Ich bin iM EINsatz: Der „Munitioner“ in Al-Asrak

Ich bin iM EINsatz: Der „Munitioner“ in Al-Asrak

  • Ich bin im Einsatz
  • CD/CBI
Datum:
Ort:
Al-Asrak
Lesedauer:
3 MIN

Von Afrika bis zum Kosovo, auf zwei Weltmeeren und in Afghanistan: In unterschiedlichen Einsatzgebieten leisten unsere Soldaten täglich ihren Dienst. Doch was tun sie genau vor Ort? Was ist ihre spezielle Aufgabe? Was bewegt sie, was treibt sie an? In der Serie „Mein Einsatz“ stellen wir einige von ihnen ganz persönlich vor.


Ich bin Stabsunteroffizier Orkan T., 38 Jahre alt und komme aus dem schönen Schleswig-Holstein. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Bei der Bundeswehr wurde ich zum Munitionssystemtechnischen Unteroffizier oder wie man in der Truppe sagt – „Munitioner“ ausgebildet. Seit 2015 ist das Taktische Luftwaffengeschwader 51 in Jagel meine militärische Heimat. Zu meinen Aufgaben gehört die Wartung, Instandsetzung und Inspektion sämtlicher eingesetzter Munition im Verband. Für mich ist das der fünfte Einsatz. Zuvor war ich bereits dreimal in Jordanien und einmal in der Türkei als Munitioner.

Das ist meine Aufgabe im Einsatz.

Orkan T. sitzt mit weiteren Kameraden am Tisch und überprüft Handwaffenmunition

Monatlich wird die Munition der Kameraden gesichtet. Bisher gab es keine Mängel

Bundeswehr / PAO Counter Daesh

Hier im Einsatzkontingent in Jordanien bin ich in der Munitionslagerung eingesetzt. Das bedeutet, dass wir die Munition lagern, bestellen, verschicken, ausgeben, regelmäßig sichten und überprüfen. Die Munition prüfe ich dabei stichprobenartig auf äußere Verformungen, Riefen oder Verfärbungen, als möglichen Hinweis auf Oxidationen. Die Luft hier in der Wüste ist staubig und heiß, man schwitzt und das regelmäßige auf- und abmunitionieren beansprucht die Patrone ebenso mechanisch. Das „Munitionsteam“ in Al-Asrak kommt momentan komplett aus meinem Heimatverband in Jagel. Bei allen Einsätzen und Tätigkeiten im In- und Ausland habe ich aber bisher die Erfahrung gemacht, dass wir Munitioner schnell als Team zusammenwachsen. Man muss sich einfach gegenseitig aufeinander verlassen können.

Das macht meine Tätigkeit hier besonders.

Orkan T. steht vor zwei Lenkflugkörpern und überprüft dessen Zustand

Auch die Lenkflugkörper der Tornados müssen regelmäßig geprüft werden

Bundeswehr / PAO Counter Daesh

Die Bedingungen hier sind natürlich anders als zu Hause. Das Klima, immer neue Kameraden, die Arbeit mit anderen Nationen aber auch die Örtlichkeiten und Unterkünfte sind anders als daheim. Was mir das alles leichter macht, ist der Zusammenhalt unter den Kameraden, das gemeinsame Ziel und der Wille, sich auch gegenüber unseren Partnernationen täglich zu beweisen. Interessant empfinde ich, die Möglichkeit, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen. Und völlig anders als in Jagel ist, dass hier alle Fachgruppen direkt verbunden sind und auf engstem Raum zusammenarbeiten. Dadurch unterstützen wir uns gegenseitig, die Wege sind kurz und für jedes Problem kann schnell eine Lösung gefunden werden. Hierbei ist jeder ein wichtiges Rad im Uhrwerk des Einsatzverbandes, niemand ist zu viel und keiner zu wenig!

Das vermisse ich hier am meisten.

Am meisten vermisse ich meine Familie - meine Frau, und meine zwei kleinen, frechen Prinzessinnen. Ich vermisse es auch, einfach mal wieder machen zu können, was ich will, meine Freunde zu treffen, mal in die Stadt zu gehen oder ans Wasser zu fahren. So eine Briese Seeluft in der Nase, etwas Salz auf der Zunge und das Rauschen vom Meer im Ohr macht auch den vollsten Kopf am Ende wieder frei.

Das sind meine Pläne, meine Wünsche und Grüße.

Mein größter Wunsch ist es, einfach wieder pünktlich bei meiner Familie zu sein – meine Kinder und meine Frau in die Arme zu schließen und es einfach zu genießen, zu Hause zu sein. Die Familie jeden Tag zu sehen und zu spüren, dass es allen gut geht, ist schon von unschätzbarem Wert. Was ich mir von der Zukunft erhoffe ist, dass meine Gesundheit so gut bleibt wie jetzt und dass es meiner Familie immer gut geht. Nach dem Einsatz gehe ich direkt zurück in den Dienst nach Jagel. Ich komme dadurch gleich wieder in mein gewohntes Leben und den Alltag daheim. Und wenn dann alles „so wie immer“ läuft, machen wir als Familienritual immer einen ausgedehnten Urlaub. Darauf freue ich mich schon jetzt.

von Orkan T.

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