich zu hier. Auf Dauer fehlt mir die spontane Möglichkeit, unterschiedlichen Freizeitaktivitäten nachzugehen oder sich einfach mit Freunden zu treffen. Dabei möchte ich aber die hier gewonnenen Erfahrungen nicht missen. Das macht eben den Einsatz aus und unterscheidet ihn vom Routinedienst in Deutschland. Auf Dauer drücken diese Einschränkungen dennoch aufs Gemüt, gerade wenn man wie ich das Reisen im Allgemeinen sehr mag. Spontane Städtetrips ins bayerische Umland oder auch gern mal ins Ausland stehen bei mir weit vorn auf der Beliebtheitsliste. Und zu guter Letzt vermisse ich das gute bayerische Essen – Käsespätzle sind mein Lieblingsgericht. 

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Ein Soldat sitzt mit einer Warnweste in einem Schutzbau im Rahmen einer Übung. Im Hintergrund sitzen mehrere Übungsteilnehmende

Oberfeldwebel Christian B. wird bei Übungen auch als Auswerter eingesetzt, hier bei einer Alarmübung in einem Schutzbau

Bundeswehr/Stefan Thomas

Bereits in wenigen Wochen geht mein Einsatz hier bei Counter Daesh zu Ende. Das Schöne an diesem Einsatz ist, dass wir als Feldjägerteam gemeinsam zurück nach Deutschland verlegen. In den nächsten Wochen gilt es, sich neben dem Routinedienst auch auf die bevorstehende Übergabe an die Nachfolger vorzubereiten, damit diese reibungslos vonstattengeht. Nach meiner Rückkehr freue ich mich erst einmal auf meine Wohnung und auf ein Glas Wein in meiner gewohnten Umgebung und die damit verbundene Ruhe. Bevor ich jedoch die Heimreise antrete, möchte ich ganz besonders meine Familie in Bayern und meinen gesamten Freundeskreis grüßen. Grüße sende ich auch an meinen Stammtruppenteil, das Feldjägerregiment 3 in Ulm. Ich freue mich sehr darauf, euch alle bald gesund wiederzusehen. Abschließend wünsche ich mir, dass alle Kameradinnen und Kameraden aus diesem Einsatz in Jordanien sowie aus allen anderen Einsatzgebieten gesund und munter nach Hause zurückkehren.

von Christian B.

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